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"Die Prager Botschaftsflüchtlinge 1989": Flucht und Freiheit in einem Buch

"Die Prager Botschaftsflüchtlinge 1989": Flucht und Freiheit in einem Buch

"Eigentlich ist es ein neues Buch, zu einem alten Thema", meint Tobias Hollitzer, Leiter des Museums in der "Runden Ecke" - doch es wurde Zeit, dass es nun erscheint.

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Im Gespräch: Geschichts-Professor Günther Heydemann, Buchautor Karel Vodicka und Zeitzeuge Christian Bürger (von links).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Im September vor 25 Jahren, sprach Hans Dietrich Genscher vor Tausenden DDR-Bürgern seine berühmten Worte auf dem Prager Botschafts-Balkon, verkündete ihnen die Ausreise nach Westdeutschland.

Der Rest seiner Rede versank im Jubel. Für sein neues Buch "Die Prager Botschaftsflüchtlinge 1989" wertete der tschechische Politologe Karel Vodicka nun neben deutschen auch erstmals tschechische Geheimdokumente aus. 8437 Akten insgesamt, berichtet Vodicka, seit 2010 gesammelt und analysiert am Hannah-Ahrend-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT) in Dresden.

"Die Flucht bedeutet für viele einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben", erzählt Vodicka. Über 10 000 DDR-Bürger flüchteten über Prag in die Freiheit, kletterteten über den Zaun der bundesdeutschen Botschaft, hausten zusammen in provisorischen Zeltlagern. "Es herrschte Wassermangel, die Gefahr von Durchfallerkrankungen und Epidemien stieg von Stunde zu Stunde." Christian Bürger, einer der ersten Botschaftsbesetzer und Sprecher der DDR-Flüchtlinge, berichtete bei der Werk-Vorstellung über seine Erlebnisse - über die Sonderzüge, mit denen sie statt direkt auszureisen noch einmal über DDR-Territorium fahren mussten.

"Die Bilder sind uns allen vertraut", so HAIT-Direktor Professor Günther Heydemann bei der Buchpräsentation diese Woche. Wer könne diese dramatischen Aufnahmen, die im Fernsehen gezeigt worden, vergessen? "Wer die Bilder gesehen hatte, dem war klar, dass dieser Staat am Ende ist." Mit dem Buch wurde eine der letzte großen Forschungslücken zur friedlichen Revolution geschlossen. "Ein wichtiger Beitrag zur DDR-Historie."

Bisher wurde die Flucht- und Ausreisebewegung oft nur als Begleiterscheinung erwähnt, sagt Gedenkstätten-Leiter Tobias Hollitzer. "Doch sie war wohl die größte geführte Bürgerbewegung gegen das SED-Regime", fügt er hinzu, "deutlicher konnte man seine Ablehnung nicht zeigen."

"Es ist nicht mehr gelungen, die Ausreisewelle zum Stillstand zu bringen", so Vodicka. Die Ereignisse hätten großen Einfluss auf die Friedliche Revolution in der DDR und der Samtenen Revolution in der CSSR gehabt - das neue Buch zeigt die politischen Entscheidungen, Hintergründe und ihre Folgen auf.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.09.2014

Benjamin Winkler

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