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Kultur Einfach nur da sitzen: Das Treiben auf der Leipziger Buchmesse
Nachrichten Kultur Einfach nur da sitzen: Das Treiben auf der Leipziger Buchmesse
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19:11 13.03.2015
Einfach treiben lassen - als Cosplayer dann eben im Tigerkostüm. Quelle: dpa

Ein Mann trinkt Espresso, ein anderer liest Zeitung. Behutsam schlägt eine Frau ein Buch auf - wie einen Schatz. In Hörweite trommelt jemand, Pärchen posieren fürs Foto, Schüler rennen vorbei, zwei Mädchen machen etwas mit Smartphones. Und kichern.

Dies könnte ein Markplatz sein, überall. Es ist aber das Treiben in den Buchmessehallen in Leipzig. Von irgendwoher hört man hier immer Applaus. Wo Applaus ist, beginnt gleich etwas Neues. Die Welt wäre wohl eine friedlichere, wäre dies ihre Geräuschkulisse, immer.

Geschäfte werden auf der Buchmesse in Frankfurt am Main gemacht, heißt es gern, und: In Leipzig wird gelesen. Passt ja: Dereinst war der Markt ein Handelsplatz, heute ist er ein Ort der Begegnung. Auch der unverhofften. Der Trommler im Koreanischen Pavillon übertönt ums Haar die Gesprächsrunde der Übersetzer im "Forum International". Da ist Amy Bloom schon um die Ecke verschwunden - für ein Foto mit den Fans. "Für wen ist das?", fragt sie noch misstrauisch. "Nur für mich." Die amerikanische Schriftstellerin hat gerade ihren Roman "Wir Glücklichen" vorgestellt, und fast alle Stühle waren besetzt - 10.30 Uhr, eine halbe Stunde nach Öffnung der Messehallen.

An den Leseforen informieren Displays über das Tagesprogramm. Unter einem klebt ein Zettel: "kein Touchscreen". Die neue Technik irritiert eben noch, auch hier, vor dem "Café Europa", wo es auf dem Podium gerade um den Versuch geht, "Europa von unten zu gestalten". Wem das nicht zusagt, der kann die paar Schritte hinüber ins "Österreich Kaffeehaus" gehen, wo Jirí Gruša liest.

Manche hören zu, andere wollen einfach nur hier sitzen - sind sozusagen pflastermüde vom Flanieren durch die Bücherwelt, die natürlich auch eine Welt der Reklame ist, der großen Worte, des Tamtam. Nötig bei so übergroßem Angebot. In dem immer wieder erfrischende Momente möglich sind, etwa wenn Sibylle Berg auf dem "Blauen Sofa" bestens gelaunt und durchaus ausführlich deutlich macht, wie man über Sex besser nicht schreiben sollte ("Ich tauchte in das Delta ihrer Grotte ein ...").

In der Glashalle ist das, gleich hinter dem Eingang. Wer so empfangen wird, taucht sicher neugierig in den Trubel dieses Marktplatzes ein, lässt sich treiben, ablenken, überraschen. Nur Zeit muss jeder selbst mitbringen.

Jemand trinkt Espresso, irgendwo gibt es Applaus. Ab und zu eilt ein Promi vorbei. Und Tausende schlagen ein Buch auf. Die Glücklichen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.03.2015

Janina Fleischer

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