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Ein Gesamtkunstwerk wird 30 Jahre alt - Gewandhaus in Leipzig feiert Jubiläum

Ein Gesamtkunstwerk wird 30 Jahre alt - Gewandhaus in Leipzig feiert Jubiläum

Zum runden Geburtstag gibt es eine Beethoven-Büste von Carl Seffner, einen Rundgang durch die Geschichte des Hauses, einen Blick hinter die Kulissen und natürlich viel Musik.

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Das Gewandhaus am Leipziger Augustusplatz.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. An diesem Samstag wird das Neue Gewandhaus in Leipzig 30 Jahre alt. Am 8. Oktober 1981 präsentierte das Gewandhausorchester in seiner neuen Spielstätte Beethovens 9. Sinfonie unter der Leitung seines damaligen Kapellmeisters Kurt Masur. Ihm und der jahrhundertealten Tradition des Gewandhausorchesters sei es auch zu verdanken, dass das Neue Gewandhaus der einzige reine Konzerthausneubau in der DDR wurde, erzählt der heutige Gewandhausdirektor Andreas Schulz.

„Masurs Kontakte nach Berlin und seine Hartnäckigkeit haben dem Gewandhausorchester nach 40 Jahren provisorischer Spielstätte am Zoo wieder ein Dach geschenkt.“ Masur nahm den Chefarchitekten Rudolf Skoda mit auf Reisen, führte intensive Gespräche über die Akustik des neuen Hauses. „Diesen Vorbereitungen ist es zu verdanken, dass wir uns heute nicht verstecken müssen“, erklärt Schulz. Der Große Saal biete auf allen 1900 Plätzen ein ausgezeichnetes Hörerlebnis. Gewandhaussprecher Dirk Steiner beschreibt die akustischen Qualitäten als „gute Ausgewogenheit zwischen Transparenz und Mischklang“. Der Ton umschließe den Zuhörer de facto.

Die Gewandhausmusiker dürften sich bei ihren ersten Proben und Konzerten wie im Paradies gefühlt haben. Bratscher Henry Schneider erinnert sich daran, wie zu den Akustikproben damals Soldaten kompanieweise in den Saal marschierten, um den Raumklang auch bei vollem Haus zu testen. Bis dato hatten die Musiker unter miserablen Bedingungen die Kongresshalle im Zoo bespielt. „Da ist man im Sommer im Konzert dahingeschmolzen“, erinnert sich Schneider an heiße Zeiten ohne Klimaanlage. Da sich eine Küche mit all ihren Gerüchen in direkter Nähe befand, hätten die Musiker bei der Probe am Vormittag schon immer gewusst, was im Zoorestaurant mittags auf den Tisch kam.

Der Bau selbst darf zu den Großtaten der DDR gezählt werden. 130 Millionen DDR-Mark flossen in das Gebäude, hinzu kam eine Million aus dem Westen. Ursprünglich war in Leipzig gar kein eigenständiges Konzerthaus geplant. Vielmehr sollten die Gewandhausmusiker im Auditorium maximum der Universität spielen. Da beim Neubau der Uni aber das Geld für den Mehrzwecksaal ausging, war wieder die Chance für einen eigenständigen Saal da. Musiker Henry Schneider sieht in Masur die treibende Kraft. „Er fuhr nach Berlin, wenn Baustoffe fehlten. Er hat immer Druck gemacht. Dass in der DDR so ein Haus gebaut wurde, obwohl es hinten und vorn fehlte, das grenzt schon an ein Wunder.“

Das Leipziger Gewandhaus ist eine ungewöhnliche Konzeption. Unter seinem Dach ist sowohl das Haus als auch das Gewandhausorchester angesiedelt. Das eine ist die Heimstatt des anderen. Etwa 230 Konzerte spielt das weltberühmte Orchester jedes Jahr in dem Gebäude am Augustusplatz, oft wird es vermietet. „Das Neue Gewandhaus wurde zwar als klassisches Konzerthaus konzipiert, doch heute ist es ein Kulturhaus für alle“, sagt sein Direktor Andreas Schulz.

Seinen Namen hat das Neue Gewandhaus aus zweierlei Gründen: Es ist bereits die dritte Heimstatt des Gewandhausorchesters, das nach seiner Gründung durch private Kaufleute im Jahr 1743 zunächst im Messehaus eines Tuchwarenhändlers spielte, also einem Gewandhaus. 1884 zog das Orchester dann in das zweite Gewandhaus. „Ein sehr schönes Haus mit phänomenaler Akustik“, berichtet Schulz. Es brannte jedoch im Zweiten Weltkrieg aus. Nach jahrzehntelangem Provisorium bekam das Gewandhausorchester dann im Neubau wieder ein würdiges Dach. Dabei ließen sich die Architekten von Prestigeobjekten wie der Berliner Philharmonie inspirieren.

Schulz leitet das Haus seit 1998. „Wir sind momentan finanziell sehr gut aufgestellt“, sagt er. Über mehr als 37,5 Millionen Euro Etat verfügte er in der vergangenen Saison, davon waren 21 Millionen Euro eigene Erträge. Doch ohne öffentliche Förderung gehe es nicht, jede Kürzung beschneide das Programm. „Wir haben eine exzellente Verhandlungsposition, denn niemand kann uns vorwerfen, dass wir nicht erfolgreich sind“, sagt Schulz und verweist auf die 99-prozentige Auslastung der Gewandhausorchester-Konzerte - und die gestiegene Zahl von 12 800 Abonnenten.

Franziska Höhnl, dpa

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