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Kultur Ein gewisser Heimspielcharakter: Von Eden am Freitag im Täubchenthal
Nachrichten Kultur Ein gewisser Heimspielcharakter: Von Eden am Freitag im Täubchenthal
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02:25 30.01.2015
Einfach fünf Freunde, die Musik machen: Philipp Rohmer, Nicolai Ziel, Christoph Letkowski, Matthias A. Preisinger und Thomas Moked (von links). Quelle: Kristin Keller
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Fast 1,5 Millionen Kinobesucher haben 2013 zugeschaut, als Letkowski - Schauspielertyp: verträumt und niedlich, doch bei Bedarf mit Leiche im Keller - in die Rolle des Pflegers Robin schlüpfte und der fiktiven Helen an der Gitarre romantische Zeilen dichtete. "Das Beste an mir, das sind wir - deinetwegen."

Aber dieser "kleine Erfolg", wie Letkowski die Klickzahl anderthalb Jahre später nennt, muss auch daran liegen, dass einen das zauberhafte Lied für drei Minuten mit der Welt versöhnt: sehnsuchtsvolle Melodie, dynamisch arrangiert - ein Ohrwurm. "Ein Liebeslied, in dem auch ein Teil von mir selbst steckt", sagt der Sänger. Philipp Rohmer gibt dem Stück mit seinem Kontrabass zu Matthias A. Preisingers Geige einen Hauch von Kammerpop, findet allerdings, "dass es nicht unbedingt von romantischer Liebe handelt". Eine Anhängerin habe ihnen geschrieben, dass sie aus der Refrainzeile eine Tätowierung gemacht habe: neben dem Fußabdruck ihres Kindes.

Letkowski und Rohmer kennen sich aus ihrer Studienzeit an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater. Letkowski, jetzt 32, ließ sich hier zwischen 2002 und 2006 zum Schauspieler ausbilden, und als er im zweiten Studienjahr beim studentischen Sommertheater als John Fryer auf der Bounty meuterte, zupfte Rohmer dazu den Bass. Rohmer, 33, legte 2010 mit Stücken des Spaghetti-Western-Komponisten Ennio Morricone sein Diplom als Musiker ab. Er hat sich in Leipzig mit Bands wie Lu:v, dem Evgeny Ring Quartett oder der Spielvereinigung Sued einen Namen gemacht.

Im Sommer 2013 haben sich die Wege der beiden wieder gekreuzt - nicht zufällig kurz vor dem Kinostart der "Feuchtgebiete". Mit Ilker Aydin, dem ärztlichen Berater des Filmteams, hatte Letkowski in den Drehpausen "Land in Sicht" und andere Lieder geschrieben. Im Tonstudio stießen Rohmer, Preisinger und Schlagzeuger Nicolai Ziel hinzu - die Geburtsstunde der Band Von Eden. Mittlerweile konzentriert sich Aydin zwar wieder auf seinen Arztberuf, aber an seiner Stelle eröffnet seit Sommer 2014 der israelische Multiinstrumentalist Thomas Moked neue klangliche Möglichkeiten: Der Gitarrist ist beispielsweise auch an der Bouzouki ein Virtuose.

Noch im Frühjahr soll das Debüt­album erscheinen, zurzeit laufen Verhandlungen mit Plattenfirmen. Material ist genug vorhanden - nur kennen bislang nur Eingeweihte mehr als eben die "Feucht­gebiete"-Single. Es ist daher schon mutig, gleich mal auf eine kleine Deutschlandtour zu gehen. Helfen könnte freilich, dass Letkowskis hübsches Gesicht zurzeit häufig durchs Fernsehbild huscht. An der Berliner Volksbühne, wo er von 2007 bis 2011 zum Ensemble gehörte, spielt er dagegen nur noch sporadisch.

Von Eden hängen die Bekanntheit ihres Sängers im anderen Metier jedoch nicht an die große Glocke. "Wir sind ja nicht Axel Prahls Inselorchester", sagt Rohmer (in dem übrigens Bandkollege Ziel trommelt). Soll heißen: "Wir sind nicht Christoph Letkowski und Band." Sagt Christoph Letkowski. "Sondern einfach fünf Freunde, die Musik machen."

Ebenso hilfreich dabei, heute das Täubchenthal zu füllen, könnte der gewisse Heimspielcharakter des Auftritts sein. Rohmer lebt sowieso hier, doch auch Letkowski spricht von "totalen Heimatgefühlen", seit er Anfang der Woche auf Leipzig-Besuch war. Davor hatte ihn zuletzt ein "Soko Leipzig"-Dreh in die Stadt geführt. "Ich habe das Publikum hier immer als eines erlebt, das sich für Neues interessiert und gute Stimmung macht", sagt er. Für Rohmer, den Leipziger, ist es gleichwohl "peinlich, dass hier die deutschlandweit zweitgrößte Menschenansammlung gegen das Hirngespinst einer Islamisierung auf die Straße geht".

Und das kurzfristig ausgerechnet am Abend des Von-Eden-Konzerts. Statt Feindbilder zu pflegen, empfiehlt Letkowski ins Täubchenthal zu gehen und sich ein paar Tage später Züli Aldags neuen Film "300 Worte Deutsch" anzusehen, der kommende Woche Bundesstart hat. Letkowski spielt darin Christoph Maria Herbsts Neffen, und der wiederum den resoluten Beamten einer Ausländerbehörde. Der Sachbearbeiter hält sich für "die Speerspitze des Abendlandes" - bis seiner Familie in Person der Deutschtürkin Lela (Pegah Ferydoni) ein ungeahntes Land in Sicht gerät ...

Von Eden, davor Karl die Große, Freitag, 20 Uhr, Täubchenthal (Wachsmuthstraße 1), Abendkasse 10 Euro.

Verlosung von 3x2 Freikarten: Freitag, 30. Januar, 14 Uhr, unter 01805 218111.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.01.2015

Mathias Wöbking

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