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Diplomausstellung der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst an mehreren Orten

Diplomausstellung der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst an mehreren Orten

Im Unterschied zu anderen Hochschulen gehört es an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) zum Ritual, dass die Resultate der diesjährigen Absolventen der Öffentlichkeit gezeigt werden, zumindest in Ausschnitten.

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Im Unterschied zu anderen Hochschulen gehört es an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) zum Ritual, dass die Resultate der diesjährigen Absolventen der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ab Dienstag sind sie in der Schule sowie an mehreren externen Orten zu sehen, zeitlich leider nicht synchronisiert.

"Es ist dreizehn Uhr sechsunddreißig." Den auch durch große Uhren angezeigten Fakt notiert Sophie Stephan handschriftlich auf ein Blatt Papier, eine Kamera überträgt die Zeitansage auf den Monitor in einer grauen Stele, die im Querbahnsteig des Leipziger Hauptbahnhofes platziert ist. Interessiert es die Reisenden und Flaneure? Kaum mehr als die benachbarte Werbung für Pantene Pro V. Sechs Stunden lang hat sich die Diplomandin der selbstgewählten Aufgabe unterzogen. Dann kam die Prüfungskommission, um zu fragen, was das Ganze soll. Die Erläuterung muss überzeugend ausgefallen sein. Bestanden. Dem Besucher in der Ausstellung wird die Erklärung nicht mitgeliefert. So bleibt dem Belesenen nur die Erinnerung an ähnliches Protokollieren bei Kawara, Darboven oder Opalka.

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Leipzig. Im Unterschied zu anderen Hochschulen gehört es an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) zum Ritual, dass die Resultate der diesjährigen Absolventen der Öffentlichkeit gezeigt werden, zumindest in Ausschnitten. Ab Dienstag sind sie in der Schule sowie an mehreren externen Orten zu sehen, zeitlich leider nicht synchronisiert.

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Überhaupt muss man sich einiges zusammenreimen in dieser Präsentation. Nur zum Teil liegt das daran, dass in diesem Jahrgang die multimediale und konzeptuelle Kunst sehr dominant auftritt. Selbst die Beschilderung ist nicht sonderlich nutzerfreundlich gestaltet.

Cora Hegewald, neue Kuratorin des Ausstellungsbetriebes an der Hochschule, hat zwei Erklärungen für die spröde Zurückhaltung. Erstens den Zeitdruck. Am Vortag war die letzte Verteidigung. Zum anderen würden manche Studenten Handreichungen für den fragenden Betrachter ablehnen oder seien nur froh, es endlich geschafft zu haben. Beide Argumente sind nicht plausibel. Mit der Ausstellungsvorbereitung hätte man sich eine weitere Woche Zeit lassen können, die leeren Gläser der gerade stattgefundenen Feierlichkeiten sind als Umrahmung verzichtbar. Und die Verweigerung von Vermittlung hinterlässt den Eindruck, dass im Ausbildungsplan ein wichtiges nichtkünstlerisches Fach fehlt oder notorisch geschwänzt wird.

Statistisch verteilen sich die 57 Absolventen des Jahres einigermaßen gleichmäßig auf die vier Studiengänge der HGB. Geht man aber vom optischen Eindruck aus, scheint die Blüte der Leipziger Malerei heftig zu welken. Tendenzen abzuleiten, ist aber problematisch. Für die Häufung von Medienkunst beispielsweise ist der bevorstehende Weggang von Günther Selichar ein Grund.Viele Studenten wollten noch unter seiner Mentorschaft das Diplom abschließen.

Malerei und Grafik sind natürlich vorhanden, fallen aber qualitativ kaum ins Gewicht. Ästhetisierendes Genießen des schöpferischen Aktes scheint vielen Studenten wichtiger gewesen zu sein als Inhalte. Materialität kann als ein Klammerbegriff gesehen werden, Landschaft als ein anderer. Verschwimmende Horizonte setzt Sophia Loth ins Großformat, David Borgmann tut das Gleiche mit Gewölk. Ein Bild von Thomas Dachs nennt sich gar "Landschaft". Seine Platzierung eines farbigen Rautenmusters in kargem Interieur ironisiert dabei die romantischen Neigungen mancher Kommilitonen.

Ins Konzeptuelle gehen viele Arbeiten der Fotografen. Daniele Ansidei versucht eine Zuordnung von Galeriebesuchern anhand ihres Habits zur dort gezeigten Kunst. Susanne Keichel katalogisiert die zahlreichen weiblichen Mitglieder ihrer Familie im Garten. Marton Oroszlan kombiniert triste Leipziger Straßenansichten mit dem PR-Slang von Immobilienmaklern.

Die Buchkünstler haben es im Kampf um Aufmerksamkeit immer etwas schwerer. Manche ergänzen deshalb die solide Arbeit am gedruckten Produkt mit anderen Mitteln. Bei Constanze Hein wird mit "Vorhang, Umhang, Zusammenhang" eine räumliche Installation daraus. Yiing Kwong macht aus Typografie ein Sound-Spiel. Und die Arbeit von Sara Bock existiert eigentlich nur digital. Im Internet hat sie "Reste" zusammengetragen.

Der DAAD-Preis geht auch 2013 an eine Medienkünstlerin. Katya Lachowicz ist Engländerin mit polnischen Wurzeln. In ihrer Filmcollage setzt sie sich mit dem aufblühenden Nationalismus in Polen auseinander. Das deutliche Engagement ist ein Gegenpol zum Rückzug ins Verfeinerte und Unverbindliche vieler anderer Diplomanden.

Diesem Paradigmenwechsel könnte die Eingangssituation im Lichthof entsprechen. Da wo im Vorjahr "Nie wieder Deutschland" in Beton gegossen stand, wartet jetzt ein Porsche auf den Start. Fernab der Brachialgewalt ist aber auch Martin Höfers Arbeit von gesellschaftlicher Relevanz. Seit Jahren nutzt er die Marketingpotenzen des Rennzirkus für seine Idee. Das bunte Streifenmuster, das nicht allein das Auto überzieht, ist dabei der simpelste Teil. Dass eine Frau, die Dänin Christina Nielsen, nicht leichtbekleidet auf der Motorhaube sitzt, sondern in Montur hinter dem Steuer, ist Höfer wichtig. 2012 hat sie im Media Art Car den Auftrag "Siegen im Auftrag der Kunst" am Nürburgring bereits wahr gemacht. Wenn statt des ewigen Ausmessens schwarzer Quadrate neue Ideen stehen, kann Konzeptkunst auch im 21. Jahrhundert noch richtig zündend sein.

Öffnungszeiten: bis 24. August, Di-Fr 12-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr; Hochschule für Grafik und Buchkunst, Wächterstraße 11

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.07.2013

Jens Kassner

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