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Kultur Die Texanerin Rebecca Nelsen debütiert in der Titelpartie von Bergs letzter Oper
Nachrichten Kultur Die Texanerin Rebecca Nelsen debütiert in der Titelpartie von Bergs letzter Oper
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18:36 14.06.2018
Die Sopranistin Rebecca Nelsen – geboren in Texas ermöglicht ihr ein Fulbright Stipendium das Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Erste Auftritte an der Neuen Oper Wien. An der Volksoper Wien debütiert sie 2008/09 als Julia de Weert (Der Vetter aus Dingsda), seither dort unter anderem als Violetta in La Traviata, Susanna (Figaro), Pamina (Zauberflöte), Adele (Fledermaus) oder Despina (Così) besetzt. Debüt bei den Salzburger Festspielen als Blonde (Entführung). Seit 2012 im Ensemble der Volksoper Wien, Gastauftritte unter anderem an der Bayerischen Staatsoper, dem Teatro la Fenice in Venedig, der Semperoper und den Bregenzer Festspielen. Quelle: Kempner
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Leipzig

Am 16. Juni 2018 feiert in der Oper Leipzig Alban Bergs Oper „Lulu“ Premiere – in der von Friedrich Cerha vervollständigten dreiaktigen Fassung. Es dirigiert der Intendant und Generalmusikdirektor Ulf Schirmer, der zunächst nur drei Vorstellungen ansetzte, um zu sehen, ob das Leipziger Publikum mitgeht bei diesem grandiosen Musiktheater nach Frank Wedekinds Dramen „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ – eine Wiederaufnahme in der nächsten Saison ist nicht geplant. Die Regie besorgte Lotte de Beer, die Titelpartie singt und spielt Rebecca Nelsen.

„Lulu“ ist Ihr Leipzig-Debüt …

Es ist sogar ein Doppeldebüt. Mein Debüt am Haus und mein Debüt mit dieser Rolle. Und ich könnte mir keine bessere Produktion wünschen als diese mit Lotte de Beer.

Rebecca Nelsen, die Sängerin der Titelpartie, lobt in LVZ-Interview Bühne und Kostüme der Leipziger „Lulu“-Produktion in höchsten Tönen – erste Eindrück:

Was fasziniert Sie an Lulu?

Wie viel Zeit haben Sie? () ... Ich hatte das Glück, in meiner bisherigen Karriere viele tolle Partien singen zu dürfen: Violetta, Pamina, Konstanze … Aber für eine Sopranistin gibt es wenige Figuren, die nicht hundertprozentig gut sind. Normalerweise sind wir die Heldinnen, die Guten, manchmal Opfer.

Also ist Lulu ein böser Charakter?

Lulu hat einfach alles. Das ist eine Rolle, die auch schauspielerisch eine Herausforderung ist, weil man alle Farben zeigen kann und muss. Lulu ist Kind, Tochter, Verführerin, Täterin, aber am Ende auch Opfer. Das Einzige, was fehlt, ist Lulu als Mutter. Diese Partie ist ein bisschen wie die Olympischen Spiele des Singens.

Gibt es Seiten an Lulu, mit denen Sie sich besonders identifizieren können?

Ja und nein. Lulu ist eine Frau, die geprägt ist durch ihre Lebenssituation. Sie hatte eine unglaublich traumatische Kindheit, in der auch sexueller Missbrauch eine Rolle spielte. Solche Erlebnisse blieben mir erspart. Aber meine liebevolle Mama wurde selbst von einer Alkoholikerin großgezogen, die eine tolle Künstlerin war, aber auch halb verrückt – ein bisschen wie Lulu. Lotte de Beer und ich haben viel über Lulus Psychologie gesprochen. Ich habe zunächst gedacht, dass sie eine reine Psychopathin ist und wollte sie auch so darstellen. Doch wenn man die Vorgeschichte analysiert, ist sie eher krank – eine Borderlinerin.

Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit der Regisseurin ?

