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"Eigentlich wollte ich Schauspielerin werden" - Literaturwissenschaftlerin Leistner im Porträt

"Eigentlich wollte ich Schauspielerin werden" - Literaturwissenschaftlerin Leistner im Porträt

Jeder Mensch hat eine interessante Geschichte. Die LVZ-Serie "Gesichter in Leipzig" porträtiert Leute, die auf sich aufmerksam machen. Typen, die außergewöhnliche Ideen haben.

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Maria-Verena Leistner.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Oder auch das ganz alltägliche Original von neben an. Heute: die Literaturwissenschaftlerin Maria-Verena Leistner.

Wilhelm Müller (1794-1827) ist nach Franzensbad heimgekehrt! Zumindest steht sein 1910 von Adolf Mayerl (1884-1954) geschaffenes Denkmal nicht mehr namenlos im Oberen Kurpark. Dank des Engagements der Leipziger Literaturwissenschaftlerin Maria-Verena Leistner und ihres Mannes Bernd, beide bestens mit Leben und Werk des Poeten vertraut, und der Unterstützung der Franzensbader wurde es saniert, restauriert und strahlt wieder im alten Glanz.

Die gebürtige Leipzigerin erzählt, dass einst studentische Korporationen die steinerne Erinnerung gesponsert hatten. Nach 1945 wurde das Denkmal demoliert, die Inschrift herausgebrochen, nur das Relief blieb erhalten. Und so stand der Klotz namenlos und bemoost im Park. Dabei verdanke die Nachwelt dem Lyriker, Essayisten und Reiseschriftsteller die Texte der von Schubert, Silcher und Zöllner komponierten Lieder "Am Brunnen vor dem Tore", "Ich schnitt es gern in alle Rinden ein" oder "Im Krug zum grünen Kranze". Bei seinem Kuraufenthalt im Sommer 1826 habe er Gedichte zum Lob von Franzensbad und Umgebung geschaffen, die bereits im August des Jahres in der "Zeitung für die elegante Welt" gedruckt wurden, wie Maria-Verena Leistner erzählt.

Aktiv auch als Herausgeberin

Sie ist auch Herausgeberin der Wilhelm-Müller-Werkausgabe, die 1994 im Verlag von Mathias Gatza in Berlin erschienen ist. Fünf Bände mit Werken, Tagebüchern und Briefen sowie ein Registerband beleuchten Leben und Schaffen des Dichters, der nur 33 Jahre alt wurde. "Müller hatte vielfältige Beziehungen zu Leipzig. Bei Brockhaus gab er zum Beispiel die Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrhunderts heraus. Außerdem war er Mitglied der Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen", sagt die Vorsitzende des Kuratoriums der Wilhelm-Müller-Stiftung. Sein Sohn lehrte in Oxford und wurde geadelt.

Auslandsjahre in Mazedonien

Dabei wollte Maria-Verena Leistner, die an der Leipziger Universität studiert, promoviert und über Jahrzehnte gelehrt hat, ursprünglich Schauspielerin werden. Durch ihren Vater, den Schauspieler Werner Schoch, kam sie schon als Kind mit dem messestädtischen Theater und seinen bekannten Akteuren in Berührung.

Hat sie es bereut, nicht die Bretter, die die Welt bedeuten, erobert zu haben? Sie lächelt und verneint. Nach dem Studium bei Hans Mayer und Theodor Frings war sie ein paar Jahre Lehrerin an der Erweiterten Oberschule in Zschopau. Dann kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück und machte bis Anfang der 90er-Jahre im Germanistischen Ausländerstudium Studenten aus der Sowjetunion, der CSSR, Polen, aus Afrika und Asien mit deutscher Dichtung vertraut. Dazwischen lag ein Auslandseinsatz: Von 1971 bis 1974 lebte sie mit Mann und Tochter in Skopje (Mazedonien) und vermittelte jungen Leuten die deutsche Sprache.

"Es war ein erfülltes Leben, von dem ich auch im Ruhestand profitiere, indem ich noch Vorträge halte und mich in der Internationalen Wilhelm-Müller-Gesellschaft und im Vorstand der Leipziger Goethe-Gesellschaft engagiere. Meine Liebe zu Briefmarken, zu Pflanzen, mein kleiner Garten, in dem ich gern arbeite, und nicht zuletzt meine Familie halten mich fit", erzählt die Mutter einer begabten Tochter, Großmutter eines ehemaligen Thomaners und nun studierenden Enkels sowie Schwiegermutter von Udo Zimmermann.

Musik und Literatur für Vitalität

Auch wenn sich kurz vor Weihnachten ihr Geburtstag zum 75. Mal jährt, für Maria-Verena und ihren Mann, den bekannten und geschätzten Professor Bernd Leistner, mit dem sie fast ein halbes Jahrhundert verheiratet ist, gehören Literatur und Musik auch weiterhin zum Alltag, sind Garanten für ungebrochene Vitalität. Rolf Richter

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.10.2013

Rolf Richter

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