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Drei Solo-Konzerte in der Kirchruine Wachau

Wachauer Podium Junger Solisten mit dem Sinfonieorchester der Musikschule Leipzig Drei Solo-Konzerte in der Kirchruine Wachau

Anton Baumgärtel, Philipp Rauch und Bobby Kostadinov brillieren, begleitet vom Jugendsinfonieorchester Leipzig unter Ron-Dirk Entleutner in der Wachauer Kirchruine mit Solo-Konzerten von Weber, Arutjunjan und Dvorák.

Solist Anton Baumgärtel, Dirigent Ron-Dirk Entleutner und das Leipziger Jugendsinfonieorchester in der Kirchruine Wachau.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Es ist keine Arie und doch eine der schönsten des Repertoires: das Adagio ma non troppo aus Carl Maria von Webers f-moll-Klarinettenkonzert. Wie die Außensätze noch klassisch gebaut, aber bereits romantisch durchglüht ist dies die perfekte Musik für Anton Baumgärtel. 17 Jahre ist er jung, dieser Auftakt zum Auftaktkonzert der Wachauer Festival-Nächte 2017 am Donnerstagabend ist sein erster Auftritt als Solist in einem ausgewachsenen Klarinettenkonzert. Das sollte man wissen – denn hören kann man es nicht.

Gewiss: Makellos ist sein Spiel nicht, ganz oben verhärtet bisweilen der Ton, an Übergängen hat er es etwas eilig, Phrasen-Enden betont er allzu gern. Aber derlei widerfährt auch Kollegen, die auf der Karriereleiter bereits einige Stufen weiter sind als der Zwölftklässler. Entscheidend ist etwas Anderes: Anton Baumgärtel steht hier, obschon er so souverän wie reichlich liefert, nicht als Töne-Lieferant, sondern als Musiker. Er spielt seine Klarinette nicht, er singt sie, er haucht traumschöne Linien aus ihr heraus, findet auch an der Grenze zur Stille noch Raum für zarte und zarteste Nuancen, macht sein Instrument zum Mikrophon der Seele und transportiert in den Außensätzen mit erheblicher Virtuosität Spielwitz und Schalk.

Diese Musizierhaltung, die auf Gestaltung mehr setzt als auf Sportlichkeit, zeichnet auch die beiden anderen Protagonisten des „Wachauer Podiums Junger Komponisten“ aus, mit dem die Leipziger Amici musicae ihre Feierlichkeiten für 20 Jahre in der Kirchruine eröffnen: Philipp Rauch, geboren 1998 in München, der sich Alexander Arutjunjans etwas halbseides, aber ungeheuer wirkungsvolles Trompetenkonzert vorgenommen hat, und Bobby Kostadinov (Jahrgang 1999), der mit Dvoráks herrlichem Konzert für Violoncello und Orchester den musikalisch dicksten Brocken des Abends stemmt.

Beide haben diese Werke bereits öffentlich gespielt, beide den steinigen Weg zur Profi-Karriere eingeschlagen: Kostadinov beginnt in wenigen Wochen sein Musikstudium in Leipzig, Rauch zieht es nach Dresden. Und das ist gut so. Denn so lange es junge Musiker gibt, die so beseelt von Dingen erzählen, die sich der Sprache verschließen wie Kostadinov auf seinem Cello, die so gewitzt, unterhaltsam und doch ernsthaft prunken wie Rauch auf der Trompete, muss man sich über die Zukunft des Musiklebens in Deutschland keine Sorgen machen.

Alle drei kommen aus demselben Stall: Sie repräsentieren das Leipziger Jugendsinfonieorchester und damit die Musikschule „Johann Sebastian Bach“, an der sie ihr Handwerk so offenhörlich gründlich lernten. Und hier verstehen sie sich als Erste unter Gleichen, die sich nach ihren Solo-Konzerten ganz selbstverständlcih wieder ins Tutti einreihen. In ein Tutti, das die gleichen musikalischen Tugenden vertritt. Dirigent Ron-Dirk Entleutner findet mit seinem vielfach preigekrönten nachwuchs-Orchester selbst in Webers recht schlicht gestricktem Orchestersatz, der noch nicht romantisch und nicht mehr klassisch ist, überraschende Kostbarkeiten, er lädt Arutjunjans verhinderte Moderne mit Substanz und Sinnlichkeit auf und wagt bei Dvorák kühn den Schritt vom Instrumentalkonzert zur Sinfonie mit obligatem Solo-Instrument.

Ja, auch hier geht nicht alles glatt. Aber keine Intonationstrübung, kein Wackler und keine Schwimmübung vermag das Ergebnis ernstlich zu belasten. Denn an diesem traumschönen Sommerabend im wunderbaren Ambiente der überdies verblüffend gut klingenden ausverkauften Wachauer Ruine, sagt die Musik mehr als 1000 Töne.

Bei den Wachauer Festival-Nächten steht heute, ab 20 Uhr, Bachs h-moll-Messe auf dem Programm. Restkarten gibt’s mit etwas Glück noch an der Abendkasse.

Von Peter Korfmacher

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