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Kultur Die Doku zur Krise: „Als Paul übers Meer kam“
Nachrichten Kultur Die Doku zur Krise: „Als Paul übers Meer kam“
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00:00 30.08.2017
Gesicht der Krise: Den Kameruner Paul hält sein Gottvertrauen zuversichtlich. Er will unbedingt nach Berlin. Quelle: Farbfilm
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Hannover

Eigentlich wollte Jakob Preuss eine Reportage über Grenzschutzbehörden und Grenzkontrollen rund um Melilla drehen, der spanischen Exklave an der marokkanischen Mittelmeerküste. Doch dann lernte der Berliner Paul kennen, einen Kameruner, der in einem Camp nahe dem Grenzzaun lebte und auf eine von Schleusern organisierte Überfahrt nach Spanien wartete. Diese Begegnung hatte für beide Männer einschneidende Folgen. Gut zwei Jahre lang begleitete der Regisseur Paul mit der Kamera auf der strapaziösen Reise bis nach Berlin.

Regisseur Preuss verlässt die Rolle des Beobachters

Entstanden ist kein klassischer Dokumentarfilm. Preuss verlässt schnell die Rolle des Beobachters und greift ins Geschehen ein. Diesen Vorgang thematisiert er in seinem Film, reflektiert dabei neben seinen Beobachtungen aber auch ausdrücklich seine Ängste als Freund Pauls. So ist „Als Paul über das Meer kam“ nicht nur der gelungene Versuch, den zahllosen anonymen Migranten am Beispiel eines Einzelschicksals ein Gesicht zu geben, sondern ebenso ein interessanter Film über das dokumentarische Arbeiten.

Erstaunliche Reflektionen des eigenen Schicksals

Für einen Filmemacher ist der Kameruner ein Glücksfall: Pauls Offenheit, sein freundliches Wesen und sein Gottvertrauen sind ansteckend. Zudem verfügt Paul über die intellektuelle Fähigkeit, sein Schicksal zu reflektieren – mit erstaunlichen Ergebnissen. So entpuppt er sich als Verteidiger einer restriktiven Einwanderungspolitik der EU und nennt Argumente, die man sonst von konservativen europäischen Politikern hört. Was Preuss nicht nur überrascht, sondern auch verärgert.

Bei Ende der Dreharbeiten lebt Paul in Berlin. Er arbeitet als Altenpfleger und hofft auf seine Anerkennung als Asylsuchender. Und die wird ihm jeder Zuschauer von Herzen gönnen.

Von Ernst Corinth / RND

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