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Ein Meisterwerk: Das Debüt-Album des Leipziger Soulpop-Duos Malky

Ein Meisterwerk: Das Debüt-Album des Leipziger Soulpop-Duos Malky

Daniel Stoyanov sitzt in einem Szene­Café und bestellt Spaghetti Carbonara. Jeans, T-Shirt; der schwarze Kurzhaarschnitt sitzt lässig und perfekt zugleich - so sieht der smarte Sänger von nebenan aus.

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Im Bulgarischen bedeutet "Malky" so viel wie "kleiner Junge": Michael Vajna (links) und Daniel Stoyanov.

Quelle: Max Parovsky

"Seit Wochen rede ich fast nur noch über unsere neue Platte", gibt der Malky-Frontmann zu Protokoll.

Das ist erst mal nichts Ungewöhnliches; in Leipzig quasseln handgeschätzte 1000 Musiker über ihre neuesten Projekte. Bei Malky fallen allerdings die Gesprächspartner aus dem Rahmen: Die Promotour führte Sänger Stoyanov und seinen Kompagnon, den Produzenten Michael Vajna, quer durch Deutschland; das Malky-Debüt "Soon" war CD der Woche unter anderem bei N-Joy, Radioeins und Deutschlandradio Kultur, eine große Berliner Tageszeitung nennt das Album "eine kleine Sensation".

"Wir sind wohl ein Geheimtipp, das macht uns sehr stolz." Eine Band am Ziel oder nur an einer Station auf der Reise? Das wird sich zeigen, aber klar ist: Stoyanov und Vajna waren viel unterwegs. Vor drei Jahren kamen die beiden aus der Mannheimer Gegend nach Leipzig.

Im Rheinland erlernten die Musiker ihr Handwerk, Vajna bei einer Reggaeband, Stoyanov als Sänger einer Stadtfestcombo ("das war wie ein Studium") und im Chor größerer Acts. Zusammen haben sie als Songschreiber gearbeitet - für Stars und Sternchen wie Xavier Naidoo, Roman Lob oder Cassandra Steen. Dann der Cut. "Ich wollte die besten Jahre für einen Popmusiker nicht als Dienstleister verbringen." Also ab nach Leipzig, zu den niedrigeren Mieten, dem "tollen kulturellen Hintergrundrauschen". Ein Wohlfühlfaktor für den gebürtigen Bulgaren, der mit vier nach Deutschland kam, ist hier das Unfertige. "Vor ein paar Wochen war ich in Sofia, und überall waren die Straßen aufgerissen." Kennt man auch in Leipzig.

"Die Stadt war für das Album sehr wichtig", sagt der Sänger, "Leipzig atmet anders. Entspannter." Gut für die eindringlichen Soulpop-Nummern von Malky. Die haben auch eine Reise hinter sich. Am Anfang steht der Spaß: "Wir jammen zusammen, bis Struktur und Melodie stehen." Die Rohaufnahme nimmt Stoyanov mit nach Hause; sucht nach dem verborgenen Gefühl in der Tiefe des Klangs, sammelt Gedanken, schreibt Wortlisten - ein Text entsteht. Während dessen tüftelt Vajna am Sound. Wenn Stoyanov über die Arbeit bis zum fertigen Song redet, fallen Worte wie Stringenz, Seriosität und Handwerk. Er merkt, wie das klingt und grinst: "Gut, dass wir in Deutschland sozialisiert sind."

Der Kampf mit dem Detail hat sich gelohnt, auf "Soon" sitzt jedes Detail - das große Kino mit Streichern und Kinderchören ("Historie Of Broken Hearts") funktioniert genauso wie der blubbernde Synthiepop ("Whose Order") oder die Akustik-Gitarren-Nummer ("Human Love"). Fein für Nerds: Bei jedem Durchhören guckt eine weitere Frickelei aus dem fetten Sound heraus; hier ein Klatschen, dort ein Pfeifen, ganz da hinten noch ein Hall -

Für die Nicht-Nerds singt Daniel Stoyanov seine Melodien, als gebe es kein Morgen. Das geht ins Ohr und trifft ins Herz - ist meist eingängig und doch kein Mainstream. Teufelszeug! Nach der Lohnschreiberei für Bravo-Bubis wollte Daniel Stoyanov Musik machen, die "vor meinen Enkeln noch Bestand hat". Das sollte locker klargehen.

Interessanterweise haben Malky am Meisterwerk und dessen Live-Präsentation über drei Jahre in Leipzig weitgehend unerkannt gearbeitet. "Wir haben hier nicht oft gespielt", bestätigt Stoyanov. Eine Support-Tour von Laing ("Morgens bin ich immer müde") führte sie ins Werk 2, ein sehr früher Gig vor Jahren in den Westflügel. Im Herbst endet dann erneut eine Reise an der Pleiße: Malky beschließt eine zweiwöchige Tour im Täubchenthal.

Malky, "Soon", ist bei Eighty Days/Rough Trade erschienen; Konzert am 3. Oktober im Täubchenthal (Wachsmuthstraße 1)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.07.2014
Uwe Schimunek

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