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Deutscher Operetten-Preis: Roland Seiffarth hilft jungen Dirigenten beim Workshop in der MuKo

Väterliche Ratschläge Deutscher Operetten-Preis: Roland Seiffarth hilft jungen Dirigenten beim Workshop in der MuKo

Noch bis Freitag üben sich vier Nachwuchsdirigenten in der Musikalischen Komödie in der Kunst des Operettendirigierens – mit all ihren Tücken. Gezielte Hilfe gibt es von Ehrendirigent Roland Seiffarth. Er verpasst den Darbietungen den letzten Schliff für das Abschlusskonzert. Dem Gewinner winkt der Deutsche Operetten-Preis.

Inspirative Runde in der Musikalischen Komödie: Ehrendirigent Roland Seiffarth gibt den Spitzennachwuchstalenten Nuno Coelho, Jirí Rozen, Dominic Limburg und Ingmar Beck (v.l.) wertvolle Tipps bei der ersten Orchesterprobe.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Minutenlang bleibt Ehrendirigent Roland Seiffarth, 75, neben seinem Schützling stehen. Er lässt den Tschechen Jirí Rozen, 24, noch einen Moment gewähren, um dann zu kritteln: „Wirklich piano!“ oder: „Es ist mir ohnehin ein bisschen zu hektisch, lass dir Zeit, bitte nicht eilen“. Tatsächlich hört sich der Walzer „Gold und Silber“ von Franz Lehár bei der Wiederholung dieser Partien anders an, besser als zuvor. Die Melodien fließen, haben Zeit, sich zu entfalten, bevor Rozen mit einer fulminanten Geste und seinem Taktstock das Orchester der Musikalischen Komödie zum Schweigen bringt.

Ein ungewöhnliches Szenario in Anwesenheit des 60-köpfingen Orchesters. Zwei Dirigenten an einem Pult: Einer, der alte Hase, lehnt leger am Geländer, seine Hand ruht manches Mal väterlich auf dem Arm des Jüngeren. Der Andere, vornüber gebeugt, den Taktstock eifrig über oder neben dem Notenständer schwingend. Einsätze und Klang streben noch nach Perfektion, sind im Werden. Bei den Proben im Rahmen des Operettenworkshops „Junge Dirigenten in der MuKo“ bekommen Ingmar Beck, 28, der in Wien studiert, Dominic Limburg, 25, Student in Zürich wie Nuno Coelho, 26, und Jirí Rozen gezielte Hilfe von Seiffarth, einem der raren Operettenspezialisten unserer Zeit.

So kommt es öfters vor, dass Seiffarth eingreifen muss. Er nimmt die Partitur in die Hand, um mit eigenen Bewegungen die richtige Richtung zu weisen. Seine Finger trippeln wirbelnd durch die Luft. Er klatscht in die Hände, wenn das Schlagzeug seinen Einsatz hat. Für die vier Jungdirigenten ist es die ideale Vorbereitung aufs morgige Abschlusskonzert des Operettenworkshops. Sie können sich gar nicht genug vorbereiten. Denn Operette ist nicht nur leichte Muse, sondern harte Arbeit. Und jede noch so kleine Bewegung des Dirigenten wirkt sich enorm auf den Klang aus.

Altmeister berät bei stilistischen und technischen Tücken

„Seiffarth hat so viel Erfahrung, spürt das alles in sich. Es ist toll, das mitzunehmen“, schwärmt Limburg. Der Altmeister gebe nicht nur musikalische, stilistische Tipps, sondern auch viele technische. Manche Stücke haben die Orchestermitglieder so tief „in den Knochen“, dass sie Passagen mühelos allein weiterspielen könnten. Dennoch versucht Limburg Seiffarths Anregungen umzusetzen und findet weitere Stellen, die er nacheinander bis zum Gelingen durchexerziert. „Man hat nicht immer die Zeit bei einem so großen Repertoire alles auseinanderzunehmen“, bekundet Beck. Trotzdem findet Seiffarth an diesem Vormittag immer wieder den Fehler im Detail. „Ohne Pfeffer; kein Pfeffer“ ruft er dann. Oder: „Da müssten die Geigen eigentlich ins Fine gehen.“

Seiffarth sitzt beim morgigen Abschlusskonzert ebenfalls in der Jury und entscheidet, welcher der Kandidaten, allesamt Stipendiaten des Dirigentenforums, den „Deutschen Operettenpreis für junge Dirigenten“ gewinnt. Seit 2009 vergibt das Forum, ein Förderprogramm des Deutschen Musikrats, diesen Preis. Der Gewinner darf bei einer Neuproduktion der Musikalischen Komödie assistieren und eine oder mehrere Vorstellungen dirigieren, wie Mihhail Gerts (2014) und Kristiina Poska (2011) in „Die lustige Witwe“ und „Der Zarewitsch“. Darüber hinaus vergibt die Leipziger Volkszeitung den Publikumspreis, und der Kultursender MDR Figaro überträgt das Konzert live.

Begegnungen und Erfahrungen mit Seiffarth sind Karrierebeschleuniger

Für die Nachwuchsdirigenten ist es ein Karrieresprungbrett. Erfahrungen und Begegnungen mit namhaften Dirigenten wie Seiffarth, Jörn Hinnerk Andresen oder John Carewe in den Meisterkursen, verschaffen Vitamin B fürs bevorstehende Berufsleben. Der ehemalige Teilnehmer Markus Proschner zum Beispiel ist mittlerweile Generalmusikdirektor in Bremen. Noch heute hält er, sagt Esther Klose, die Sprecherin des Dirigentenforums, Kontakt zu Seiffarth und bittet ihn um Ratschläge.

„Das Genre Operette wird während der Hochschulausbildung oft vernachlässigt“, so Klose. Dabei könnte es jeden Einsteiger sofort beim ersten Theaterengagement treffen, vermutet Beck. So übt er sich an diesem Vormittag fleißig am „Zigeunerbaron“ und „Vergnügungszug“. „Wenn die Wiener Philharmoniker anrufen“, witzelt er, „müssen wir keine Sorgen haben.“

„Nicht zu schnell“, huscht es Seiffarth dagegen nach der Pause über die Lippen. „Auch wenn ich das Wort ,langsam’ gern vermeiden will“, fügt er hinzu. Also geht Rozen noch mal ran: Der erste Walzer wird nun feinfühliger. Auch der dritte hat Korrekturbedarf. Endlich ist Seiffarth zufrieden. „Sehr schön. Ist klar jetzt“, brummt er vergnügt und dreht sich um. Er überlässt dem Jungen wieder das Zepter. Morgen muss er es allein schaffen, der Rozen. Beck, Limburg und Coelho genauso. Und wen auch immer Jury und Publikum auszeichnen werden – intensiv weiterentwickelt haben sie sich alle Vier.

Abschlusskonzert Operettenworkshop, Samstag, 19.30 Uhr, Musikalische Komödie Leipzig, Restkarten ab 21 Euro unter Tel. 0341 1261261

Von Melanie Steitz

Dreilindenstraße 30, 04177 Leipzig 51.336179 12.339182
Dreilindenstraße 30, 04177 Leipzig
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