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"Eine wunderbare Stadt" - Richard von Weizsäcker wird in Leipzig ausgezeichnet

"Eine wunderbare Stadt" - Richard von Weizsäcker wird in Leipzig ausgezeichnet

Er genießt höchstes Ansehen als geistige und moralische Autorität: Richard von Weizsäcker, von 1981 bis 1984 Bürgermeister Berlins und bis 1994 zehn Jahre lang Bundespräsident.

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Erhält den Mendelssohn-Preis 2013: Richard von Weizsäcker.

Quelle: dpa

Leipzig. Morgen Abend erhält er den Internationalen Mendelssohn-Preis Leipzig in der Kategorie "Gesellschaftliches Engagement" - neben dem Sänger Thomas Hampson (Kategorie "Musik") und dem Maler Markus Lüpertz ( "Bildende Kunst"). Wir besuchten den 93-Jährigen zuvor in Berlin.

Richard von Weizsäcker:

Zum Wahlausgang werden Sie mich aber nichts fragen ...

Das hatte ich vor.

Dazu möchte ich offiziell nichts sagen, das sollten andere tun. Reden wir lieber über Leipzig.

Gut. Nicht jeder, der den Mendelssohn-Preis bekommt, hat eine enge Verbindung zum Komponisten. Haben Sie eine?

Sein Violinkonzert beispielsweise kenne ich selbstverständlich. Was Mendelssohn insgesamt geschaffen hat, ist eine unvergleichlich glückliche Hinterlassenschaft - für die Welt und gerade für die Bevölkerung der Stadt Leipzig, die ja ihrerseits ein Unikum sondergleichen ist.

Weshalb?

Weil Leipzig nicht wie manch andere Stadt durch reiche und bedeutende Firmengründer zu Bedeutung gekommen ist, sondern durch die Lebendigkeit und Impulse großer Teile der Bürgerschaft. Das lebendigste Beispiel ist die Buchmesse. Da wird ganz Leipzig zu einer Stadt des Lesens. Da ist die besondere Aufmerksamkeit, der Kenntnisreichtum, ein besonderer Geist deutlich zu spüren - wie nirgendwo anders. Eine wunderbare Stadt.

Sie haben hier unter anderem Werner Heisenberg kennengelernt, bei dem Ihr Bruder Carl Friedrich Physik studierte.

Ja, er war mit 27 Jahren Professor für Physik und schon Nobelpreisträger. Mir hat er aber in erster Linie besseres Pingpong-Spielen beigebracht.

Sie haben in Ihrem Leben unglaublich viele Preise und Ehrentitel bekommen. Kann da eine neue Auszeichnung noch etwas Besonderes sein?

Oh ja, der Mendelssohn-Preis lässt manche anderen Preise in den Hintergrund treten.

Wegen Ihrer Sympathie für Leipzig?

Wegen der Idee, wie der Preis konzipiert ist. Die Aufteilung in Musik, Bildende Kunst und Gesellschaftliches Engagement. Allesamt entscheidende Komponenten, die die Menschen zusammenführen.

Nochmal zur Musik: Fällt Ihnen ein Stück ein, das Sie als lebensbegleitend bezeichnen würden?

Das kann ich schwer aussortieren. Musik hat mich immer begleitet. Im Werk von Händel fühle ich mich sehr zu Hause. Ähnlich geht es mir mit Bach.

Sie werden stets auf Ihre Rede von 1985 angesprochen, in der Sie den 8. Mai 1945 nicht als Tag der Kapitulation, sondern als Tag der Befreiung bezeichnet haben. Fühlen Sie Ihre Amtszeit als Bundespräsident auf diese Rede reduziert?

Nein. Es ist nun mal ein zentrales Thema, das mich auch persönlich immer beschäftigte. Wir wissen, welche schrecklichen Schicksale der Krieg verursacht hat, in unzähligen Ländern wie auch bei uns Deutschen. Das waren Schicksale, die uns mit den Nachbarn in Europa verbunden haben, die uns kaum ertragen konnten. Ich wollte das Bewusstsein darauf lenken, dass das Ende des Zweiten Weltkriegs die Befreiung vom Nationalsozialismus, vom Holocaust, die Befreiung des eigenen Geistes war. Und wir uns das stets vor Augen führen sollten.

Sie haben 1999 konstatiert: "Die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht." Später wurde ernsthaft diskutiert, ob dieses Statement verfassungsfeindlich sei. Können und konnten Sie das nachvollziehen?

Der Satz ist interpretationsbedürftig. Er sollte nie aus dem Zusammenhang gerissen werden. Fest steht: Die Parteien müssen verständlich machen, was Demokratie bedeutet. Sie dürfen ihre Macht nicht für eigene Zwecke missbrauchen.

Der Satz behält also seine Gültigkeit?

Blicken wir nur auf die aktuellen Verhältnisse im nördlichen Afrika. In Ägypten steht mit Mursi jemand unter Arrest, der einen demokratischen Sieg errungen hatte. Der aber durch offensichtlichen Missbrauch seiner Aufgaben als Präsident starken Widerstand in der Bevölkerung provoziert hat.

Glauben Sie an den Fortschritt der Menschheit durch Lernen aus Fehlern?

Ich fürchte, das wäre eine Überschätzung von Lern- und Erinnerungsfähigkeit. Es werden viele historische Ereignisse gelehrt, um etwas für die Zukunft verstehen zu können. Doch die Mehrheit ist vor allem mit aktuellen Problemen beschäftigt. Für junge Menschen von heute ist es schwer nachzufühlen, was wir vor vielen Jahrzehnten mit eigenen Augen gesehen haben.

Abraham Lincoln soll gesagt haben: "Willst Du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht." Würden Sie das unterzeichnen?

Es gibt Leute in sehr hohen Positionen, von denen man insgeheim denkt: Man sollte ihm alles geben - bloß keine Macht.

Richard von Weizsäcker erhält den Mendelssohnpreis im Rahmen einer Gala morgen, 19 Uhr, im Gewandhaus. Karten (20 bis 70 Euro) unter Telefon (0341) 127 02 80.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.09.2013

Mark Daniel

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