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Nachrichten Kultur Die euro-scene Leipzig startet in die Jubiläumsausgabe
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17:09 02.11.2015
Mit „Sweat, baby, sweat“ ist erstmals ein Stück des jungen Choreografen Jan Martens bei der euro-scene zu erleben. Quelle: Foto: Klaartje Lambrechts
Leipzig

Neue Theatersprachen aus ganz Europa wollte die euro-scene Leipzig bei ihrer Gründung 1991 auf die Bühne bringen. Das Konzept der unmittelbaren Nachwendezeit ist aufgegangen, die Leipziger Woche für zeitgenössisches Theater und Tanz hat sich längst in der europäischen Festivallandschaft etabliert. Das Publikum sorgte in den vergangenen Jahren für eine stabil hohe Auslastung. Bei der 25. Ausgabe sind ab heute Abend bis Sonntag 15 Gastspiele aus elf Ländern vertreten, darunter sechs Deutschlandpremieren und in Kooperation mit dem Schauspiel Leipzig und dem Brut Wien eine Uraufführung („The Bolano Projekt“). Der Schwerpunkt der Jubiläumsausgabe liegt auf einem Rückblick, was dem Publikum das Wiedersehen mit bekannten Künstlern und einige spektakuläre Aufführungen beschert.

Zum Festivalauftakt tanzt heute Anne Teresa De Keersmaekers Compagnie Rosas “Rosas danst Rosas“. Ein Meilenstein der Tanzgeschichte, 1983 uraufgeführt, 1992 bei der euro-scene zu Gast und jetzt erneut dabei. Mittlerweile mit der dritten Tänzerinnen-Generation neu aufgelegt. Und, so wird zumindest gemunkelt, wohl eine der letzten Chancen für das Publikum, das Stück zu sehen. Zum Jahresende könnte es endgültig von den Bühnen verschwinden.

Zwei Anknüpfungspunkte daran warten auch im Rahmenprogramm. Fumiyo Ikeda, eine der Tänzerinnen der Uraufführung, leitet den Workshop „Re:Rosas“ (morgen, 11 bis 15 Uhr, Tanzerei Flugfisch; Karten nur an der Festivalkasse). Leipziger Interessierte tanzen dann ihre eigene Version des Stücks und lassen sich filmen. 320 Videos mit Menschen aus aller Welt sind an dem Projekt in zwischen beteiligt. Außerdem ist morgen, 16.30 Uhr, in den Passage Kinos der Film „Fase“ über das gleichnamige Stück von De Keersmaeker zu sehen.

Wiedersehen mit einem Gast von 1991

Der polnische Regisseur und Bühnenbildner Leszek Madzik zeigt morgen und am Freitag die Deutschlandpremiere seines Stücks „Bruzda“ („Die Furche“). „Er ist der einzige Künstler, der schon bei der ersten euro-scene dabei war“, sagt Wolff. „Für uns ist das die Klammer zu 1991.“ Meist wortlos und symbolstark arbeitet Madzik seit 1969 in der Scena Plastyczna mit Studenten. In „Bruzda“ tritt er erstmals selbst als Schauspieler auf.

Als „unser einziges großes Sprechtheaterstück in diesem Jahr“ bezeichnet Wolff „Titkaink“ („Unser Geheimnis“) des Ungarn Béla Pintér. „Ein Regisseur mit Haltung“, sagt Wolff über Pintér, der zu den herausragenden Vertretern des freien Theaters Ungarns zählt und ein beklemmendes Stück nach Leipzig bringt.

Heiter wird es dagegen mit dem Komödianten Paolo Nani mit „Brevet“ („Der Brief“). Heimliches Lieblingsstück im Festivalteam, so ist herauszuhören, ist das poetische Objekttheaterstück „Kefar Nahum“.

„So schnell ist selten eine Entscheidung gefallen“

War ursprünglich geplant, zum Jubiläum nur bekannte Namen einzuladen, brachte Jan Martens das Konzept letztlich zum Einsturz. Wolff sah sein intimes Tanzstück „Sweat, baby, sweat“ beim Festival in Venedig, war begeistert und lud seine Choreografie ein. Wolff: „So schnell ist selten eine Entscheidung gefallen.“ Neben Martens, derzeit Liebling der Festivals, sind die Gruppe La corde à vent mit einem Kinderstück und Marie-Caroline Hominal mit ihren Kurzperformances für nur einen Zuschauer Festival-Neulinge.

