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Die erste Berufsfotografin Europas: Ausstellung widmet sich Bertha Wehnert-Beckmann

Die erste Berufsfotografin Europas: Ausstellung widmet sich Bertha Wehnert-Beckmann

Die Ausstellung soll weit über Leipzig hinaus Aufsehen erregen: Bertha Wehnert-Beckmann (1815-1901) war die erste Berufsfotografin Europas. Zwar in Cottbus geboren, verdiente die Pionierin der Porträtfotografie ihre Sporen in Leipzig.

Das Stadtgeschichtliche Museum widmet der einzigartigen Frau und Fotografin, deren Geburtstag sich im kommenden Jahr zum 200. Mal jährt, eine umfangreiche Schau.

"Das wird unser erster Beitrag im Jubiläumsjahr Leipzigs", kündigt Volker Rodekamp an, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums. "Als erste Frau in einer Männerdomäne ist Wehnert-Beckmann noch heute ein Symbol für die Modernität Leipzigs." Unterstützt wird das Projekt von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. "Eine wunderbare Idee, ihre Fotos aus den Archiven ans Licht zu bringen. Sie sind ebenso einzigartig wie die Künstlerin selbst, die eine besondere Würdigung verdient", so Harald Langenfeld, Chef des Vorstandes der Sparkasse Leipzig. Eröffnung wird am 25. Januar 2015 sein.

Die Pariser Akademie der Wissenschaft und Künste gab am 19. August 1839 die Erfindung der Fotografie bekannt. Ihrem geistigen Vater Louis Jaques Mandé Daguerre zu Ehren, dem es erstmals gelang, wirklichkeitsgetreue Bilder abzubilden, nannte man dieses Verfahren Daguerreotypie. Dabei entstanden unter schwierigen Bedingungen Unikate mit hohem künstlerischen Anspruch. Bertha Wehnert-Beckmann erlernte in Prag diese revolutionäre Technik. Sie kam 1843 nach Leipzig, ging zunächst bei ihrem späteren Mann Eduard Wehnert in die Lehre, der aber frühzeitig starb.

Die Ausstellung soll weit über Leipzig hinaus Aufsehen erregen: Bertha Wehnert-Beckmann (1815-1901) war die erste Berufsfotografin Europas. Zwar in Cottbus geboren, verdiente die Pionierin der Porträtfotografie ihre Sporen in Leipzig. Das Stadtgeschichtliche Museum widmet der einzigartigen Frau und Fotografin, deren Geburtstag sich im kommenden Jahr zum 200. Mal jährt, eine umfangreiche Schau.

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Die junge Frau wagte den Sprung in die neue Welt. "Der Aufenthalt in den USA war eine wichtige Zäsur in ihrer Arbeit", erklärt Christoph Kaufmann. Der Leiter der Fotothek des Museums, das 3452 Glasplatten aus ihrem Nachlass besitzt, hat sich intensiv mit ihren Werken und Leben beschäftigt. Nicht alle Überlieferungen zu ihrem Leben sind allerdings eindeutig, es bestehen viele Lücken in ihrer Biografie. In New York betrieb Wehnert-Beckmann ein erfolgreiches Atelier, porträtierte beispielsweise den 13. US-Präsidenten Millard Fillmore oder den Gründer von Texas, Samuel Houston. "Nach einem Zwischenstopp bei der Weltausstellung in London kam sie 1851 mit neuen Fotografie-Techniken nach Leipzig zurück." Dazu gehörten Stereofotografien.

Zurück in ihrer Stadt, kaufte sie ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück von Karl Heine, ließ sich mit 100 Talern Eigenkapital in der Elsterstraße 38 ein Stadtpalais erbauen. Dort avancierte sie zu der Gesellschaftsfotografin, empfing neben Damen der Gesellschaft und deren Kindern auch Musiker, Gelehrte, Adelige und Kaufleute. So portraitierte sie den jungen Johannes Brahms, aber auch Clara Schumann.

Im Atelier entstanden auch "Delikatessen" der frühen Aktfotografie, für die selbstverständlich nicht öffentlich geworben werden durfte. Das Museum besitzt zwei Fotos, die um 1850 datiert sind, und damit zweifellos zu den ältesten in Deutschland gehören. Um sie einzuordnen, musste Christoph Kaufmann eine wahre Detektivarbeit bewältigen. So wurden Tischdecken, Stühle oder Vorhänge im Atelier Wehnert-Beckmanns mit jenen auf den offiziell aufgenommenen Porträts verglichen.

Die Blütezeit der ersten Berufsfotografin war in den 1850er- und 1860er-Jahren. Danach verstärkte sich die Konkurrenzsituation. 1881 gab Wehnert-Beckmann daher ihre Tätigkeit auf, verkaufte ihr Haus samt Atelier. Zuletzt lebte sie in einer Wohnung in der Waldstraße, bis sie 1901 starb.

Zur Ausstellung wird ein Buch erscheinen, das das Wirken Wehnert-Beckmanns in die gesellschaftliche Realität des 19. Jahrhunderts in Leipzig einordnet. "So wollen wir die Frage erörtern, was es damals bedeutete, als Frau in dieser Zeit selbstständig zu sein", so Historikerin Ulrika Dura. Es geht aber auch um Leipziger Auswanderer und ihre Erfahrungen in der Neuen Welt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.11.2014

Orbeck, Mathias

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