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Kultur Die Renaissance der Heimat: HTWK stellt Mehrgenerationenspiel "Mittedeutschland"
Nachrichten Kultur Die Renaissance der Heimat: HTWK stellt Mehrgenerationenspiel "Mittedeutschland"
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23:59 02.07.2014
Goethe, August der Starke, Napoleon und Luther sind die Spielfiguren-Protagonisten des neuen Brettspiels. Quelle: André Kempner
Leipzig

Wie lang muss eine Thüringer Rostbratwurst nach EU-Verordnung mindestens sein? Was ist falsch an der Silhouette des Alten Rathauses mit dem Turm in der Mitte? Welches ist das älteste deutsche Bier? Pfeifen Sie das Turnerlied! Diese und knapp 200 weitere Fragen und Aufgaben stellt das Mehrgenerationenspiel "Mittedeutschland", das an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTWK) entworfen wurde. Es soll das Heimatgefühl der Mitteldeutschen stärken und Wissenslücken schließen.

"Mittedeutschland" ist ein Brettspiel, das einzeln und in Gruppen von zwei bis 20 Personen gespielt werden kann. Die vier Spielfiguren Goethe, August der Starke, Napoleon und Luther werden über eine Karte von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gerückt, von Ort zu Ort. Es gibt vier große Städte, Leipzig, Dresden, Magdeburg und Erfurt. "Ziel des Spiels ist es, diese weiterzuentwickeln", sagt Saskia Kuhnert, wissenschaftliche Mitarbeiterin der HTWK und Mitglied der "Selbst Management Initiative Leipzig", die das Spiel unterstützt.

"Die dazu nötigen Ressourcenpunkte verdienen sich die Spieler beim Beantworten der Fragen zu Natur, Kultur, Wirtschaft und Technik und Geschichte der Region, beim Lösen der Aufgaben der Aktions- und Gemeinschaftskarten." Außerdem gibt es ein Überraschungssäckchen, in das jeder zu Beginn des Spiels einen Gegenstand legt, über den er beim Ziehen der passenden Karte etwas erzählen kann - etwa einen Geldschein aus Inflationszeiten oder ein Hochzeitsfoto der Großeltern. "Bei 'Mitte Deutschland' sollen sich Kinder, Eltern und Großeltern am Tisch zusammensetzen", sagt Kuhnert.

Die Idee für dieses Spiel hatte Rüdiger Ulrich, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der HTWK, vor mehr als zehn Jahren. "Schon damals war abzusehen, dass es eine Renaissance der Heimat geben würde, wenn der große Hype der globalisierten Weltanschauung sich etwas gelegt hat", sagt der 49 Jahre alte gebürtige Weimarer. Nach der Finanzkrise habe man das gut beobachten können. "Außerdem ist mir bei den Fahrradtouren durch Mitteldeutschland, die ich seit 14 Jahren mit Studenten mache, aufgefallen, dass sie etwa in der Naturkunde oder Religion große Wissenslücken haben."

Daraus sei die Idee entsprungen, sich spielerisch mit der Region zu beschäftigen. Die meisten Studenten hätten positiv auf diesen Vorschlag reagiert, es gebe aber offenkundig einen Unterschied zwischen städtischer Klientel, die eine höhere Affinität zur globalen Weltanschauung habe, und der ländlichen. "Die bringen ganz andere emotionale Voraussetzungen mit, egal, ob sie nun aus Mitteldeutschland sind oder nicht", sagt Ulrich.

Der Name "Mittedeutschland", ohne das vervollkommnende L, ist nicht etwa ein Tippfehler. "Wir wollen assoziieren, dass sich das Spiel auf Mitteldeutschland bezieht, die tiefere Botschaft ist aber, dass wir bei aller Entwicklung und Beschleunigung unsere Mitte wieder finden müssen", sagt Ulrich. Das gehe nur, wenn die Leute wieder Kontakt aufnähmen mit ihrer näheren Umgebung, mit Wald und Wiese. "Es gibt so viele Dinge in unserer Region, die mich immer wieder staunen lassen und einen Zustand hervorrufen, der uns heute vollkommen abgeht: Demut."

Nach fünf Jahren der Vorbereitung ist das neue Brettspiel "Mittedeutschland" seit Kurzem auf dem Markt. Die erste Auflage von 50 Spielen à 99 Euro ist verkauft, im August oder September soll die zweite Auflage folgen, entweder 150, oder gleich 500 Spiele. Kosten wird es dann wahrscheinlich 79 Euro. Das Spiel wird auf der Homepage www.mittedeutschland.de zu kaufen sein. Dort soll eine Datenbank entstehen, die Außenstehende mit Ideen für Spielfragen füttern können. Spielerweiterungen wie etwa eine Weinbau-Edition sind in Planung.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.07.2014

Ariane Dreisbach

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