Im kommenden Jahr, das deutet Wolff schon an, will sich das Festival wieder vermehrt Neuentdeckungen zuwenden. Heißt im Umkehrschluss: Dieses Jahr ist die Dichte an etablierten Namen besonders groß. Darunter die Choreografen Alain Platel, der schon acht Inszenierungen in Leipzig gezeigt hat, und Romeo Castellucci. Castellucci zeigt am Donnerstag die Deutschlandpremiere von „Schwanengesang D 744“, ein Liederabend mit Abgründen. Und Platel integriert in sein Theaterstück „En avant, marche!“ („Vorwärts, marsch!“) am Samstag Mitglieder der Orchester Holzhausen und Liebertwolkwitz.

Die Stadt Leipzig trägt den halben Festival-Etat

Der Gesamtetat des Festivals liegt in diesem Jahr bei 600 000 Euro. Davon trägt die Stadt Leipzig die Hälfte. Der Freistaat Sachsen engagiert sich über seine Kulturstiftung mit 180 000 Euro. Hinzu kommen Sponsorengelder, Kartenerlöse und Eigenmittel. Außerdem unterstützen einige Botschaften und Kulturinstitutionen wie das Polnische Kulturinstitut oder des Institut Francais Produktionen ihrer Länder, rund 40 000 Euro kommen so zusammen. Außerdem werden zum Beispiel Dolmetscher gestellt. Planungssicherheit zumindest für 2016 gibt es dank der Doppelhaushalte von Stadt und Land und der damit verbundenen Verträge mit dem Festival.

Termine

3. Nov.: Rosas / Anne Teresa De Keersmaeker, Brüssel: „Rosas danst Rosas“ (Festivaleröffnung), Schauspielhaus, 19.30 Uhr

04. – 06. Nov.: Marie-Caroline Hominal, Genf: „Le triomphe de la renommée”, Geheimer Ort (Treffpunkt: Restaurant: La Provence)

04. + 06. Nov.: Scena Plastyczna KUL / Leszek Mądzik, Lublin: „Bruzda”, Peterskirche

04. + 05. Nov.: Jan Martens, Rotterdam / Antwerpen: „Sweat, baby, sweat”, Schaubühne Lindenfels

04. + 05. Nov.: Sylvia Camarda, Luxemburg: „Conscienza di terrore I” & „Martyr”, Schauspielhaus / Diskothek

04. + 08. Nov.: Compagnie notfoundyet, Wien: „The Bolaño project“, Residenz

05. Nov.: Socìetas Raffaello Sanzio / Romeo Castellucci, Cesena: „Schwanengesang D 744”, Schauspielhaus

06. + 07. Nov.: Paolo Nani, Vordingborg: „Brevet”, Oper Leipzig / Probebühne 2

06. + 07. Nov.: Compagnie Mossoux-Bonté, Brüssel: „Kefar Nahum“, LOFFT

07. + 08. Nov.: Compagnie Philippe Saire, Lausanne: „Black out“, Schauspielhaus / Diskothek

07. + 08. Nov.: La corde à vent, Bourg-en-Bresse: „La cour d’éole“ (Kinderstück), Theater fact

07. Nov.: NTGent & les ballets C de la B / Alain Platel & Frank Van Laecke, Gent: „En avant, marche!”, Schauspielhaus

07. + 08. Nov.: Béla Pintér & Company, Budapest: „Titkaink“, Schaubühne Lindenfels

08. Nov.: Centre chorégraphique national d’Orléans / Josef Nadj: „Paysage inconnu”, Schauspielhaus

06. – 08. Nov.: Wettbewerb „Das beste deutsche Tanzsolo”, Schauspielhaus / Garderobenfoyer

05. – 08. Nov.: Penelope Wehrli und Detlev Schneider, Berlin: „Transforming Acts“ (Videoinstallation), Schauspielhaus / Rangfoyer (Eintritt frei)

Festivalkasse: Englandladen, Gottschedstr. 12, Kartentelefon: 0341 2154935; www.euro-scene.de

Von Dimo Riess

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