Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Der Hut der Mafiosi ist Geschichte
Nachrichten Kultur Der Hut der Mafiosi ist Geschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:24 13.03.2018
Der italienische Kulthersteller Borsalino ist pleite. Quelle: dpa
Berlin

Es gibt Legenden, die trägt man auf dem Kopf. Napoleon seinen quer getragenen Zweispitz, Captain Jack Sparrow seinen speckigen Dreispitz, Abraham Lincoln seinen hohen Zylinder. Und jeder anständige Mafioso trug einen Borsalino. Jetzt ist der Nachschub an Borsalinos auf das schwerste gefährdet: Die Firma Borsalino hat Insolvenz angemeldet.

Hüte von Borsalino haben nicht zuletzt Filmgeschichte geschrieben. Humphrey Bogart trug in „Casablanca“ selbstverständlich einen solchen Hut, als er in der Schlussszene zu Ingrid Bergman sagte: „Uns bleibt immer Paris“. Und Alain Delon wäre ohne Borsalino in „Der eiskalte Engel“ als mordender Samurai längst nicht so bedrohlich gewesen. Ganz zu schweigen von Indiana Jones, der stets einen solchen Hut trug, wenn er auf die Suche nach der Bundeslade oder dem Heiligen Gral ging. Harte Männer auf der Leinwand ohne Borsalino – kaum vorstellbar. Und das galt auch für die Zeiten, als Hüte zumindest in Deutschland als spießig und muffig galten.

Humphrey Bogart trug einen Borsalino in „Casablanca“.

Giuseppe Borsalino gründete seine Hutfabrik 1857 in Alessandria, einer Industriestadt in der Nähe von Turin. In den Glanzzeiten stellte das Unternehmen 750 000 Hüte pro Jahr her, aus Hasen- und Kaninchenfell, die Luxuseditionen sogar aus Biberpelz. Viel Handarbeit steckte in den edlen Kopfbedeckungen, die Hüte waren wasserabweisend und leicht. Zuletzt verließen jährlich nur noch 200 000 Hüte die Fabrik in Alessandria, weitere 200 000 wurden in Lizenz von anderen Herstellern gefertigt.

Die Borsalino-Boutique in Rom. Quelle: dpa

Hüte galten seit den 1960er Jahren hierzulande als Relikt aus der bleiernen Adenauer-Zeit. Alte Männer trugen noch Hüte, wer sich als Jüngerer mit einem Hut auf dem Kopf auf der Straße sehen ließ, hatte zumindest bei seinen Altersgenossen schon verloren. John F. Kennedy wurde als erster US-Präsident barhäuptig vereidigt _ und konnte man sich Elvis Presley mit Hut vorstellen - natürlich nicht. Als dann auch noch die Baseball-Kappe zum Mützen-Standard wurde, ging es den Hutmachern immer schlechter - bis der Hut eine unerwartete Rückkehr in die Modewelt erlebte. Vor allem der Trilby, wie ihn zum Beispiel Roger Cicero trug, wurde von zehn, zwölf Jahren Aber die Klassiker von Borsalino blieben auf der Strecke. Das war 1882, zwei Jahrzehnte später begannen auch Männer, den Fedora zu tragen. Und was für Männer: Bei etablierten Mafiosi in den USA wurde es Mode, zum Maßanzug einen Fedora zu tragen. Al Capone soll zwei Dutzend in verschiedenen Farben besessen haben. Als man ihm schließlich Steuerhinterziehung nachweisen konnte und er für elf Jahre im Gefängnis landete, musste der ehemalige König von Chicago mit einer Schirmmütze vorlieb nehmen.

Gangster gibt es natürlich immer noch, aber sie tragen keinen Borsalino mehr. Viel zu auffällig einerseits. Und andererseits irgendwie antiquiert. Wer heute noch einen Borsalino auf dem Kopf hat, outet sich zwar als modebewusst, aber im konservativen Sinne. Weil der Borsalino nicht nur ein Hut, sondern auch ein Stück Weltanschauung ist. Ein edles Teil, ausgesprochen teuer, langlebig und zeitlos - das widerspricht dem Diktat der jährlich mehrfach wechselnden Moden. Ein Borsalino-Träger besitzt eine Kopfbedeckung, die irgendwann ein Fall für den Nachlassverwalter wird, wenn sie richtig behandelt und gepflegt wird.

Aber jetzt ist der Hersteller pleite, der Borsalino ist Geschichte, wenn sich nicht in letzter Sekunde noch ein Investor findet. Eigentlich sollten sich alle Borsalino-Träger weltweit zusammenschließen, um eine Auffanggesellschaft zu gründen. Ein Hut aus einer Firma, an der man selbst beteiligt ist: Das hätte fast so viel Charme wie ein Fedora.

Von Jürgen Feldhoff

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ziemlich beste Freunde in Deutschland: In „Dieses bescheuerte Herz“ (Kinostart am 21. Dezember) muss ein verwöhnter Arztsohn einen todkranken Jungen betreuen. Für Regisseur Marc Rothemunf scheint die Läuterung von Elyas M’Barek oberste Priorität zu haben.

20.12.2017

Wenn Teenies von Videospielen eingesaugt werden, und in völlig andergearteten Avataren Abenteuer bestehen müssen: Jake Kasdan hat mit „Jumanji – Willkommen im Dschungel“ (Kinostart am 21. Dezember) ein knallkomisches Weihnachtsvergnügen für die ganze Familie gedreht.

20.12.2017

Frauenpower wie noch nie in „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Kinostart: Donnerstag, 14. Dezember). Außer Daisy Ridley mischen noch einige andere Heldinnen im Überlebenskampf des Widerstands gegen das neue Imperium mit. Darüber hinaus ist die neueste Ausgabe des Science-Fiction-Märchens gewöhnungsbedürftig. Die Macht war nicht immer mit Regisseur Rian Johnson.

13.12.2017