Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Gewitter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Ein Königreich für Gummistiefel - 30.000 tanzen beim SonneMondSterne-Festival im Schlamm

Ein Königreich für Gummistiefel - 30.000 tanzen beim SonneMondSterne-Festival im Schlamm

Tausende Technofans verwandelten das beschauliche Saalburg im Süden Thüringens am Wochenende wieder in Deutschlands größten Raver-Kurort. Insgesamt 30.000 Fans des SonneMondSterne-Festivals ließen sich vom Regen die Stimmung nicht verderben.

Saalburg. „Falls ihr im Schlamm stecken bleibt, gebt uns ruhig die Schuld dafür“, riefen die Fantastischen Vier, als sie am Sonnabend gegen Mitternacht die große Open-Air-Bühne bestiegen. Denn die rund 30 000 Techno-Fans stecken beim 14. SonneMondSterne-Festival knöcheltief in braunem Modder.

Strömender Regen hat die Festwiese komplett aufgeweicht. Die Veranstalter karren 600 Tonnen Rindenmulch heran, was die Lage nur verschlimmbessert: Der Modder wird zähflüssig, dass es einem fast die Schuhe auszieht. Dazu gesellt sich der Duft der Manege, diese markante Note aus Holzspänen und Kamel-Dung.

Als der Regen aufhört, ist es zu spät für die Wiese, aber nicht für die Stimmung. Unter dem Motto „Jetzt erst recht! stapfen die Raver von Zelt zu Zelt zu Bühne zu Essenstand und Dixie-Klo, immer vorsichtig, um nicht auszurutschen. Dicht gedrängt wärmen sich die Tanzenden. Manche entdecken auch das Kind in sich wieder, dass der Schlamm nur so spritzt. Am wolkenbedeckten Himmel, wo weder Mond noch Sterne zu sehen sind, kreisen Lichtkegel, Bässe wummern aus den Techno-Zelten.

Und die Raver sind vorbereitet, Gummistiefel Einheitslook. Für zehn Euro verkaufen findige Geschäftsleute die Wasserdichten, zwanzig Euro kostete einmal Auto-Abschleppen. „Bei gutem Wetter kann doch jeder Party machen“, ruft SMSerin Yvonne gegen die Beschallung an. Sie weiß die Mehrheit hinter sich, für die gilt: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Klamotten.“ Beliebt sind in diesem Jahr auch Bademäntel, Badehosen, Friesennerze. So stehen die Raver vor der Open-Air-Bühne und wippen cool mit dem Oberkörper, die Beine fest im Boden verankert, zu den Topacts Jan Delay und Fanta 4. Etwas behäbig wirken die Stiefel dagegen in den gigantischen Technozelten. Aber auch dort bringen DJ-Stars wie Oliver Koletzki und DJ Lexy die Luft zum Dampfen.

Die Schlammschlacht verdrängt ein anderes Thema: Kaum jemand spricht noch von Duisburg und der Loveparade, bei der 21 Menschen auf tragische Weise den Tod fanden. Dadurch war auch das SMS-Festival in eine andere Aufmerksamkeit geraten. Besorgte Fans und Eltern erkundigten sich nach Notausgängen und Security, das Sicherheitskonzept wurde überprüft.

Die Veranstalter beschwichtigen: Das SMS ist kaum mit der Loveparade und den hundertausenden Besuchern zu vergleichen. „Wir sind ein Festival und keine Parade, es gibt keine Tunnel, keine Engpässe und das Gelände ist etwa 100 Hektar groß. Zur Not können wir außerdem ganz schnell die Bauzäune öffnen“, sagt Philipp von der Orga-Crew. Knapp 400 Sicherheitsleute haben die Techno-Gemeinde im Blick, die sich großzügig über das große Areal verstreut; auf dem See patrouilliert die Wasserwacht.

Passiert ist in den vergangenen Jahren nie etwas, wenn man von der Drogenkriminalität absieht. Der gute Ruf, den das Festival über Thüringens Grenzen hinaus genießt, führte trotz Loveparade dazu, dass zum allerersten Mal bereits vor Wochen alle Karten weg waren.

Aber SonneMondSterne will sich noch in einem anderen Punkt von der Loveparade unterscheiden: „Techno ist nur eine Facette bei uns. Wir haben etwa 50 Prozent elektronische Musik, aber auch ein paar Stilbrüche“, sagt Philipp. Denn ganz ehrlich, wer vermutet die Fanta 4 oder Raggaeman Jan Delay schon im Raver-Kurort Saalburg? Insgesamt 150 Künstler aus der Elektro-Musik-Szene haben sich für das drei Tage dauernde Festival an den Ufern der Bleichlochtalsperre, Deutschlands größtem Stausee, eingefunden.

Der beschauliche Ort, leicht über die A9 von Norden und Süden zu erreichen und nur 500 Meter vom Festivalgelände entfernt, wirkt im Übrigen wie absorbiert. 400 000 Watt Licht, 400 000 Watt Musik und 250 Tonnen Müll. Die knapp 3800 Bewohner, drastisch in der Unterzahl gegen die Ravermassen, haben sich aber mittlerweile mit dem dreitätigen Ausnahmezustand abgefunden, meint eine Dame von der Touristeninfo, oder sie suchen übers Wochenende das Weite.

Anders ist das in Hohenfelden, südlich von Erfurt. Dort hatten die Einwohner im vergangenen Jahr genug vom Highfield-Festival, das ebenfalls gut 25 000 Gäste jedes Jahr anzog. Nun zieht es nach Kleinpösna um. Die Party in Saalburg geht weiter.

Robert Büssow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Die Ausstellung "DDR-Comic Mosaik - Dig, Dag, Digedag" ist ab sofort dauerhaft im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr