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Die Russen kommen: Die Kunst des Alexander Povzner

Die Russen kommen: Die Kunst des Alexander Povzner

Das enigmatische Kürzel Bükü steht nicht für eine Bürgerküche, sondern bedeutet Büro für kulturelle Übersetzungen. Zwar werden da auch manche Texte in andere Sprachen übertragen, doch vor allem geht es um Brücken zwischen verschiedenen Kulturen.

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Alexander Povzner.

Quelle: Jens Kassner

Olga Vostretsova hat vor wenigen Monaten ihre Kuratorenausbildung an der HGB beendet, Kristina Semenova folgt ihre quasi nach, ist zugleich im Residenzprogramm LIA in der Spinnerei tätig. Nun haben beide ihr Bükü eröffnet. Lindenau ist um einen Kunstraum reicher.

"Hier lebte und arbeitete der Künstler Alexander Povzner" steht auf russisch, aber mit lateinischer Schrift, massiv in Metall geschmiedet an der Wand im Stile der ebenso beliebten wie drögen Erinnerungsmale für mehr oder weniger bedeutende Persönlichkeiten der Vergangenheit. Alexander Povzner aber ist jung und sehr lebendig. Auch der Inhalt der Tafel ist mehr Fake als Realität. Einen reichlichen Monat hat der Moskauer Künstler nicht hier, sondern ein paar Meter weiter in der Spinnerei zugebracht, als Stipendiat bei LIA.

Alle Arbeiten der Ausstellung sind während dieser Zeit entstanden und beziehen sich auf den Aufenthalt, ohne aber in die seit langem in der Kunst beliebte pseudoarchivarische Spurensicherung zu verfallen. Povzner verwandelt das Vorgefundene nach eigenem Gusto. Ein versteinerter Bauarbeiterhelm wird durch zwei Armierungseisen zum zeitgenössischen Hermes-Accessoire. Ein Pappkarton gewinnt durch das Gipsbad einen Hauch von Ewigkeit. Und das Vogelhäuschen im traditionell deutschen Fachwerk-Look zeigt mit seinen Andreaskreuzen eher Verweigerung als Einladung an.

Noch einen Dreh skurriler ist eine Serie von Zeichnungen mit Text, der in der fast ausgestorbenen Technik des Maschineschreibens hergestellt wurde. Povzner erzählt darin von Duellen auf Leben und Tod, die mit Schweißelektroden ausgetragen werden. Da er in Moskau alle Gegner schon besiegt hat, ist er nach Leipzig gekommen.

Stimmt natürlich nicht. Zwar hat er in Russland keine unmittelbaren Probleme, zu arbeiten und auch auszustellen, dennoch ist er froh über die Möglichkeit, einige Wochen hier gewesen zu sein und Eindrücke einzusammeln. Ohne irgendwen umzubringen.

Für die beiden Neugaleristinnen ist die hintergründige Ausstellung der perfekte Auftakt. Bei der Vernissage blieben sogar zufällige Passanten hängen, nicht unbedingt des Russischen mächtig. Der Schwerpunkt soll auch in Zukunft auf Kunst aus Osteuropa liegen, so wird in der nächsten Ausstellung im Juni die Galerie mit Fotos von Julia Smirnova zum Satelliten des Festivals f/stop.

Doch gerade in einer Zeit, in der alte Feindbilder aufpoliert werden, dabei auch Kunst erneut als Agitprop-Maschine missbraucht wird, kommt es Olga Vostretsova und Kristina Semenova darauf an, eben kulturelle Übersetzungsarbeit zu leisten. Beispielsweise mit einer geplanten gemeinsamen Ausstellung russischer, ukrainischer und georgischer Künstler. Ohne Checkpoint und Kalaschnikow.

Bis 30. Mai, Di-Sa 14-20 Uhr, Büro für kulturelle Übersetzungen, Aurelienstr. 48 in Leipzig; www.buekue.eu

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.05.2014

Jens Kassner

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