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Kultur Die Friedliche Revolution als Comic mit Protagonisten von 1989
Nachrichten Kultur Die Friedliche Revolution als Comic mit Protagonisten von 1989
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23:55 27.06.2014
Demonstranten bei der vorerst letzten Montagsdemonstration am 12.03.1990 in Leipzig. Quelle: dpa

"Herbst der Entscheidung" heißt die Bilder-Geschichte, die im Juli im Ch. Links Verlag erscheinen wird. Den Text verfasste Bernd Lindner - seit vielen Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zeitgeschichtlichen Forum. Für die Bilder war Peter M. Hoffmann zuständig.

Der ebenfalls in Leipzig tätige Grafiker, Zeichner und Autor ist anerkannt in der Szene, arbeitet für Zeitungen und Zeitschriften wie Zeit, Cicero, Falter und Wirtschaftswoche. Die Landeszentrale für politische Bildung fragte Bernd Lindner, ob er sich vorstellen könne, zum bevorstehenden Revolutionsjubiläum eine grafische Novelle zu versuchen. "Warum nicht?", dachte er sich und fragte beim Berliner Verleger Christoph Links an, der zusagte. Nun meinte der Textautor, die Leipzig-Story nur mit einem hiesigen Grafiker realisieren zu können. Und Peter Hoffmann war dabei. Lindner schrieb und verfasste als habililtierter Kultur- und Kunstsoziologe seine erste Prosa-Arbeit, Hoffmann bekam das Text-Drehbuch und zeichnete. Beide wissen, wovon sie schreiben und Bilder malen. Den Herbst vor 25 Jahren erlebten sie in Leipzig.

Die Geschichte ist Dichtung mit konkreten Bezügen zur Realität. Herbst 1989 in Leipzig: Der 17-jährige Abiturient Daniel, Sohn staatstreuer Eltern, soll sich, um studieren zu können, zu drei Jahren Armeedienst verpflichten. Es kommt zu Auseinandersetzungen, Daniel packt seine Sachen, haut von zu Hause ab und bekommt Kontakt mit der Leipziger Bürgerrechtsbewegung. Er verliebt sich in eine der Akteurinnen und gerät immer tiefer in den Sog der Ereignisse der Friedlichen Revolution. Es ist eine historisch authentische Geschichte, eine über das Erwachsenwerden und eine über das Erwachen des politischen Bewusstseins in dramatischen Zeiten.

Historie an konkreten Personen festgemacht

Ist Daniel auch eine erdachte Figur, so machen die Autoren die Historie an konkreten Personen fest. Im Comic treten - mit deren Zustimmung - manche Protagonisten von einst auf: Katrin Hattenhauer, Gesine Oltmanns, Christian Dietrich, Michael Arnold, Uwe Schwabe und Christoph Wonneberger, damals Pfarrer der Lukaskirche und an St. Nikolai der Koordinator der Friedensgebete. Die Figuren werden in markanten Situationen begleitet und authentisch abgebildet. Holzschnittartig sind entscheidende Ereignisse dargestellt - etwa die Demonstration nach dem Friedensgebet am 11. September, bei der auch Katrin Hattenhauer verhaftet wurde, weil sie das Plakat "Für eine offenes Land mit freien Menschen" trug. Bis über den 9. Oktober wurde sie inhaftiert.

Bernd Lindner kann dem Comic-Genre schon seit seiner ersten Begegnung mit den Digedags von Hannes Hegen viel abgewinnen. Er sorgte mit dafür, dass die Ost-Comic-Helden im Zeitgeschichtlichen Forum ihre dauerhafte Heimat fanden. Aber große Geschichte als grafische Novelle? - "Das Mosaik entführte ins Alte Rom und vermittelte höchst populär historische Ereignisse. Nichts anderes wollen wir. 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution ist eine junge Generation herangewachsen, die nur vom Hören-Sagen weiß, was geschah."

Die Bürgerrechtler, die im Revolutions-Comic ihren Auftritt haben, sind übrigens angetan über die zeitgemäße Reflexion ihrer Taten. Endlich mal was Neues, heißt es.

Bernd Lindner, Peter M. Hoffmann: Herbst der Entscheidung,

96 Seiten, 14,90 Euro, erscheint im Juli im Ch.-Links-Verlag. ISBN: 978-3-86153-775-5

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.06.2014

Tom Mayer

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