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Die Spur der Väter - TV-Dokus zeichnen Wege von Heinrich George und Max Emendörfer nach

Die Spur der Väter - TV-Dokus zeichnen Wege von Heinrich George und Max Emendörfer nach

Es geht um eine Haltung. Gerade in Zeiten von Diktaturen. Mit dieser Grundthese arbeitet Spiegel-TV in einer Dokumentation Geschichte am Beispiel zweier Männer und deren Söhne auf.

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Max Emendörfer mit seinem Sohn Jan im Jahr 1967 in einem Strandkorb in Heiligendamm.

Quelle: Privat

Heiligendamm. Zwei Männer, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben, sich aber unter traurigsten Umständen kennenlernten. Heinrich George (1893-1946), Ufa-Star in den zwanziger Jahren, später Vorzeigeschauspieler bei den Nazis. Max Emendörfer (1911-1974), Widerstandskämpfer gegen die Nazis, später Vorzeigekommunist und Journalist in der DDR. Beide kamen nach 1945 durch unterschiedliche Umstände in Haft der Sowjets - im Speziallager Nr. 7 in Sachsenhausen. George überlebte die Haft nicht. Emendörfer wurde nach Sibirien deportiert, kam erst im Januar 1956 zurück und lebte - von der DDR halbherzig rehabilitiert - zunächst in Halle/Saale und dann bis zu seinem frühen Tod in Heiligendamm in Mecklenburg.

Spiegel-TV nähert sich diesen Personen über deren Söhne, den Schauspieler Götz George (74) und den Journalisten Jan Emendörfer (49), heute Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung. Beide Söhne beschäftigen sich mit ihren Vätern. Emendörfer sagt: "Als mein Vater starb, war ich elf. Seit meiner frühen Jugend setze ich mich mit seinem Leben auseinander. Eigentlich möchte man auch mal loslassen. Aber es kommt immer wieder etwas Neues hoch."

Jan Emendörfer hat 1997 das Buch "Verfemt - Mein Vater Max Emendörfer" geschrieben. Götz George hat jetzt in dem Film "George" mitgewirkt, in dem er seinen eigenen Vater spielt. Und das ist der Punkt, an dem Spiegel-TV ansetzt. Michael Kloft (52), Leiter des Programms Geschichte, beschäftigt sich seit Jahren mit den Leben von Heinrich George und Max Emendörfer. Er erinnert sich, dass Götz George schon vor Jahren davon träumte, seinen Vater zu spielen. "Götz George sagte damals, dieser Film werde ein 1-A-Freispruch für seinen Vater. Das hat mich gereizt." Als Gegengewicht zu dem Film "George" will Kloft seine Arbeit dennoch nicht sehen. "Damit würde ich mich überbewerten. Aber ich glaube, dass man das etwas anders erzählen kann, als die Brüder Götz und Jan George das sehen."

Der ARD-Streifen "George" geht offenbar in die Richtung, Heinrich Georges Verstrickungen aus Sicht der Söhne zu erklären. Der Vater habe keine Wahl gehabt. Bei der Film-Präsentation sagte Götz George über seinen Vater: "Er wurde benutzt, und er ließ sich benutzen."

Michael Kloft sagt: "Alles, was Heinrich George gemacht hat" (Wochenschau, den Propagandafilm "Kolberg", den antisemitischen Hassstreifen "Jud Süß"), "das musste man nicht machen. Aber deshalb hätte man ihn auch nicht nach Sachsenhausen stecken müssen." 20 000 der 50 000 nach 1945 in Sachsenhausen Inhaftierten starben dort.

Heinrich George, so Kloft, habe sich von der Nazi-Propaganda instrumentalisieren lassen. Dass es anders ging, zeige das Leben Max Emendörfers. Während der eine, George, im Frankfurt der zwanziger Jahre Karriere macht, muss sich der andere durchschlagen, wird Schuhmacher und überzeugter Kommunist. Max Emendörfer wurde von der Gestapo verfolgt, in Esterwegen und Sachsenhausen inhaftiert. Man wollte ihn als Spitzel anwerben. Er jedoch meldete sich, kaum auf freiem Fuß, an die Ostfront, und dort, kaum auf russischem Boden, floh er zu den Sowjets, die nicht an einen Überläufer glaubten und ihn wieder inhaftierten. Später wird er in Moskau Mitbegründer des von den Russen initiierten Nationalkomitees "Freies Deutschland", sitzt als Prolet zwischen Generälen wie von Seydlitz und Daniels und Funktionären wie Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wird Emendörfer im August 1945 in Berlin unter der Anschuldigung verhaftet, V-Mann der Gestapo gewesen zu sein. Er kam ins Internierungslager Hohenschönhausen und später wieder nach Sachsenhausen. In beiden Lagern war auch Heinrich George inhaftiert, weil er "sein Können in den Dienst des Faschismus gestellt" hatte, wie es später in der DDR hieß. Im Lager kreuzten sich die Wege des Schauspielers und des Kommunisten. Jan Emendörfer schreibt in seinem Buch über eine Episode in Sachsenhausen: "Kurz vor seinem Tod im September 1946 schenkte George, der von der Lagerhaft schwer gezeichnet und gerade am Blinddarm operiert worden war, Emendörfer seine goldene Taschenuhr. Mit den Worten: ,Hier, Max, nimm du sie, ich kann sie ja doch nicht mehr brauchen', überreichte George sein letztes noch verbliebenes Erinnerungsstück."

Bei der Aufarbeitung des Lebens seines Vaters ging es Jan Emendörfer nach eigenen Worten nicht um Heldenverehrung. Eher ums Verstehen, Erinnern, Bewahren. Dass der Vater in der DDR eine ungewöhnliche Figur war, hat er als Kind registriert, wenn der Alte zum Beispiel sowjetische Offiziere auf das Anwesen in Heiligendamm zur Grillparty lud und Soldaten auf der Zieharmonika spielten. "Da hab' ich zum ersten Mal russische Schaschlikspieße probiert." Aber die komplexe Rolle des Vaters und seinen außergewöhnlichen und tragischen Lebensweg verstand er erst später: "Mein Vater war ja in der Endphase der DDR ein glorifizierter Antifaschist. Aber dass der auch von seinen eigenen Leuten weggesperrt wurde, und insgesamt 13 Jahre seines Lebens in Lagern verbracht hat, das war völlig tabuisiert und das habe ich erst später herausgefunden. Die ganze Sache mit Sibirien - das wusste in Halle und Heiligendamm keiner." Filmemacher Kloft sagt: "Mich interessieren diese beiden Wege von George und Emendörfer. Der eine hat eine Haltung, kämpft sich durch. Der andere ist ein Star, passt sich an." Und beide landen nach dem Krieg im Lager Sachsenhausen.

Den vollständigen Text zu Heinrich George finden Sie hier.

Heinrich George - Die wahre Geschichte: Sky, Kanal "Spiegel Geschichte", Teil 1 am heutigen 18. Juli (23 Uhr), Teil 2 am 23. Juli (21.50 Uhr)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.07.2013

Michael Meyer

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