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Ein Zauber flirrt durchs Sommertheater: „Der blaue Vogel“ im Grassi-Innenhof

Schauspielschüler Ein Zauber flirrt durchs Sommertheater: „Der blaue Vogel“ im Grassi-Innenhof

Die traditionelle Sommerinszenierung mit den Schauspiel-Absolventen des zweiten Studienjahres der HMT „Felix Mendelssohn Bartholdy“ im Hof des Grassimuseums nimmt sich dieses Jahr Maurice Maeterlincks „Der blaue Vogel“ an. Am Freitag gab es die Premiere.

Blaue Vögel: Sommertheater der Leipziger Schauspielschüler im Innenhof des Grassimuseums.

Quelle: Tom Schulze

Leipzig. Ein Lied schlafe in allen Dingen, die da träumen, fort und fort. Weshalb, so postuliert es die romantische Imagination ja spätestens seit Eichendorff, die Welt zu singen beginne, treffe man nur das Zauberwort. Ein Unterfangen, dem sich auch der Dichter, Dramatiker und Literaturnobelpreisträger Maurice Maeterlinck (1862 bis 1949) widmete. Und das vielleicht tatsächlich am Gelungensten mit „Der blaue Vogel“. Einem Stück, dem sich in diesem Jahr die traditionelle Sommerinszenierung mit den Schauspiel-Absolventen des zweiten Studienjahres der HMT „Felix Mendelssohn Bartholdy“ im Hof des Grassimuseums angenommen hat. Am Freitag gab es die Premiere (Regie: Maik Priebe).

Symbolistisches Kunstmärchen zwischen romantischer Imagination und surrealer Phantasmagorie: Von der Fee Berylune bekommen die Geschwisterkinder Mytyl und Tyltyl den Auftrag, nach dem geheimnisvollen blauen Vogel zu suchen, der allein Berylunes kranker Tochter das Leben retten könne. Es ist der Beginn eines Abenteuers, in dem ein Jahr wie im Schlaf verstreicht und das die Kinder ins Land der Erinnerung genauso treibt wie in den Palast der Nacht oder die Gärten des Glücks. Begleitet werden sie dabei, außer von Hund und Katze, die sich zumal untereinander ganz wie Hund und Katze aufführen, noch von so unentbehrlichen Freunden wie Feuer (ziemlich aktionistisch) und Wasser (ziemlich weinerlich), Brot (rund, braun, leicht einfältig) und Zucker (süß natürlich und im wienerischen Idiom sprechend), Milch (eher etwas säuerlich) oder, zwecks Erleuchtung in mehrfacher Hinsicht, vom Licht höchstpersönlich.

„Der blaue Vogel“ ist eine Féerie, die nicht nur in ihrer Phantasie, sondern auch sprachlich üppig auslädt. Eine gewisse Opulenz, um nicht Übergewichtigkeit zu sagen, ist da nicht ganz von der Hand zu weisen. Allerdings ist es eine Opulenz in Eleganz, der zugleich das lyrisch Melancholische, das sehnsüchtig Elegische alles andere als fremd ist.

Wuselnd, gruppendynamisch, energetisch

Was dieses Stück für ein Sommertheater nicht nur zur originellen, sondern mit Blick aufs Publikumsbedürfnis nach launig Leichtem, zur heiklen Wahl macht. Auch deshalb wohl hat Priebe inszenatorisch klug auf Reduktion gesetzt, das Lakonische forciert, den Humor zugespitzt.

So trägt ein Erzähler einfach vor, was das Stück an Kulissen (und Kulissenwechseln) einfordert, während das dem Stück eigene Theatermaschinen-Bohei insgesamt auf kleine und genau darin recht reizvolle Effekte reduziert ist. Passend heutig dazu die Kostüme, wobei es nie viel bedarf, sie aus diesem „Heutig“ ins Phantastische changieren zu lassen (Bühne, Kostüme: Susanne Maier-Staufen).

Darstellerisch ist das insgesamt einmal mehr von jener wuselnden, gruppendynamisch energetischen Art, die auch über Schwächen gelassen hinwegsehen lässt. Was nicht heißen soll, dass hier nicht auch Glanzstücke aufleuchten, berührende Momente zumal. Nur, dass es jetzt einfach mal nicht ums Qualitätsranking innerhalb der Ensembleleistung gehen soll, sondern schlicht um das, wovon ja auch dieses Stück erzählt: von jenem Zauber, der in der Imagination zu finden sein kann – und das heißt ja gerade auch in der Kunst, im Theater. Und wenn dann all diese jungen Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Bühnenwelt mit Billy Joels „And So It Goes“, geboten im guten, alten The-King’s-Singers-Stil, zum Klingen bringen, ist er tatsächlich plötzlich spürbar: eben genau jener, heute zunehmend rare, aber offensichtlich immer noch existente Zauber. Dass der just in einer studentischen Sommerproduktion flirrt, ist dabei wenig überraschend.

Weitere Aufführungen von „Der blaue Vogel“ von Dienstag bis Sonntag, jeweils 20 Uhr, Grassi-Innenhof (Johannisplatz 5-11), Restkarten für 15/7,50 Euro jeweils ab 18.30 Uhr (Warteliste)

Von Steffen Georgi

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