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Die Bier-Monologe: Hallenser Produktion am Donnerstag erneut in der Nato

Leipzig-Premiere Die Bier-Monologe: Hallenser Produktion am Donnerstag erneut in der Nato

Die Werbeindustrie lässt in Sachen Bier gern ein wesentliches Marktsegment außen vor. Nicht so die Kulturmacher: Am Wochenende hat das Stück „Bier für Frauen“ der Schaustelle Halle unter der Regie von Silvio Beck als Gastspiel in der Nato Leipzig-Premiere gefeiert.

Nicht damenhaft? Conny Wolter, Astrid Kohlhoff und Stefan Ebeling wollen vom Leben mehr als ein kleines Bier: ein großes nämlich.

Quelle: René Schaeffer

Leipzig. Wenige Produkte sind im Marketing so auf Männlichkeit getrimmt wie Bier. Dabei ist das zumeist gelbe Gold historisch gesehen eigentlich Frauensache und wurde früher von Nonnen gebraut. Später erhielt das Getränk den Ruf, wenig damenhaft zu sein. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei, und wir kommen in den Genuss von „Bier für Frauen“.

Am Wochenende hat das Stück „Bier für Frauen“ der Schaustelle Halle unter der Regie von Silvio Beck als Gastspiel in der Nato Leipzig-Premiere gefeiert. Die Choreografie hat Ellen Brix entwickelt. Man kann die Inszenierung als eine Studie oder Recherche zu den Themen Trinken und Sprache betrachten. Gleich zu Beginn durchbrechen die Darsteller Astrid Kohlhoff, Conny Wolter und Stefan Ebeling mit Nachdruck die vierte Wand, indem sie sich an das Publikum wenden und die Prämissen der Darbietung erklären. Das Stück von Felicia Zeller ist mehr eine Sammlung von Kneipengesprächen als ein zusammenhängendes Schauspiel mit festen Rollen. Es handelt sich um Szenen und Fragmente mit drei Frauenfiguren. Die drei haben sich mit Kleidern und hohen Absätzen in Schale geworfen, wobei Stefan Ebeling besonders schick aussieht. Ein Zuschauer wird für die Dauer des Stücks zum Bartender erkoren, der auf Anfrage von der Bühne stets antwortet: „Wir haben aber nur Beck’s“. Auf der Bühne soll nicht getrunken werden – eigentlich.

So viel Identifikationsfläche, dass es fast weh tut

Dass es hier um mehr geht als den puren Akt des Trinkens, wird bereits klar als die drei Damen „I Want To Break Free“ von Queen anstimmen. Es geht hier um Kommunikation, mal beflügelt durch den Genuss des Gerstensafts, mal davon verhindert. Darüber hinaus geht es um die Wünsche der Frauen nach Klarheit, einem erfüllten Leben und etwas, das sich echt anfühlt. Gleich die erste Szene erinnert tatsächlich an etwas, das man so in einer Bar überhören könnte. Da hier aber völlig auf Hintergrundmusik und Szenografie verzichtet wird, wirkt das, was sonst Normalität ist, nackt und erfrischend absurd.

Möbel wären auch nur im Weg, denn die Darbietungen schwanken zwischen völligem Stillstand und massivem Körpereinsatz, der nach der gesamten Bühne verlangt. Neue Szenen werden durch einen kurzen Zwischenruf der Darsteller angekündigt und werfen die drei in immer neue Situationen. Manchmal sind die Szenen sehr choreografiert und herrlich überspitzt, andere Male wirken die Frauenfiguren so natürlich und bieten so viel Identifikationsfläche, dass es fast weh tut.

Das Publikum lacht herzlich mit, ob nun eine lustige A-cappella-Version von Michael Jacksons „Billie Jean“ dargeboten wird oder eine der Frauen die anderen beiden physisch über die Bühne zerren muss, um sie zu motivieren, endlich mal etwas ganz anderes als sonst zu tun. Interessante Monologe mit teils ungewöhnlichen, teils unvollendeten, aber treffenden Formulierungen stoßen auf die sehr sympathisch dargebotenen Herausforderungen des Alkoholkonsums, was das Publikum mit Lachen und Beifall quittiert. Dabei kommen immer wieder die Bedürfnisse der Frauen zu Tage: Frauen wollen eben auch mehr vom Leben. Das ganze Bier, nicht nur das kleine. Notfalls auch Beck’s.

„Bier für Frauen“ wieder am Donnerstag, 20 Uhr, Nato (Karl-Liebknecht-Straße 46), Eintritt 15 /10 Euro

Von Miriam Heinbuch

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