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"Deutscher Operettenpreis für junge Musiker" und LVZ-Publikumspreis in der MuKo

"Deutscher Operettenpreis für junge Musiker" und LVZ-Publikumspreis in der MuKo

Am späten Samstagabend steht in Leipzigs Musikalischen Komödie der Gewinner fest: Mihhail Gerts erhält den zum sechsten Mal vergebenen "Deutschen Operettenpreis für junge Dirigenten" der Oper Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Dirigentenforum des Deutschen Musikrats.

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Mihhail Gerts hat den "Deutschen Operettenpreis für junge Dirigenten" erhalten.

Quelle: Tom Schulze

Leipzig. Damit darf sich der 1984 geborene Este auf eine Assistenz und ein Gastdirigat bei der Muko-Produktion von Lehárs "Die lustige Witwe" im März freuen.

Die Wahl des Gewinners war alles andere als leicht. Denn die fünf Teilnehmer des diesjährigen Workshops erweisen sich im Abschlusskonzert im gestopft vollen Haus Dreilinden durchweg als höchst talentierte Operettendirigenten.

Bettina Volksdorf führt durch den Abend, und ein bisschen dick trägt die Moderatorin schon auf, wenn sie anfangs verkündet, die Operette sei das Schwierigste, was es zu dirigieren gebe. Dem möchte man gern widersprechen, aber ein Körnchen Wahrheit findet sich dennoch: Es ist richtig schwer, dieses Musikgenre richtig gut zu dirigieren, zumal im Gegensatz beispielsweise zu Neuer Musik, jeder, wirklich jeder hört, wenn mal was nicht funktioniert. Hier setzt die Musikalische Komödie Leipzig hohe Maßstäbe.

Dass das hiesige Orchester Operetten richtig gut spielen kann, hat es vor allem Roland Seiffarth zu verdanken, der dem Muko-Klangkörper nach seinem Wechsel in den wohlverdienten Ruhestand immer noch als Ehrendirigent verbunden ist. Auch 2014 leitet Seiffarth den mittlerweile 12. Operettenworkshop im Leipziger Westen und bricht hier eine weitere Lanze für die andernorts leider allzu oft stiefkindlich behandelte kleine Schwester der Oper.

Fünf junge Menschen aus Deutschland, Russland, Estland, Litauen und Taiwan haben die diesjährige Chance genutzt, einige Tage mit einem Berufsorchester und einem erfahrenen Dirigenten zu arbeiten und sich dem schweren Genre der leichten Muse professionell zu nähern. Nun stellen sie sich dem Urteil der Jury, die unter dem Vorsitz des Dirigenten Manfred Mayrhofer den Chefdirigenten und Musikalischen Oberleiter der Musikalischen Komödie Stefan Diederich, den Theaterwissenschaftler Stefan Frey, den Ehrendirigenten Roland Seiffarth sowie die Kammersängerin Regina Werner-Dietrich vereint.

Ein schöner Gala-Abend wird es mit den abwechselnd von den Teilnehmern dirigierten Schmankerln der Operettenliteratur, ein Genuss wird es mit dem glänzend aufspielenden Orchester der Musikalischen Komödie sowie den Gesangssolisten Lilli Wünscher, Bénédicte Hilbert, Anne-Kathrin Fischer, Milko Milev, Radoslaw Rydlewski und Andreas Rainer.

Doch nicht nur das Votum der Jury ist gefragt, auch das Publikum im rappelvollen Saal hat ein Mitspracherecht, denn die Leipziger Volkszeitung vergibt erneut einen Publikumspreis. Und auch hier wird schnell offensichtlich: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Denn talentiert sind die Kandidaten wirklich alle und bringen überdies jeweils ein ganz persönliches Profil mit.

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Erhielt besonders viel Beifall: Giedre Šlekyte aus Litauen beim Operettenworkshop „Junge Dirigenten“.

Quelle: Christian Nitsche

So ist der Schlag des jungen Russen Sergey Simakov wohl der geschmeidigste, auch wenn die Ouvertüre zu Johann Strauß' "Zigeunerbaron" in seiner Liebe zum Detail etwas kleinteilig gerät und den Schwung vermissen lässt, den er im zweiten Programmteil in Robert Stolz' "Ob blond, ob braun" nachliefert.

Hermes Helfricht, 21, kommt aus Radebeul, studiert derzeit in Berlin und entledigt sich seiner Aufgabe mit Bravour. Achtsam, sinnlich, elegant und feinfühlig koordiniert er das Zusammenspiel von Orchester und Bariton Milev in Millöckers Auftrittslied des Ollendorf aus "Der Bettelstudent" und erntet für die Ouvertüre zu "Leichte Kavallerie" von Franz von Suppé nach der Pause einen vehementen Bravoruf und viel Applaus.

Besonders reichlichen Beifall erhält auch Giedre Šlekyte aus Litauen. Dabei hätte man sich auch von der jungen Dame, die so inspiriert und mit kompetenter Grazie "Die Unschuld vom Lande" aus Strauß' "Die Fledermaus" dirigiert, eine zweite Kostprobe ihres Könnens vor der Pause und damit vor der Abgabe der Publikums-Stimmzettel gewünscht - die anderen vier Kandidaten hatten diese Gelegenheit.

Chin-Chao Lin beispielsweise kann dadurch seine Wandlungsfähigkeit beweisen, wenn er auf den lockeren, lässigen fast groovigen Hüftschwung in "Wenn du mich sitzen lässt" aus Emmerich Kálmáns "Die Zirkusprinzessin" zurückhaltende Eleganz in Strauß' "An der schönen blauen Donau" folgen lässt.

Mihhail Gerts schließlich hat in seiner Heimat Estland bereits Operetten dirigiert und nach eigenem Bekunden in Leipzig "Tradition gelernt". In Strauß' Ouvertüre zur "Fledermaus" lässt er entsprechend souverän die Violinen silbrige Fäden spinnen und später alle in mitreißendem Schmiss auftrumpfen - der Preisgewinn ist verdient, und der Applaus begeistert wie anerkennend.

Ihr Herz hat die Zuhörerschaft allerdings an einen anderen Teilnehmer verschenkt: Den LVZ-Publikumspreis, Kulturchef Peter Korfmacher übergibt dem Gewinner neben der Urkunde Noten der Operette aller Operetten, Johann Strauß' "Die Fledermaus", und Alain Lombards Maßstäbe setzende Einspielung von Offenbachs "La Périchole", nimmt am späten Samstagabend nach einer denkbar knappen Entscheidung der Taiwanese Chin-Chao Lin mit nach Hause. 126 von 430 Stimmen entfielen auf ihn, 123 auf Hermes Helfricht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.01.2014

Birgit Hendrich

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