Ich wollte mit diesem Stück warten, bis ich es mit der richtigen Regisseurin machen kann. Und ich bin unglaublich dankbar, dass dies nun Lotte de Beer ist. Es ist ein heikles Stück mit einem heiklen Thema. Es geht auf weiten Strecken um Sex, aber in anormalen, krankhaften Ausformungen. Alles sind krank. Wir sehen das Porträt einer Frau, die vom Schicksal und auch von ihren vielen Beziehungen geprägt wird. Natürlich ist Sex da ein Element, aber es ist eben nicht das einzige.

Wie sieht es denn mit dem musikalischen Part der Lulu aus? Zwölftonmusik ist ja ein nicht ganz so einfaches Feld.

Ja – einerseits. Andererseits hat sie auch immer noch mit zahlreichen Vorurteilen zu kämpfen. Es gibt überirdisch schöne Passagen in diesem Werk, das wirklich ein musikalisches Meisterwerk Alban Bergs ist. Auf weiten Strecken wirkt es wie Filmmusik. Es sind komponierte Emotionen. Ich bin ziemlich verliebt in diese Musik. Die Oper „Lulu“ war zur Zeit ihrer Entstehung in den 30ern ihrer Zeit weit voraus, so dass es eben noch heute nach Neuer Musik klingt. Aber man muss diese Musik erst einmal unbefangen hören. Ohrenfeindlich jedenfalls ist sie nicht – aber sauschwer zu lernen.

Und wie lange hat es gedauert, die Musik zu lernen?

Ich hatte bisher eine sehr volle Saison, die noch voller wurde an der Volksoper in Wien, wo ich Ensemblemitglied bin. Darum habe ich erst im Januar mit der Partie angefangen, mit einer privaten Korrepetitorin in Wien, die das Stück kennt und auch schon mit Ulf Schirmer zusammengearbeitet hat.

Sie tragen während der Aufführung zwölf verschiedene Kostüme. Welches davon gefällt Ihnen am besten?

Schwer zu sagen – die Kostüme sind alle sehr schön. Es gibt einen prachtvollen Kimono in Schwarz und Rot – das ist wirklich ein Augenschmaus. Und ein bodenlanger grauer Morgenmantel aus Seide mit pinkfarbenen Akzenten. Unsere Kostümbildnerin, Jorine van Beek, hat eine ganze Welt kreiert mit ihren Kostümen. Diese Umzüge sind jedenfalls extrem, es gibt auch welche mitten in einer Szene. Sogar auskomponiert (): „Wo ist sie? – Auf ihrem Zimmer, sie zieht sich um.“

Und wie sieht das Bühnenbild aus?

Interessant – und genial gelöst. Alex Brok hat ein Konzept entwickelt, das nicht nur wirklich phantastisch aussieht, sondern auch sehr praktisch sein kann. Es besteht aus verschiedenen Projektionsflächen. Das, was darauf projiziert wird, erschafft die Atmosphäre. Man merkt oft gar nicht, dass es sich um Projektionen handelt. Man denkt einfach „Was für ein geiles Bühnenbild“. Und plötzlich bewegt es sich auch noch. Also ich bin begeistert. Lotte de Beer und Alex Brok haben den Stummfilm, den auch Berg vorschrieb, tatsächlich integriert. Das ermöglicht ein viel opulenteres Bühnenbild, als es mit herkömmlichen Sachen möglich wäre. Auch darum bleibt die Produktion immer spannend. Und so, wie wir diese Geschichte erzählen, ist sie, denke ich, wirklich sehr berührend. Denn allen Vorurteilen zum Trotz: „Lulu“ ist eine Oper die Hirn und Herz gleichermaßen berühren kann – und dazu noch unterhaltsam ist.

„Lulu“ in der Oper Leipzig: Premiere 16. Juni, Vorstellungen: 24. Juni, 1. Juli; Karten (15–78 Euro) unter anderem in allen LVZ-Geschäftsstellen, über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050 und auf www.lvz-ticket.de, unter Telefon 0341 1261261 oder an der Opernkasse

Von Luzie Teufel, Helen Wilde, Thea Beger, Louisa Hutzler

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