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17:21 03.10.2016
Bereit zum Kampf: Auch Dana Meyers Skulpturen „Antilope 1 & 2“ bei Westpol im Westwerk gehörten zum Lindenow-Festival. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Auf eine Wand wird ein Paar Füße projiziert. Sie sind barfuß und laufen den kompletten Weg von der Georg-Schwarz-Straße zum Lindenauer Hafen und zurück – jeweils einmal bei gutem und einmal bei schlechtem Wetter. Man sieht, wie die nackten Füße auf den Untergrund treffen, an Zäunen und an kleinen Flecken von Grün vorbeigehen, anderthalb Stunden lang. Über der Projektion hängen zwei Paar durchgelaufene Schuhe. Ein schönes Bild, stellvertretend für das der Installation übergeordnete Ereignis: Beim Festival Lindenow konnten die Besucher eine Menge Weg zurücklegen.

Von Freitag bis Sonntag lockte das Kunstraumfestival Lindenow zum zwölften Mal nach Lindenau, Plagwitz und Leutzsch. An mehr als 30 Ausstellungsorten konnten sich Zuschauer kostenfrei und ungezwungen zeitgenössische Kunst ansehen und mit lokalen Künstlern ins Gespräch kommen. Das übergeordnete Thema ist die Auseinandersetzung mit Raum inmitten einer rasanten Stadtentwicklung, der Slogan lautet:„Denn es ist Jetzt. Und jetzt ist Immer.“

Auch die Ausstellung „Upwärts!“ in der Showbox GSS34 setzt sich mit dem Raum auseinander, insbesondere der Georg-Schwarz-Straße selbst. Dort beginnt der Weg von Künstler Nico Nice zum Lindenauer Hafen. Es ist aber auch der Ort, an dem die vielen Porträts entstanden sind, die Fotograf Robert Rheingold in der Showbox zeigt. „Die Georg-Schwarz-Straße ist ein ewiges aufwärts und vergehen, das wir hier beobachten“, erzählt Rheingold. An die Bilder ist er intuitiv herangegangen, hat sich gefragt, wen er anspricht und wo für ihn Hürden liegen. Herausgekommen ist dabei eine Sammlung sehr ehrlicher und charakteristischer Schwarz-Weiß Porträts von Lindenauern.

In anderen Ausstellungen, wie beispielsweise im Westwerk, nutzt man vor allem den Anlass, die unterschiedlichen ansässigen Künstler und die große Bandbreite ihrer Arbeiten zu präsentieren, von Installationen zu Bildern und Skulpturen. Auch kreative Konzeptläden aus verschiedenen Bereichen nutzen die Gelegenheit, um sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Im Studio Farn kommt man so in den Genuss von Siebdrucken, unter anderem mit Inspiration von den Sex Pistols. Durch die unterschiedlichen Kunstformen und Veranstaltungsorte wird das Lindenow ein gemütlicher Rundgang und gleichzeitig ein vielschichtiger Überblick über die lokale Kunstszene.

Einen Raum, der Besucher aktiv mit einzubindet, hat Künstler Markus Zimmermann geschaffen. Im D21 Kunstraum findet die Ausstellung „Take me, Tiger“ statt, mit Installationen, Videos und mit Text versehenen Bildern. Wie ein kleiner Container, aber aus Naturmaterialen, steht der Verschlag, in dem Zimmermann „me & you“ präsentiert, mitten darin. In diesem Raum sitzt der Künstler auf einem Bett. Umgeben ist er von Schemeln und einigen Gegenständen, die an einer der Seitenwände aufgereiht sind wie Dekoration.

Eine Person darf in diesem Bett übernachten oder an einem Ritual teilnehmen: Man sitzt dem Künstler gegenüber auf einem der Schemel, er nimmt auf dem anderen Platz. Dann wählt man einen Gegenstand aus. Markus Zimmermann erzählt seinem Besucher von Auge zu Auge die Geschichte des Gegenstands, und wie er in sein Leben kam. Daraufhin nimmt er einen Hammer und zerstört ihn, „aber erst nachdem ich seine Geschichte weiter gegeben habe“, wie er erklärt. Damit wird der kleine Verschlag ein Raum für das Loslassen, aber auch der Begegnung.

Die direkte und kritische Auseinandersetzung mit ihrer Umgebung wählt Künstlerin Annekatrin Brandl. Ihre Kohlezeichnungen und Farbgrafiken zeigen zumeist, aber nicht ausschließlich, Orte in Lindenau in abstrahierter Form. Wichtig sind ihr dabei insbesondere Farbe und Licht.

Der Besucher wird mit seinem eigenen Umfeld konfrontiert, erkennt es aber oft erst auf den zweiten Blick. Brandl zeichnet Motive aus ihrer urbanen Umgebung, an denen man schon oft vorbei gegangen ist, ohne sie bewusst wahrzunehmen. „Die Motive sind nicht wahllos ausgewählt“ betont sie. Passend zur Veranstaltung nennt sich ihre Ausstellung „Die Stadt – als Transformationsraum“.

Von Miriam Heinbuch

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