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Doku-Film über Leipzigs verlassene Bauten feiert Premiere im Sowjetischen Pavillon

Doku-Film über Leipzigs verlassene Bauten feiert Premiere im Sowjetischen Pavillon

Leipzig. Leipzigs verlassene Orte - das sind die Hotels Astoria und Bayerischer Hof, das Bugra-Messehaus am Gutenbergplatz, der Schönefelder Postbahnhof oder die Bleichert-Werke in Gohlis.

Bauten, die seit Jahren leerstehen. Zukunft ungewiss. Der in Reudnitz aufgewachsene Künstler Enno Seifried hat darüber einen Film gemacht, der am Freitag an einem denkbar passenden Ort Premiere feiert: dem Sowjetpavillon auf der alten Messe.

Die „Lost places“ - verlorenen Orte - scheinen eine besondere Faszination auszustrahlen. Seit Jahren organisiert eine Gruppe, die anonym bleiben will, in Leipzig die Reihe „Fernsehen unter Tage“. Zumeist junge Leute schleichen sich dann in die Katakomben der früheren Markthalle am Leuschnerplatz oder in den Keller vom Capa-Haus, um gemeinsam Filme zu sehen und etwas zur Historie des Ortes zu erfahren.

2010 brachten Fotograf Marc Mielzarjewicz und Denkmalschützer Stefan W. Krieg im Mitteldeutschen Verlag ein Buch heraus, das sich unter dem Titel „Lost places Leipzig“ ebenfalls diesen verborgenen Welten widmete. Doch jetzt gibt es sogar einen 99 Minuten langen Film, der den maroden Charme und die Geschichten hinter den zumeist bröckelnden Mauern erhellt.

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Leipzig. Leipzigs verlassene Orte - das sind die Hotels Astoria und Bayerischer Hof, das Bugra-Messehaus am Gutenbergplatz, der Schönefelder Postbahnhof oder die Bleichert-Werke in Gohlis. Bauten, die seit Jahren leerstehen. Zukunft ungewiss. Der in Reudnitz aufgewachsene Künstler Enno Seifried hat darüber einen Film gemacht, der am Freitag Premiere feiert.

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Gedreht hat ihn der Leipziger Tonkünstler und Schauspieler Enno Seifried. „Ohne einen Cent Förderung, ohne Sponsoren, nur mit Hilfe vieler Freunde oder Kollegen, die sich alle ebenfalls in irgendeiner Form mit den Ruinen beschäftigen“, wie der 33-Jährige erzählt.

So erzählt Schriftsteller Clemens Meyer, ein Jugendfreund des Regisseurs, in dem Dok-Film von den einst illegalen Technopartys im industriellen Abraum. Es gibt Geschichten von unangenehmen Begegnungen mit Drogendealern, oder von Graffitikünstlern, die in den vergessenen Locations eine neue künstlerische Freiheit entdeckt haben. Die Filmmusik hat der Leipziger Schauspieler Peter Schneider komponiert, der gerade für seine Rolle in „Die Summe meiner einzelnen Teile“ für den Deutschen Filmpreis nominiert wurde.

Gedreht wurde seit Mai 2011 an den wichtigsten Leipziger Ruinenstätten - von der Sternburg-Brauerei Lützschena bis zum RAW Engelsdorf oder dem früheren Industriekraftwerk Kleinzschocher. Neben der Erzählerin Nina Maria Föhr, die mit ihrem persönlichen Blick durch den Streifen führt, ergänzen Gespräche und Statements von Zeitzeugen, Investoren wie den Sanierern der Brauerei Bauer, Visionären und Politikern den Reigen. Es sind Geschichten von Besuchen Walther Ulbrichts im ehemaligen Hotel Astoria oder von Visionen über die geplanten Neunutzungen des Bowlingtreffs oder des alten Postbahnhofs als alternativen Kultur- und Trödelmarkt.

Seifried spürt der Frage nach, weshalb so viele ganz unterschiedliche Menschen eine Faszination für diese Gebäude entwickeln. Eine, welche sie antreibt, immer wieder solche Orte in ihrer Freizeit zu besuchen: ob als Künstler, Fotograf, Videofilmer, Musiker oder Urban Explorer - also Leute, die auf der Suche nach kleinen Abenteuern im sonst erschlossenen Stadtraum sind. Es seien wohl genau jene Geschichten, die sofort in der Fantasie entstehen, wenn man so eine uralte Fabrik betritt. „Diese Vorstellung, was da früher los war, als in diesen Gebäuden noch Tausende Menschen gearbeitet und damit Ihre Familien ernährt haben. Und heute laufen die Leute draußen achtlos vorbei und wissen davon meist gar nichts mehr.“

Ein weiteres Thema von „Geschichten hinter vergessenen Mauern“ ist die moderne GPS-Schnitzeljagd: Geocaching. Bis September 2011 gab es in Leipzig eine Veranstaltungsserie „Trau Dich“, deren Beliebtheit weit über die Grenzen Sachsens hinaus reichte. Seifried selbst hatte eine Vielzahl von „Schätzen“ für die Jäger aus nah und fern in leerstehenden Leipziger Gebäuden versteckt.

Auf die Idee, die Premiere im Sowjetischen Pavillon stattfinden zu lassen, kam er bei einem Interview an genau jenem Ort. Um die Kosten für Leinwand, Heizung, Strom, Toiletten und so fort aufbringen zu können, wurden die 597 Eintrittskarten für drei Aufführungen an diesem Freitag, Samstag und Sonntag per Internet versteigert. Mit Erfolg: Alle sind längst weg.

Jens Rometsch

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