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Kultur Dichter von Bach-Kantaten identifiziert
Nachrichten Kultur Dichter von Bach-Kantaten identifiziert
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18:42 19.10.2015
Titel des Kantatenbuchs von Christoph Birkmann aus dem Jahr 1928  Quelle: Bach-Archiv
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Leipzig

 Das Bach-Archiv Leipzig begibt sich seit Anfang September für die Dauer von zwei Jahren auf die Spuren des Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750). Mit Hilfe des neuen Forschungsprojekts, das von der Fritz Thyssen Stiftung mit 150.000 Euro für Personal und Sachleistungen finanziert wird, sollen die verschiedenen Lebensläufe von 125 seiner Privatschüler von Deutschland über Mittel- und Osteuropa bis nach St. Petersburg unter die Lupe genommen und rund 200 Archive im In- und Ausland durchkämmt werden.

„Noch viele weiße Flecken“

Mit dem neuen Ansatz wollen fünf Wissenschaftler mehr über das Werk, Leben, die Unterrichts- und Aufführungspraxis von Bach herausfinden. Denn anders als bei anderen Komponisten seiner Zeit, ist über sein Leben nur wenig bekannt. Laut dem Direktor des Bach-Archivs Leipzig, Peter Wollny, „gibt es noch viele weißen Flecken“ in der Vita Bachs. Das soll sich nun ändern.

Die Forscher konnten bereits neue Erkenntnisse gewinnen und einen Bach-Schüler ausfindig machen, der eine weitaus größere Rolle bei der Entstehung der Bach-Kantaten hatte, als bislang angenommen. Wie die Leipziger Wissenschaftlerin Christine Blanken herausfand, ist der Nürnberger Theologe Christoph Birkmann (1703-1771), der in den Jahren 1724 bis 1727 in Leipzig studierte, neben seinem künstlerischen Wirken als Musiker bei der Entstehung der Bach-Kantaten auch selbst Verfasser der Texte für einige der Solo-Stücke gewesen. Dazu gehört unter anderem die Kantate „Ich will den X-Stab gerne tragen“. Laut Vorstand des Bach-Archivs zählt diese Entdeckung zu den bedeutendsten Funden seit rund 40 Jahren.

Mitarbeit von Studenten an Bach-Kantaten bisher unbekannt

Blanken: „Bisher war nicht sicher, wer diese Texte verfasst hat. Wir können aufgrund des Birkmannschen Kantatenbuchs von 1728 ‚Gott-geheiligte Sabbaths-Zehnden‘ heute sagen, dass er acht der dort notierten 30 Solo-Stücke selbst verfasst hat. Sie sind vom Stil her gleich und ein Autor ist nicht genannt.“ Birkmann selbst schreibt in seinem Vorwort, dass er die Verse weitestgehend selbst verfasst habe. Die Forscherin geht auch davon aus, dass die Choräle in drei Arien der zweiten Fassung der Johannespassion aus dem Jahr 1725 von Birkmann stammen. Bedeutend ist der Fund auch, weil die Wissenschaft zuvor keine Hinweise darauf hatte, dass studentische Texter an den Werken Bachs mitgearbeitet haben.

Blanken: „Die Forschung hat sich in der Vergangenheit eher auf Werke und Gesamtausgaben konzentriert, um mehr über Bach zu erfahren. Das Risiko, in Biografien zu recherchieren, ohne dass dabei etwas heraus kommt, war den Wissenschaftlern zu groß. Recherchen zu den Privatschülern wurden lange Zeit vernachlässigt.“

Am Ende der Untersuchung 2017 will das Bach-Archiv einen Abschlussbericht vorlegen. Die Ergebnisse sollen dann unter www.bachdigital.de einsehbar sein.

Von Oliver Becker

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