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Kultur "Ein Lächeln in den Alltag zaubern": Larsen Sechert über die Leipziger Straßentheatertage
Nachrichten Kultur "Ein Lächeln in den Alltag zaubern": Larsen Sechert über die Leipziger Straßentheatertage
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19:10 02.07.2014
Larsen Sechert Quelle: André Kempner

Larsen Sechert hat das Festival 2007 aus der Taufe gehoben.

Was erwartet das Publikum dieses Jahr?

Sehr viel verschiedenes. Wir haben Clowns, Zauberei, Gaukelei und vieles mehr. Partner-Akrobatik zum Beispiel: Da tritt das Duo Dependendum mit dem Programm "Die verrückte Fernbedienung" auf. Die beiden stammen aus Leipzig und sind bekannt für ihre hohe Qualität. Aus Berlin kommt die Gruppe SKET, die Schnelle Kulturelle EingreifTruppe, die mit Techniken von Augusto Boals unsichtbarem Theater arbeitet. Damit wollen sie auf aktuelle Probleme aufmerksam machen und einen klaren Standpunkt beziehen. Klassisches Schauspieltheater gibt es von der Leipziger Amateurtheatergruppe Ubi Youth, der Jugendgruppe des Ubiquity Theatre, die Szenen ihrer aktuellen Produktion zeigt, die auch in der Nato zu sehen ist.

Auffällig ist, dass das Programm mit Gruppen aus dem ganzen Bundesgebiet bestückt ist. Dieses Jahr ist ja sogar Puppentheater aus Stuttgart dabei ...

Das freut mich ganz besonders. Das Figurenkombinat aus Stuttgart besteht aus Absolventen des Fitz, der dortigen Schule für Figurentheater. Die haben tolle Kostüme, sind extrem professionell und zeigen ihr neues Stück "Hühnchens neue Welt", eine Parodie auf unsere Gesellschaft. Und sie stehen auch für das Besondere der Straßentheatertage, die ja immer eine Mischung aus Professionellen, Semiprofessionellen, Amateuren und Laien versammelt. Aufgrund des Budgets sind es aber nur wenige Profis ...

Wie funktioniert die Finanzierung?

Über den Landesverband Amateurtheater gibt es 500 Euro vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, und die gleiche Summe steuert das Knalltheater über Crowdfunding bei. Damit können wir Fahrtkosten zahlen, aber eben keine Gagen. Die Künstler verdienen also vor allem durch das, was durch den Hut reinkommt, und da sind dann die Leipziger gefordert.

Gibt es abseits des Festivals Straßentheater in Leipzig?

Es gibt wenig und nicht so gebündelt wie bei uns, wenn wir vier Tage auf der Grimmaischen Straße und der Petersstraße unterwegs sind. Letztlich kann sich jeder problemlos auf die Straße stellen, auch wir haben keine Sondergenehmigung, sondern agieren innerhalb der geltenden Vorschriften. Wir verstehen uns daher auch als Werbung für diese Theaterform. Ansonsten gibt es das hier nur wenig, auch wenn die lebenden Statuen zugenommen haben und auch einige wenige andere. Könnte auch daran liegen, dass die Leipziger nicht so gebefreudig sind wie in anderen Städten.

Sind die Straßentheatertage eine Leipziger Spezialität in Ostdeutschland?

Es gibt große internationale Festivals in Naumburg und in Görlitz. Die sind institutionell gefördert, und da kommen international etablierte Künstler. Das ist aber eine Form von Straßentheater mit großen Maschinerien auf großen Plätzen mit viel Material, Musik und Technik. Das geht in Richtung Theater Titanick. Straßentheater in einem archaischen, ursprünglichen Sinn findet eher hier statt. Sogar auswärtige Besucher kommen extra für das Festival in die Stadt.

Wie ist der Auswahlprozess in Leipzig?

Es gibt keinen. Jeder, der mitmachen will, kann dabei sein. Das Ziel ist, ein kleines Lächeln in den Alltag der Besucher zu zaubern und die Routine für einen Moment zu unterbrechen. Und da ist jede Form der Kunstdarbietung gleichermaßen geeignet - egal ob gekonnt oder nicht, weil ja die Leute im öffentlichen Raum ohnehin weitergehen können, wenn es ihnen nicht gefällt. Mein Traum ist es, dass in einer Straße an jeder Ecke etwas passiert und dass das Publikum aus dem Staunen nicht herauskommt. Da sind wir dieses Jahr nahe dran.

Achte Leipziger Straßentheatertage, Donnerstag bis Sonntag, jeweils 15 bis 18 Uhr, in Petersstraße und Grimmaischer Straße. Mit dabei: SKET aus Berlin, Figurentheaterkombinat aus Stuttgart, lbe-Theater aus Görlitz, Mitossi aus Erfurt; aus Leipzig: Clowns und Clowns, Piko Poko, Duo Dependendum, Martin Kiefer, Magomaya Zauberkünste, Knalltheater, Schülertheatergruppe aus Eutritzsch, Jugendtheatergruppe des Werk 2.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.07.2014

Torben Ibs

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