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Diva auf fliegendem Teppich: Georgette Dee im Schauspiel Leipzig

Kult-Gastspiel Diva auf fliegendem Teppich: Georgette Dee im Schauspiel Leipzig

„Vom fliegenden Teppich – Wolkenlieder & Reisegeschichten“ heißt das neue Programm, mit dem Georgette Dee und Terry Truck am Mittwoch im Schauspielhaus zu Gast waren. Ein Abend mit alten und neuen Liedern über neue und alte Wünsche. Und mit viel Jubel.

Georgette Dee zu Gast im Schauspiel Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Flügel. Ein Glas und eine Sängerin. Sie muss sich nicht neu erfinden. Das liegt am Alter, und es liegt an ihr. Georgette Dee ist nun zwischen Ü50 und U60, wie sie sagt. Da ist vieles nur noch Erinnerung. Sex offenbar. Einiges ist Gewissheit. Die Gummistiefel des Gärtners zum Beispiel, „die waren Einstellungsbedingung“. Und dann gibt es noch einen Rest Hoffnung. Hoffnungen sind oft Wünsche, denen man nicht traut. Mehr ums Wünschen als um Erfüllung geht es in „Vom fliegenden Teppich – Wolkenlieder & Reisegeschichten“, dem neuen Programm, mit dem Georgette Dee am Mittwoch im gut besuchten Schauspielhaus zu Gast war – von Anfang bis Ende bejubelt.

„Danke Leipzig auch für die vielen Jahre Treue“, verbeugt sich Frau Dee. Mit dem kongenialen Terry Truck als treuem Partner am Klavier lässt sie in gut zweieinhalb Stunden kaum Wünsche offen mit alten und neuen Liedern, die forttragen, und einer Geschichte, die erdet. Vom fliegenden Teppich gesendet, vorgetragen in eigener Grammatik und zunehmend ironischer Distanz. Die meterlange Stola in Ozeanblau mal dramatisch über die Schulter werfend, mal darin Schutz suchend.

Die Reise beginnt auf der neuen Datsche bei Berlin und mit der Einsicht, dass Diven im Alter ein größeres Bett brauchen, weil die Träume mehr Platz einnehmen. Vielleicht hängt es auch mit der enger werdenden Welt zusammen. Für die Wärmflasche ist ebenfalls Platz, so eine große aus Eisen, vom Flohmarkt. Zudem für einen halben Liter Gin, mit viel Eis. „Und dann Revue passiert das Leben.“ Der Weg ins Innere führt über den „Boulevard of broken dreams“, der nach draußen durch die Terrassentür und den Bambushain zu den Apfelbäumen, auch Birnen, umrahmt von Vögeln, Wolken und dem Mond.

Dort erscheint der Dschinn, Geist aus der Wärmflasche, und gibt drei Wünsche frei. Erfüllte Wünsche sind das Ende der Hoffnung, darum liegen beide zunächst auf dem Perser herum, „also dem Teppich“, bevor ein Probeflug an Sehnsuchts- und Erinnerungsorte trägt. In der Ferne denkt die Reisende an den 184er Bus nach Steglitz, unter Palmen gibt es kein Leberwurstbrot.

Es ist nicht leicht, ganz woanders zu sein und doch gleichzeitig bei sich; das Komplizierte am Dasein sind die Brüche zwischen Hier und Dort. „Sag’s mir doch, wo ich bin“, singt Dee mit Kästners „Zehn Frauen möcht ich sein“. Hin und wieder muss man sich eben „komplett gehen lassen. Man muss ja nicht mitkommen. Hauptsache weg.“ Die Versuchung beendet ein Hexenschuss. „Was soll ich auch sonst kriegen, Prinzenkatarrh?“

Die Antwort auf alle anderen Fragen ist Liebe, „eine Macht, die älter ist als die Zeit, sie ist der Tod der Zeit“. Wäre das ein Wunsch, die Liebe zu verstehen? Jetzt, in einem Alter, in dem „aus Begehren Demut wird und aus Verzweiflung Nachsicht“. Märchen waren doch mal das Beste, was nie passieren wird.

Sie könnte die Welt retten, überlegt Georgette Dee, mit Bildung für alle und Gerechtigkeit. Diese Art Wünsche sind Hoffnung wider besseres Wissen. Zwischen Evolution und Revolution erfindet die Künstlerin die Sehnsucht neu. Mit jedem Satz.

Von Janina Fleischer

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