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Nachrichten Kultur Die Odyssee geht weiter: Leipziger Galerist Volker Zschäckel muss wieder umziehen
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00:19 26.06.2017
Mittlerweile geübt im Kisten packen: Volker Zschäckel muss bis Ende des Monats seine Geschäftsräume in der Dantestraße in Möckern verlassen Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Schon wieder packen, wieder tausende grafische Blätter, Gemälde und Skulpturen auf einen Umzug vorbereiten. Von Büchern und Akten ganz zu schweigen. Volker Zschäckel (63) ist genervt. Bis 2013 leitete er ein Leipziger Traditionshaus, die Galerie am Sachsenplatz. Seit er 2013 aus dem Fregehaus in der Katharinenstraße 11 ausziehen musste, betreibt er die Galerie virtuell. Das heißt, er sorgt sich weiter um rund 30 lebende und nicht mehr lebende Künstler von Gerhard Altenbourg über Hans-Peter Hund, Rolf Münzner und Werner Tübke bis zu Baldwin Zettl, organisiert Auktionen und Ausstellungen. Die Marke „Galerie am Sachsenplatz“, sie bleibt. Zschäckel ist ein Galerist ohne Galerie, „ein Phantom“, wie er sich manchmal mit gut eingeübtem Galgenhumor nennt.

Jetzt geht die Odyssee weiter. Erst vor vier Jahren hatte er in der Dantestraße in Möckern eine Wohnung als Büro bezogen – im selben Haus, in dem er auch privat lebt. Nun muss er dort schon wieder raus. Im November wurde die geschäftlich genutzte Wohnung zwangsversteigert. „Ich habe mir die Veranstaltung im Amtsgericht mal angesehen, das ist zwar ganz anders als bei einer Kunstauktion, aber in einem Punkt dann eben doch gleich: das höchste Gebot bekommt den Zuschlag.“

Fristlose Kündigung im Dezember

Den erhielt die Frau eines in Moritzburg ansässigen Spielhallen-Unternehmers. Nur gut eine Woche später hat Zschäckel Post von einer mit der Verwaltung beauftragten Dresdner Immobilienfirma. Von einer „fristlosen Kündigung“ bis zum 21. Dezember ist in dem Schreiben die Rede. Begründung für die Bescherung in der Adventszeit: Er habe die Wohnung zweckentfremdet genutzt.

Einen „Witz“, nennt das Zschäckel. „Selbstverständlich hatte ich die Räume für eine gewerbliche Nutzung angemietet.“ Sein Rechtsanwalt zeigt ihm verschiedene Szenarien auf. Als gewerblicher Mieter habe man nicht viele Möglichkeiten, sich auf Dauer zu wehren, erfährt er. Also einigt man sich auf einen Auszug bis zum 30. Juni. Normale Arbeit ist für Zschäckel unter diesen Bedingungen – sofortige Kündigung abwehren, neue Räume suchen, Umzug vorbereiten – kaum möglich. „Das hat mir ziemlich die Laune verhagelt.“ Um eine Auktion vorzubereiten, immerhin sein Broterwerb, sei ein halbes Jahr akribische Vorbereitung notwendig.

Zum Glück hat er nun neue Geschäftsräume gefunden, ausgerechnet in der Georg-Schumann-Straße 227. Im Nachbarhaus, in der 225 a, hatte er seine Karriere als Galerist begonnen. Von 1992–1995 residierte er dort. Auch damals wollte er nicht raus, sondern musste. Die LWB sanierte das Haus. Zschäckel war damals schon viele Jahre mit der Galerie am Sachsenplatz verbunden. Diese war 1973 von Gisela und Hans-Peter Schulz gegründet worden und ab 1986 im Fregehaus ansässig. Hans-Peter Schulz, ein Kunstsammler und Freund Bernhard Heisigs, betrieb die Galerie nach 1990 privat weiter, erkrankte jedoch 1995 schwer und starb ein Jahr später. Zschäckel übernahm den renommierten Kunstort, präsentierte auf den rund 200 Quadratmetern Künstler aus der Region, an denen alle Modewellen vorbeischwappen. Die Galerie am Sachsenplatz war eine Insel der Qualität – mit einem Bewohner, der auch heute seine Stimme erhebt, wenn in der Stadt mal wieder ein wichtiges Künstlerjubiläum unter den Tisch zu fallen droht.

Zschäckels Traum: ein Ort für Leipziger Kunst von Klinger bis heute

2013 kam die Kündigung im Fregehaus. Im Vorjahr hatte die Stadt das barocke Kaufmannshaus für gut zwei Millionen Euro verkauft. Das Haus wurde saniert. In den ehemaligen Galerieräumen richtete der neue Eigentümer, ein Architekt, sein Büro ein. Dreimal, meint Zschäckel, habe er im Weg gestanden. So ist die Geschichte des Galeristen auch eine Geschichte der Entwicklungen auf dem Leipziger Immobilienmarkt nach der Wende. Seine Idee, in Leipzig einen Ort zu schaffen, der sich konsequent der Leipziger Kunst von Max Klinger bis heute widmet, sei bei der Stadt bislang nur auf freundliches Desinteresse gestoßen.

Zschäckel arbeitet weiter, plant Ausstellungen auf Schloss Königshain bei Görlitz mit Leipziger Stadtlandschaften, Gerald Müller-Simon in Zittau, Wolfgang Mattheuer und anderen in Löbau sowie Michael Morgner in Frankfurt. In einer Woche muss er ausgezogen sein, Grund zur Freude gab es für ihn am Freitag dennoch: Der seit langem mit ihm verbundene Künstler Max Uhlig feierte seinen 80. – und die Einweihung seiner Kirchenfenster in der Magdeburger Johanniskirche.

Von Jürgen Kleindienst

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