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Kultur Die Winternacht duftet nach Zitronen: Pippo Pollina in Leipzig
Nachrichten Kultur Die Winternacht duftet nach Zitronen: Pippo Pollina in Leipzig
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18:28 08.02.2015
Pippo Pollina und Gitarrist Max Kämmerling in Halle D des Werk 2. Quelle: André Kempner
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Als Pippo Pollina die rund 200 Zuschauer in Halle D des Werk 2 am Freitagabend kurz darauf auch noch mit "Buonasera a tutti" begrüßt hat, sind sie seinem Charme vollends erlegen. Zumal der Liedermacher einfach weiter und weiter in seiner hinreißenden Sprache spricht. Um sich dann mit einem Grinsen auf Deutsch zu wundern: "Ihr habt inzwischen alle Italienisch gelernt, nehme ich an?" Immerhin habe er den Leipzigern seit dem Konzert davor ein Jahrzehnt Zeit gelassen. "Es war in der Moritzbastei, ich weiß es noch genau."

Nun mag sein, dass seine Lieder die Italiensehnsucht, die den Deutschen nachgesagt wird, auch deshalb so unmittelbar hervorrufen, weil Pollina sie teilt. Vor 30 Jahren verließ er Palermo, um sich nicht der mafiösen Logik seiner Heimatstadt zu fügen. Und passend zur Leitfrage der aktuellen Platte "L'appartenenza" nach der Zugehörigkeit eines Menschen belässt es der Musiker auf dieser Tour nicht bei den wohlklingenden Geschichten, die seine zauberhaften Kompositionen erzählen. Sondern er berichtet auch viel aus seinem Leben.

Von den drei Monaten als Straßenmusiker in Europa, aus denen sechs Monate, ein Jahr, schließlich drei Jahre wurden. Von der Begegnung mit dem Liedermacher Linard Bardill Mitte der 80er in Luzern, die alles veränderte. Und von einer Wanderung mit Konstantin Wecker Anfang der 90er. Der Name des Münchners hatte ihm nichts gesagt, "aber weil ich Italiener bin, wollte er die ganze Zeit mit mir über die Toscana sprechen".

Später nahmen Pollina und Wecker einige Stücke zusammen auf, etwa die mitreißende Nummer "Questa nuova realtà". Mit Inbrunst schmettert er das Lied in Leipzig, imitiert sogar kurz Weckers Knödelei gegen die Dummheit, die "sich wieder einmal breit" macht. Aktuell nenne sie sich Pegida, sagt Pollina.

Die Frage nach der Zugehörigkeit illustriert indes wunderbar "eine Überraschung" nach der Pause: Sein Sohn Julian, Anfang 20, singt zwei eigene Lieder. Irgendwo zwischen Element of Crime und Leonard Cohen - und natürlich auf Deutsch: Er ist in Zürich aufgewachsen. So wie der hervorragende Gitarrist Max Kämmerling, den sich Vater Pollina übrigens aus Julians Band borgt.

Roberto Petroli wiederum stammt aus Bari, und vielleicht hat seine Klarinette daher zu Konzertbeginn in "Mare Mare Mare" so sehnsuchtsvoll geklungen. Gut zwei Stunden später verabschiedet sich das Trio mit dem Partisanenklassiker "Bella Ciao" in einer toll aufbrausenden Fassung. "Buonanotte a tutti", sagt Pollina noch. Die Kälte da draußen kann einem jedenfalls nichts mehr anhaben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.02.2015

Mathias Wöbking

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