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Eine Art Photosynthese: Leipziger Trio A Forest mit Debütalbum im Täubchenthal

Eine Art Photosynthese: Leipziger Trio A Forest mit Debütalbum im Täubchenthal

Um mal ganz allgemein anzufangen: Man weiß es ja, der Wald, das ist mehr als eben nur "der Wald". Das ist ein Mythen- und Märchenort, ein Imaginations- und Inspirationsraum.

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Höchst interessanter Leipziger Klangorganismus: Friedemann Pruss, Arpen und Fabian Schuetze (von links), zusammen A Forest.

Quelle: Toni Propeller

Ein Licht-Schatten-Refugium gerade auch des Irrealen, des Traumhaften.

Und wenn sich nun die zwei Leipziger Musiker Arpen und Fabian Schuetze, solistisch als Singer-Songwriter ja wahrlich keine ganz Unbekannten mehr, mit einem Dritten im Bunde, dem Schlagzeuger Friedemann Pruss, zu einer Band vereinen und dieser den Namen A Forest geben, klingt das auch wie eine Programmatik, vielleicht sogar wie ein Versprechen.

Als Einlösung des selbigen lässt sich jetzt das A-Forest-Erstlingswerk durchaus hören. "Grace" heißt die CD, und so klar rhythmisch und natürlich pulsierend die Klänge darauf gewachsen scheinen, schwingt in ihnen zugleich die Anmutung von eben etwas diffus Traumhaftem.

Und auch deshalb mag man sich, selbst wenn es kein sonderlich origineller Einstieg ins Gespräch mit Arpen und Schuetze ist, die Frage nicht verkneifen: Was er für sie denn sei, dieser Wald, aus dem hier die Songs wachsen? "Ein Meta-Ort, eine Enklave", antwortet Schuetze: "Was Organisches, klar. Aber organisch vor allem im Sinne eines Veränderns." Die Songs, fügt Arpen hinzu, wüchsen "aus dem eigenen Unterholz, durchaus selbstreflexiv", aber immer sind da auch die "Geschichten innerhalb der Geschichten".

"Vom Grundverständnis her sind wir ja zwei Solokünstler, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen", so Schuetze. Dabei jeweils vom anderen die Fähigkeiten zu nutzen, "komponieren als latenten Dialog" (Arpen) zu begreifen, bereitete die Basis, auf der sich diese "unterschiedlichen Richtungen" annähern und ineinanderfließen. Oder, um im semantisch korrekten Biotop zu bleiben, sich kreuzten, aus den Gewächsen des Hip Hop und Singer-Songwriting.

Was allerdings verkürzte Zuschreibungen sein mögen, ob all der diversen Einsprengsel, die auf "Grace" irrlichtern. Aber wie immer, wenn ein bestimmter Grad künstlerischer Autonomie erreicht ist, sind eben genau derlei Stil- Zuschreibungen nebensächlich. Etwas, das man getrost den Kritikern überlassen kann. Wichtig vielmehr ist, wie aus diesen diversen Inspirationswurzeln hier tatsächlich ein ganz eigener organischer Sound erstanden ist.

Und zwar interessanterweise im Beschneiden. "Reduktion" ist das Wort, das immer wieder fällt. Reduktion und Kompaktheit. Was man alles raushielt aus diesen Songs. In den Texten gebe es "keine Autos, E-Mails, keine Handys", erzählt Schuetze, und entsprechend rigoros frei von Überflüssigkeiten ist dann auch die Musik. Die Komplexität, die wiederum in dieser Einfachheit liegt, sollte man nicht unterschätzen. Sie ist ein schönes Beispiel für das Paradox einer nuancenreichen Reduziertheit.

30 kompakte Minuten erklingt die auf "Grace". Eine CD, deren Entstehungsprozess die Beteiligten seit Beginn des Jahres im Internet transparent gemacht haben. Es ging ihnen um den Versuch, Musik auf anderen, neuen Wegen zu kommunizieren. Schuetze: "Wir wollten die Leute teilhaben lassen. Nicht nur am Produkt, auch am Prozess. Die Möglichkeit bieten, dem beizuwohnen, wie ein Song sich entwickelt, wächst. Einblicke geben, wie so etwas vonstatten geht."

Und gerade auch dabei, ergänzt Arpen, diesen Zustand herstellen: eines "Senden und Spüren, das empfängt jemand". Musik als Kommunikationsform weiter - und tiefer auch gedacht. Ein Dialogangebot im Imaginations- und Inspirationsraum, dessen etwaige Trennwände somit durchlässiger werden. Diese Trennwände zwischen Künstler und Rezipient aufhebend in - um grad noch mal im Bild zu bleiben - einer Art Photosynthese. Dass "Grace" dabei nur einen ersten Schritt ins Forest-Terrain markiert, bleibt zu hoffen.

A Forest, davor Nicolas Huart, Donnerstag, 20 Uhr, Täubchenthal (Wachsmuthstraße 1), 12 Euro. "Grace" (Vinyl, CD, Down­load): analogsoul.de und iamaforest.com

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.10.2014

Steffen Georgi

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