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Dystopie auf kleinem Raum: #perfectland im Leipziger Lofft

Freie Szene Dystopie auf kleinem Raum: #perfectland im Leipziger Lofft

Zwei Darsteller, eine kleine Bühne, eine Leinwand und ein Spiegel: Viel mehr braucht es nicht für „#perfectland“, das derzeit in der Lofft-Werkstatt aufgeführt wird. Trotz der beschränkten Möglichkeiten gelingt den Machern mit dem dystopischen Kammerspiel etwas, an dem auch Großproduktionen gerne scheitern: Eindringliches Theater, das zum Nachdenken anregt!

Vermeintliches Paradies: Kevin Körber und Katja Göhler in „#perfectland“.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Grüne Wälder, angenehme Temperaturen, unzählige Sonnenstunden und keinerlei gesellschaftliche Unterschiede – es ist ein reines Paradies, dieses „#perfectland“, das derzeit von den Werkstattmachern im Lofft auf die Bühne gebracht wird. Aber wie so oft tun sich auch in dieser allzu perfekten Welt schnell Abgründe auf. Die Frage, die denn letztlich von Darstellern und Publikum in den knapp 60 Minuten zu beantworten ist, lautet entsprechend: Wie viel ist man bereit selbst aufzugeben, um sein vermeintliches Glück zu finden?

Ein Stück, viele Vorlagen

Es ist ein weiter Bogen, den die beiden Darsteller Katja Göhler und Kevin Körber unter der Anleitung von Cynthia Friedrichs und Mira Sommer auf der kuscheligen Bühne spannen. Da finden sich Elemente aus Aldous Huxleys Vorzeige-Dystopie „Schöne Neue Welt“ ebenso wie Anzeichen des allumfassenden Orwell’schen Überwachungsstaates anno „1984“, da werden mehr als einmal die Auswüchse des Voyeur-TVs à la „Big Brother“ oder des skandalumwitterten Sat-1-Experiments „Newtopia“ vorgeführt. Gesellschaftskritik aller Orten – jedoch mehr mit dem feinen Skalpell als dem Holzhammer.

Von Macht und Ohnmacht

Im Mittelpunkt der Inszenierung steht das namensgebende „#perfectland“, ein von Kameras begleitetes Experiment, dessen Ziel die Selbstoptimierung der Kandidaten ist – mit allen Mitteln. Viele Ansatzpunkte also, denen mit einfachsten Werkzeugen kritisch zu Leibe gerückt wird. Mal sind es die denkbar gegensätzlichen Bewerbungsvideos, in denen Göhler und Körber ihre Figuren um die Gunst der Macher des fiktiven Formates buhlen lassen. Selbstüberschätzung trifft auf Naivität, demonstrative Gleichgültigkeit wird von verzweifelter Hoffnung auf Besserung konterkariert.

Zentrales Element ist dabei die Kontrolle von außen, die kaum greifbare Macht von Machern und Masse, der sich die Kandidaten immer wieder gegenüber sehen – und die sie zu absurden Verrenkungen verführt. Simpel-effektiv etwa, wie der seitlich befestigte Spiegel zugleich als räumliche Erweiterung und Fernsehbildschirm dient, in den die beiden Kandidaten ihre übersteigerten Votingaufrufe ans imaginäre Publikum richten.

Fragen für den Heimweg

Göhler und Körber agieren in diesem Kosmos stets überzeugend, lassen mal mit zu Herzen gehender Offenheit, mal mit beißender Kritik an gesellschaftlichen Strömungen ihre Figuren durch dieses Über-Paradies streunen. Beeindruckend auch die jeweilige Wandlung zum Ende hin: Wo bei dem einen unbedingter Fortschrittsglaube in Fanatismus umschlägt, wandelt der andere seine Skepsis gegenüber den Mächtigen in Rebellion gegen die herrschenden Verhältnisse. Die goldene Mitte, sie bleibt an diesem Abend aus, vielmehr werden neue Fragen aufgeworfen – deren Beantwortung dem Zuschauer überlassen bleibt. Genau das also, was gutes Theater erreichen will.

„#perfectland“, am 22. und 23.11. jeweils 20 Uhr im Lofft (Lindenauer Markt 21). Tickets für 8/5 Euro.

Von Bastian Fischer

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