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Eine Stadt im Chaos: Panorama zur Völkerschlacht ab August im Panometer Leipzig

Eine Stadt im Chaos: Panorama zur Völkerschlacht ab August im Panometer Leipzig

Leipzig. Pünktlich zum Jubiläumsjahr der Völkerschlacht präsentiert der Panoramakünstler Yadegar Asisi sein neues Rundbild. Auf 3500 Quadratmetern zeigt es die Stadt Leipzig unmittelbar nach Ende der Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege am 19. Oktober 1813. Am Montag nahm er sein Werk zum ersten Mal in voller Größe in Augenschein.

Ab dem 3. August können Besucher dann selbst in den Tag eintauchen, als Napoleon aus Leipzig flüchtete und eine gebeutelte Stadt hinterließ.

Dreieinhalb Minuten braucht Yadegar Asisi, um die 111 Meter lange bedruckte Stoffbahn zu entfalten, bis sich beide Enden berühren. Noch ist der Turm der Thomaskirche verknittert, auch das Licht stimmt noch nicht so ganz, aber es lässt sich schon erahnen, welche Pracht und welches Elend in diesem gigantischen Wimmelbild stecken. „Das wird räumlich fulminant“, entfährt es dem 57-Jährigen, als er sein neues, 32 Meter hohesWerk erstmals im Original begutachtet.

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Berlin. Das Mauer-Panorama am Berliner Checkpoint Charlie hat seit seiner Eröffnung im September 2012 rund 230.000 Besucher angezogen. Das Panorama des Künstlers Yadegar Asisi in einer Stahlrotunde am symbolträchtigen Ort des Kalten Krieges soll voraussichtlich bis Ende 2014 zu sehen sein. In Leipzig ist Asisis Panorama zur Völkerschlacht "Leipzig 1813" zu sehen.

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Obwohl man es dem gebürtigen Wiener nicht anmerkt, gesteht Asisi, dass er aufgeregt ist. Nachdem er einzelne Details noch einmal unter die Lupe nimmt, atmet er erleichtert auf: „Hier entwickelt man über Jahre etwas und weiß die ganze Zeit nicht, ob die Rechnung aufgeht.“

Die Wirrungen der Völkerschlacht auf 3500 Quadratmetern

Von einer 15 Meter hohen Aussichtplattform in der Mitte des Panometers blickt man auf eine Stadt im Chaos. Der Betrachter befindet sich auf dem Dach der Thomaskirche, unter ihm herrschen Durcheinander und Aufruhr. Napoleon flieht auf einem Schimmel mit seinen Truppen gen Westen. In offenen Lazaretten liegen zahllose Verwundete, am Horizont sind die brennenden Dörfer des Umlands zu erkennen.

Yadegar Asisi war es wichtig, die Völkerschlacht aus der Perspektive der Leipziger Bürger zu betrachten: „Ich bin kein großer Fan von Schlachtenabbildungen.“ Deswegen stehe auch die Bevölkerung im Mittelpunkt, die sich, wie er erklärt, den Kriegswirrungen nicht entziehen konnte: „Die Schlacht war für die Stadt höchstwahrscheinlich eine kurze Episode. Aber es folgte eine sehr, sehr lange Periode, bis sie sich davon wieder erholt hat.“

In seinem neuesten Werk porträtiert Asisi die Stadt, in der er groß geworden ist. „Über das Panorama konnte ich Leipzig auf eine ganz andere Art und Weise entdecken, als ich es als Kind konnte.“ Er möchte, dass auch die Leipziger durch das Rundbild einen anderen Zugang zu ihrer Stadt bekommen und verspricht: „Man geht rein und hat in kürzester Zeit eine Vorstellung von einem sehr komplexen Thema. Dann wird man auch mit anderen Augen durch diese Stadt gehen.“

Nur noch ein paar Handgriffe

In den kommenden Tagen bekommt das Panorama seinen letzten Schliff. Derzeit feilt der Künstler noch an den Soldatenliedern für die Hintergrundgeräusche. Wie bei anderen seiner Werke werden Sounds und Lichteffekte für Authentizität sorgen. Asisi hat sich auch selbst in seinem Kunstwerk verewigt. Er steht in einem ausgebrannten Dach und zeichnet den Thomaskirchhof.

Etwa 400 Menschen wurden für das Panorama in historischen Kostümen fotografiert – für Asisi war das die größte Herausforderung. Helmut Börner vom Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813 entwickelte die Szenen und verkörpert auf dem Bild auch selbst verschiedene Figuren. Unter anderem schlüpfte er in die Rolle des in gelb gekleideten Postillons Johann Gottfried Gabler, der Napoleon aus der Stadt begleitete. „Ich habe das Panorama von der ersten Skizze an erlebt und damit, wie es sich entwickelt hat, bin ich mehr als zufrieden“, freut sich der 50-Jährige. Sein zehnjähriger Enkel Heinrich Franke ist ebenfalls auf dem Rundbild zu sehen. Der Schüler könnte sich gut vorstellen, im 19. Jahrhundert zu leben. „Die meisten Leute haben damals wenig gebadet“, weiß er.

Die Begleitausstellung, für die Helmut Börner ebenfalls zuständig ist, widmet sich der blühenden Handelsstadt Leipzig am Vorabend der Völkerschlacht. Gezeigt wird unter anderem eine originale Kniehebel-Druckerpresse aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch ein Musterbuch einer Strohhut-Manufaktur mit etwa 300 verschiedenen Flechtmustern wird zu sehen sein.

Gewinnspiel: LVZ-Online-Leser erhalten die einmalige Möglichkeit, die feierliche Eröffnung des Panoramaprojektes „Leipzig 1813“ am 2. August mitzuerleben. Die Veranstaltung ist nur für geladene Gäste. Weitere Informationen finden Sie hier.Weitere Informationen zu Asisis Panoramen finden Sie in unserem Special.

Felix Forberg

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