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Kultur Ein Fest für die schwarze Seele: ASP lässt sich in Leipzig feiern
Nachrichten Kultur Ein Fest für die schwarze Seele: ASP lässt sich in Leipzig feiern
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16:30 10.04.2016
Inbrünstig beschwört er das Schwarze in der Seele: Alexander „Asp“ Spreng beim Besuch in Leipzig.  Quelle: Foto: Wolfgang Zeyen
Leipzig

 Die Erfolgsgeschichte dieser Band aus Frankfurt hatte anfangs viele Parallelen zu „Unheilig“. Die Aachener wie auch ASP starteten fast parallel, sie stehen für eine musikalisch breite Auffassung von Goth-Rock im 21. Jahrhundert und singen deutsche Texte ohne Scheu vor der genreüblichen Theatralik. Bei beiden ist eine Zentralfigur, die für Inhalte und Image verantwortlich zeichnet, absolut dominierend, beide erfuhren von Anfang an in der Dunkel-Szene freundlichste Aufnahme. Hätte man dort nach den ersten Alben seinerzeit gefragt, wem man eher den Durchbruch in den Mainstream zutrauen würde, hätte die Mehrheit wohl nicht auf den unheiligen Grafen getippt.

Vom Hitpotenzial her liegen die Stücke von ASP mindestens gleichauf. Vielleicht hat Mastermind Alexander „Asp“ Spreng einen zu großen Dickschädel für die Massenkompatibilität. Immer wieder verblüffte er mit unerwarteten Aktionen. Etwa, als er auf dem Höhepunkt der allgemeinen Künstlerempörung über das private Kopieren von CDs der Single „Ich will brennen“ einen Rohling als Aufforderung beilegte.

Die schwarze Szene hat am Samstagabend die Frankfurter Rockmusiker von ASP im Haus Auensee gefeiert. (Bilder: Wolfgang Zeyen)

2009 verlangte er vom Wave Gotik Treffen eine Erklärung zu verwendeten Symboliken, die er politisch ausdeutete. Die kriegte er natürlich nicht, löste aber eine breite Debatte in der Szene aus. Geschadet hat die Affäre weder dem Leipziger Festival noch ASP. Das Haus Auensee ist jedenfalls bestens gefüllt, die Masse dem Meister ergeben. Zumal die Band, die ihre Veröffentlichungen immer in Werkzyklen unterteilt, ihre jüngste Goth-Rock-Novel in einem geheimnisvoll verwunschenen, seit Jahren leer stehenden Hotel angesiedelt hat.

Das heißt „Astoria“, und gemeint ist tatsächlich das Leipziger. Sie spielen eine ganze Reihe Songs aus dem aktuellen Album. „Schön dass ihr die neuen Stücke wie alte Freunde begrüßt“, lobt der Zeremonienmeister, der hier einen in keiner Phase gefährdeten Heimsieg feiert. Das liegt aber nicht nur an ihm: Zwei Gitarren und ein fetter Bass bringen den enormen Druck dieser Songs überzeugend rüber. Schade, dass die vielen instrumentalen Arabesken von kickenden Synthloops bis zu schluchzenden Geigen in Ermangelung eines Keyboards von der Festplatte kommen. Einzigartig ist der tiefe, mehrstimmige Männerchor, bestehend aus dem Chef und seinen beiden Saitenleuten Lutz Demmler (Gitarre) und „Tossi“ Gross am Bass. Dieses wohltemperierte Trio singt nahezu sakrale Momente herbei.

Plötzlich – soeben stand die Menge noch staunend in den endlosen Gängen eines verlassenen Leipziger Hotels – beginnt die Hitphase mit „Und wir tanzten“. Ihr erster und größter Hit, eine Melodie, die jeder schon während des ersten Hörens mitsingen kann. Der Saal tut das voller Inbrunst und erlebt ergriffen, wie der Kultsong in einer Orgie aus Licht und Lärm explodiert. Danach prasseln die Einschläge hageldicht und kulminieren in der heimlichen Hymne der Bewegung. Glänzenden Auges intoniert die sinistre Menge ihr Glaubensbekenntnis: „In meinen Adern fließt das schwarze Blut!“

In der Zugabe verlieren die Gruftis dann doch jede Contenance – beim erwähnten „Ich will brennen“ brüllt und tobt die Menge enthemmt wie eine Horde Ultras in der Südkurve. Danach bleibt die Bühne lange leer. Doch an diesem Abend, dem letzten der Tournee, geht noch was, das spüren alle. Tatsächlich, sie kommen wieder und zelebrieren, was wohl nur mit diesem Publikum geht: Bei dem wunderbar gefühligen Slow-Rocker „Rücken an Rücken“ drehen sich alle auf Kommando willig um und wiegen sich innig versunken mit Blick zum Ausgang. Sänger, Band und Gefolgschaft verschmelzen so erst recht zu einer fast magischen Einheit.

Von Lars Schmidt

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