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„Die Buchse voll“ - Bodo Wartke über seinen Auftritt im Einmannstück "König Ödipus"

„Die Buchse voll“ - Bodo Wartke über seinen Auftritt im Einmannstück "König Ödipus"

Der Kopf von Bodo Wartke gleicht einer Kiste voller nützem Firlefanz – ein Haufen brauchbarer Ideen, verstaut mit der nötigen Expertise um diese jederzeit in frische Reime und Kompositionen umzusetzen.

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Klavierkabarettist Bodo Wartke ist mit dem Stück "König Ödipus" im Einmanntheater zu sehen. (Archivfoto)

Quelle: Stephan Lohse

Leipzig. Wartke ist ein Naturtalent und verblüfft auf der Bühne mit Charme, Witz und Unverfrorenheit. Zwar arbeitet der Norddeutsche hauptberuflich als Klavierkabarettist und Liedermacher – 2009 hat er allerdings etwas Neues aus seiner Kopfkiste gezogen – was nicht minder überrascht!

Ausgerechnet Sophokles‘ „König Ödipus“ griff er sich, den antiken Mythos um den Königssohn von Theben, der durch das Schicksal getrieben zunächst seinen leiblichen Vater tötet und später ahnungslos seine Mutter heiratet. Doch Wartke wäre nicht Wartke, hätte er nicht das gesamte Drama in eigene Reime und Wortspiele umgeschrieben und mit selbstkomponierten Klavier-, Mundharmonika- und Cajóneinlagen aufgefrischt. Das markanteste Detail: die Wartke‘sche Version des Klassikers ist ein Einmanntheaterstück – 14 Figuren in anderthalb Stunden. Mutet sich der Künstler da trotz Multitalents nicht zuviel zu? Am Donnerstagabed spielt er ab 20 Uhr im Centraltheater, die LVZ sprach zuvor mit ihm:

Herr Wartke, in „König Ödipus“ spielen Sie ein gutes Dutzend Rollen nahezu zeitgleich – wie vermeiden Sie auf der Bühne ein Figuren-Wirrwarr?

An sich ist dem Publikum während der Aufführung immer klar, wer wer ist. Durch Ortswechsel und einzelne Requisiten entsteht tatsächlich die Illusion, als würden sich zwei oder drei Personen gleichzeitig auf der Bühne unterhalten. Das führt allerdings dazu, dass ich auf großen Bühnen ganz schön viel unterwegs bin, weil eine Figur der jeweils anderen oftmals am anderen Ende der Bühne gegenübersteht und ich somit bei Rollenwechseln immer hin und her laufen muss. Daraus ergibt sich aber eine Situationskomik, die überaus lustig ist.

Welche Rolle fordert Sie am stärksten in der Umsetzung heraus?

Während der Probenzeit war es das Schwierigste, für Iokaste, die einzige Frauenrolle im Stück, eine Spielweise zu finden, die die Figur glaubwürdig als Frau erscheinen lässt ohne sie zu karikieren – also auf affektiertes Sprechen und hohe Fistelstimme zu verzichten. Iokaste hat auch kein Requisit, anhand dessen sie als Frau erkennbar ist, sondern im Grunde nur ihre Art sich zu bewegen. Das war die größte Herausforderung für mich, aber jetzt funktioniert es ganz gut.

Bodo-Wartke-Liebhaber erwarten zunächst amüsantes Klavierkabarett – haben Sie während der Vorbereitung zu „König Ödipus“ des Öfteren an sich und der Inszenierung gezweifelt?

Ja, ich hatte große Zweifel und echt die Buchse voll – das Risiko war natürlich groß. Aber ich glaube, es ist das Beste, das zu tun, was einem selbst gefällt. Dann ist man auch „gut“ darin und es macht Spaß, demjenigen zuzuschauen. Letztlich wusste ich sowohl bei meinen Klavierkabaretts, als auch bei Ödipus nie, welche Witze funktionieren und welche nicht – das macht die Sache aber auch spannend!

An welcher Stelle in „Ödipus“ haben Sie mit Gelächter aus dem Publikum so gar nicht gerechnet?

Die Zuschauer finden es oft wahnsinnig toll, wie Iokaste sich aufhängt. Am Ende des Stückes begeht sie Selbstmord und das ist eigentlich eine ziemlich schlimme Szene. Iokaste springt von der Bühnenkante, hängt sich auf mit dem Schlips, den ich trage, und fängt dann an zu baumeln. Das Publikum sieht, wie ich dazu den Schlips über mich halte und meinen Körper drehe, sodass er hin und her pendelt. Dennoch erzeuge ich damit die Illusion, ich würde am Strick baumeln. Und diesen Effekt finden die Leute so klasse, dass sich häufig spontan Gelächter und Applaus entlädt.

Wie schütteln Sie nach einem Auftritt Ihre Rolle als Bühnendarstellers ab? Fällt es schwer, nach einer Aufführung abzuschalten?

Das blöde ist, dass ich oft nicht sofort einschlafen kann im Hotel, weil ich erst gegen 20Uhr am Abend den Höhepunkt meiner Energie erreiche. Andere Leute, die in anderen Berufen stecken, legen sich ja auch nicht sofort ins Bett, wenn sie um 18Uhr Feierabend haben. Ich mache daher meistens vor Zwei kein Auge zu. Frühstück gibt es im Hotel allerdings nur bis zum Vormittag. Tendenziell schlafe ich also lieber bei Freunden in Städten. Manchmal begehe ich den Fehler und schalte um diese Uhrzeit noch den Fernseher an – ganz schlecht. Das, was um diese Uhrzeit im TV läuft, kann ich nicht empfehlen – ständig wollen irgendwel-che Leute, dass ich Sie aus irgendwelchen Gründen anrufe.

Welcher Rolle oder Eigenschaft, die Sie im realen Leben innehaben, würden Sie sich gerne wie einer Bühnenfigur entledigen?

Ich habe einen Wortspiel- und Reime-Plug in. Wenn ich gute Laune habe, dann sprudeln die Wortspiele nur so aus mir heraus. Mein Regisseur nennt es immer die „Abendverse“. Das macht nicht immer allen Leuten Spaß, die sich in meiner Gegenwart aufhalten.

Heraussprudelnde Reime – das unterscheidet sich ja nicht viel von dem Bodo Wartke, den wir aus Ihren Programmen kennen. Wieviel von sich selbst stellen Sie auf der Bühne zur Schau?

Ein Teil von mir spielt da schon auf der Bühne mit – aber eben ein spezieller, den ich im Privatleben natürlich nicht immer herauslasse. Nicht alles was ich im richtigen Leben sage, reimt sich. Und wenn ich in die Berliner U-Bahn einsteige, rufe ich ja auch nicht fröhlich „Gu-ten Abend und herzlich willkommen!“

Ihr neues Programm „Klaviersdelikte“ klingt nach einer Rückkehr zum typisch Wartke‘schen Klavierkabarett.

Das stimmt. „Klaviersdelikte“ feiert im Januar Premiere. Ich mache natürlich viel, was man von mir kennt, bringe aber auch einige neue Dinge mit ein, die man von mir noch nie gesehen hat. Aber da möchte ich noch nichts verraten, da dürfen Sie gespannt sein.

Vielleicht ermitteln Sie als klavierspielender Kommissar nach einem Mord? Mit Schießereien, Feuer und waghalsigen Stunts?

Eigentlich nicht, aber gute Idee! Vielleicht werde ich das noch mit einbauen!

Vielen Dank für das Interview.

Interview: Claudia Hildenbrandt

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