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Die Kunstvermittler: Das Theater der Jungen Welt stockt sein Theaterpädagogik-Team auf

Die Kunstvermittler: Das Theater der Jungen Welt stockt sein Theaterpädagogik-Team auf

Theaterpädagogen vermitteln Kunst. Und damit neue Erfahrungen und Erkenntnisse. Die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten steigt. Worauf das Theater der Jungen Welt reagiert: Das Team wird ab der kommenden Spielzeit um eine Stelle aufgestockt.

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Das Theaterpädagogik-Team am Theater der Jungen Welt: Ketura Herklotz, Sarah Eger, David Schönherr und Simone Neubauer (von links).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Rund 64 000 Besucher registrierte das Theater am Lindenauer Markt 2013. Davon zählen immerhin rund 9800 zu den theaterpädagogischen Kontakten. Und das entsprechende Angebot wird ausgebaut, was Mehraufwendungen der Stadt Leipzig von rund 60 000 Euro und gesteigerte Einnahmen des Theaters ermöglichen.

Theaterpädagogik mit künstlerischem Profil heißt es in der Stellenbeschreibung. Kein unwichtiger Zusatz, schließlich geht es nicht nur um eine wortreiche Vermittlung von Inhalten. Theaterpädagogik heißt auch, die Gäste vielfältige Erfahrungen machen und selbst in Rollen schlüpfen zu lassen. Ein Mehrgenerationenprojekt bringt seit 2009 alle Altersklassen zusammen. Gerade wird an der fünften Inszenierung gearbeitet, die von zwei professionellen Schauspielern begleitet wird. Je nach Alter sind Schüler im Kindertheaterclub oder Jugendclub aktiv. "Wir wollen einen Ort anbieten, an dem sie ihre Themen mit ihren Mitteln zeigen", sagt Simone Neubauer, Leiterin des Theaterpädagogik-Teams, zu dem auch David Schönherr, Sarah Eger und im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs Ketura Herklotz gehören.

In einem langfristig angelegten Modellprojekt arbeitet das Theater zur Zeit mit einer Oberschule aus Kitzscher zusammen. "Ziel ist, allen rund 190 Schülern der Schule regelmäßig, zum Teil im Unterricht, zum Teil in Form von Projekten, den Zugang zu Theater zu ermöglichen", erklärt Neubauer.

In der Regel geht es in Workshops nicht darum, am Ende ein bühnenreifes Ergebnis vorzulegen. Schüler sollen im geschützten Rahmen auch erfahren, dass man scheitern darf, dass man um des Spiels willen spielt, dass offen und nicht vom Ziel einer Aufführung her gedacht wird. Ein Beispiel ist das Theaterforschungslabor, in dem zehn- bis zwölfjährige Kinder verschiedenen Fragen im Theaterhaus nachgehen und sich ausprobieren. Auch die Theaterpädagogen haben dabei einen Lernprozess durchgemacht. Wenn beim ersten Treffen eine Bühne im Raum steht, sorgt das meist für die Frage, was man am Ende denn zeige. Also weg mit der Bühne, um unbefangen experimentieren zu können.

Regelmäßig sind Schulklassen zu Gast, die neue Inszenierungen schon im Probenprozess begleiten. "Crystal - Variationen über den Rausch" hatte Anfang März Premiere. David Schönherr, der das Stück begleitet, hat eine Abwehrhaltung ausgemacht. "Es wurde nicht reflektiert, dass es positive Aspekte des Rausches gibt", sagt er. Das heikle Thema rund um Rausch und die Modedroge Crystal wird künstlerisch offen über Elemente des Tanzes und der Performance angegangen, soll nicht über den erhobenen Zeigefinger vermittelt werden.

"Viele Schüler erwarten eine Fortsetzung der Schule mit anderen Mitteln", hat Simone Neubauer beobachtet. Das ging sogar so weit, dass eine Schülerin nach einem Stück fragte, ob das denn pädagogisch wertvoll sei. Tatsächlich kommt es gern zu Missverständnissen. "Wenn wir auf der Bühne jemanden zeigen, der kifft, dann heißt das noch nicht, dass wir das bewerten", sagt Neubauer. Und Sarah Eger ergänzt: "Es ist wichtig, erst zu beschreiben, bevor man in den Bewertungsmodus kommt." Dabei machen Schüler manchmal eine überraschende Entdeckung: Sie haben nicht das Gleiche gesehen wie ihre Mitschüler. Wahrnehmungen unterscheiden sich. Bewertungen erst recht. Vor allem fällt es vielen schwer, zur eigenen Meinung zu gelangen. Auch Geschichten mit offenem Ende lassen viele Jugendliche verwirrt zurück. Warum? "Vielleicht, weil die Welt schon kompliziert genug ist", spekuliert Neubauer.

Um diese komplizierte Welt etwas besser zu verstehen, sind auch Begegnungen über unsichtbare Grenzen hinweg wichtig. Das Theater achtet darauf, dass sich nicht nur Mittelschichts-Sprösslinge bei den Angeboten tummeln. Gleichaltrige aus einkommensschwachen Familien oder mit Migrationshintergrund finden über Kooperationen, zum Beispiel mit der Leipziger Kinderstiftung, den Weg ins Theater. Solche Begegnungen öffnen manchmal die Augen für die soziale Wirklichkeit. Schöner Nebeneffekt, aber zu sehr ins Feld der Sozialpädagogik will sich das Team nicht schieben lassen. Neubauer: "Wir sind nicht die Problemlöser des Theaters, wir vermitteln den Umgang mit Kunst."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.04.2014

Dimo Rieß

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