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Ein Mann für Nebenrollen - Leipziger Schauspieler Günter Junghans gestorben

Ein Mann für Nebenrollen - Leipziger Schauspieler Günter Junghans gestorben

Er war das, was das Kino braucht, aber nur selten würdigt: ein Nebendarsteller. Ohne diese Figuren, die immer nur kurz auftauchen, funktioniert Film nicht. So war Günter Junghans denn wohl in 30 Jahren unverzichtbar für 30 Defa-Arbeiten und in 50 Jahren für mehr als 100 TV-Produktionen.

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Horst Krause (Polizeihauptmeister Krause, l) und Günter Junghans im September 2009 in einer Drehpause zum "Polizeiruf 110: Falscher Vater".

Quelle: dpaNestor Bachmann

Er war einer, den man bemerkte - und den man sich merkte. Ein längliches Gesicht, das nicht für den Romeo taugte. Eine Sprache, die metallen klang und der man die Ausbildung anhörte. Dabei war des Weg des Leipzigers alles andere als klar vorgezeichnet.

Schließlich kam er aus einer Handwerker-Familie, lernte erst Schlosser im VEB Verlade- und Transportanlagenbau Leipzig, machte bei der Agit-Prop-Truppe "Rote Blusen" mit (was die Lust am Theaterspiel weckte) und abends an der Volkshochschule das Abi. So schaffte er den Sprung an die Filmhochschule, spielte erst am Potsdamer Theater, ab 1969 an der Volksbühne Berlin. Erstaunlicherweise auch Hauptrollen: Franz Moor in "Die Räuber", Jago in "Othello", den Arlecchino in "Das schöne grüne Vögelchen". Da konnte Günter Junghans zeigen, was ihm im Kino nur ganz selten vergönnt war: Dass er ein Komödiant war, der verrückt, grotesk, ausgelassen, doppelsinnig sein konnte. Wenn die Chance im Film kam, ging dieses Talent zu Bruch. "Zünd an, es kommt die Feuerwehr" (1979) war sicher ein Paradebeispiel. Eine ganz derbe Klamotte.

Dabei begann die Defa-Karriere heiter mit Werner W. Wallroths "Das Rabauken-Kabarett" (1961) um junge Arbeiter im Schieferbergbau. Eine Richtung für später war das nicht. Was auch sein Gutes hatte: Günter Junghans wurde nie auf einen Typ festgelegt. So tauchte er im Musical "Hochzeitsnacht im Regen" (1967) ebenso auf wie im Karl-Liebknecht-Epos "Trotz alledem!" (1972), in "Julia lebt" (1963) wie in "Die gefrorenen Blitze" (1967), in "Ikarus" (1975) wie in der Hermann-Kant-Verfilmung "Der Aufenthalt" (1982) oder im Clara-Zetkin-Drama "Wo andere schweigen" (1983). In Erinnerung geblieben ist sicher sein Christian Vetter in "Die Abenteuer des Werner Holt" (1965). Günter Junghans als blutjunger Soldat, der im Zweiten Weltkrieg zum Handlanger des faschistischen Fanatikers Wolzow wird.

Eine intensiv gespielte Studie, die allerdings ohne Rollen-Folgen blieb, die aber eines zeigte: Günter Junghans war ein Charakterspieler. Was Günter Reisch sicher erkannte, als er ihn in "Ach, du fröhliche ..." (1962) besetzte, jener Komödie um einen Werksdirektor, der am Weihnachtsabend mit dem DDR-kritischen Freund der Tochter konfrontiert wird. Günter Junghans war der unangepasste Sohn des Direktors - und entpuppte sich 1987 in "Wie die Alten sungen", der Fortsetzung, als spießiger Familienvater. Ein sehr überzeugendes Spiel mit DDR-Zeit und den Zeitläuften.

Die Wende ließ die Karriere von Günter Junghans wie die von so vielen seiner Kollegen stottern. Doch er setzte sich durch - mit Nebenrollen. In den SAT.1-Krimi-Serien "Sardsch" und "Wolffs Revier", in "Polizeirufen" und "Tatorten", in "Salto Kommunale" und "Heimweh nach drüben" neben Wolfgang Stumph, als Kommissar neben Harald Juhnke in "Friedemann Brix", als DDR-Kulturminister Hoffmann in "Abgehauen" (1998), als Leipziger SED-Chef Helmut Hackenberg in "Deutschlandspiel" (2000) und als Stasi-Generaloberst Koweitz in "Weissensee". Eine kuriose Doppelrolle bekam Günter Junghans in der Brigitte-Reimann-Biografie "Hunger nach Leben": Er war der Vater der Schriftstellerin - und ebenso Walter Ulbricht. Etwas verworren auch sein Auftritt in "Nasse Sachen"(2011) als Vater der Leipziger "Tatort"-Kommissarin Saalfeld, der Volkspolizist, Schieber und Stasi-Mann gewesen sein soll. Da waren sein Kur- direktor in der heiteren MDR-Serie "Bis der Arzt kommt" und der Opa Friedrich in "das bloghaus.tv" vom Kinderkanal doch weitaus weniger verworren.

Theater spielte er seit zehn Jahren auch wieder (unter anderem war er "Nathan, der Weise") und unterstützte das Kinderhospiz in Tambach-Dietharz. Am Sonntag ist Günter Junghans nach kurzer Krankheit 73-jährig gestorben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2014

Norbert Wehrstedt

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