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Eklat beim Eröffnungskonzert des Leipziger Bachfestes – Thomaner verlesen Brandbrief

Eklat beim Eröffnungskonzert des Leipziger Bachfestes – Thomaner verlesen Brandbrief

Thomasorganist Ullrich Böhme spielt auf der Bach-Orgel mit gewohnt beherrschter Virtuosität Bach. Oberbürgermeister Burkhard Jung begrüßt mit wohlgesetzten Worten Protokoll und internationale Bach-Gemeinde.

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Am Freitag in der Thomaskirche: Thomaskantor Georg Christoph Biller dirigiert Bachs Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme".

Quelle: André Kempner

Leipzig. Bach-Archiv-Direktor Christoph Wolff erklärt, was es auf sich hat mit dem Programm und der Vita Christi. So weit alles wie immer beim Eröffnungskonzert am Freitag in der Thomaskirche.

Doch dann treten zwei Thomaner ans Mikrofon, einer verliest einen Brandbrief. An klassischer Rhetorik geschult ist der, klug gebaut und von demagogischer Raffinesse. Nach gebührendem Dank fürs schöne Alumnat des berühmten Knabenchors, kippt der Tonfall ins Giftige, geht es um den Nachwuchs des Chores, den die eigene freie Grundschule vorbilden soll. Und darum, dass es bei deren Neubau klemmt. Will man eine Botschaft in die Welt senden, ist dies der richtige Ort. Mehr Öffentlichkeit als beim live und in Farbe auf den Marktplatz übertragenen Eröffnungskonzert geht kaum.

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Leipzig. Zum Leipziger Bachfest sind in diesem Jahr rund 65.000 Besucher aus 31 Nationen gekommen. Das seien knapp 10.000 Besucher weniger gewesen als im Vorjahr, teilte der Veranstalter am Sonntag mit. Es habe jedoch auch weniger Veranstaltungen gegeben als 2012. Mehr als 10.000 Musikliebhaber nutzten zudem den Live-Stream ausgewählter Konzerte im Internet.

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Indes: Von "den Politikern" ist da fortwährend die Rede, von "den Stadtvätern", Ross und Reiter bleiben ungenannt, das ganze Problem seltsam vage umrissen, aber, ist da zu hören, "wir haben gelernt, dass Politiker ihre Versprechen nicht halten müssen". Da kann Jung gar nicht anders, als noch einmal ans Mikro treten, um zu erklären, was nur den wenigsten im Raume sich erschließen mag. Immerhin nehmen die die Ansage mit, der Thomaner-Campus solle sogar zwei Grundschulen bekommen, eine private, eine städtische. Derweil versucht eine Fraktion im Publikum ihm den Mund zu verbieten. Ausgebuht wird das Stadtoberhaupt, überbrüllt, Unfreundliches ist zu hören. Spätestens ab hier ist dies ein denkbar unschöner Auftakt fürs dergestalt missbrauchte Bachfest: übler Stil, gewiss ein Bärendienst für die im Prinzip ja rundum gute Sache.

Immerhin zeigen die Thomaner, dass sie auch im 801. Jahr nach ihrer Gründung außergewöhnlich schön singen können. Bachs Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme" lässt Thomaskantor Georg Christoph Biller in kleiner Besetzung ganz vorne auf der Empore singen. Delikat klingt der Chor, weich, warm, beweglich, transparent, Klänge für die Ewigkeit. Die geerdet werden nicht nur vom interessanten Geigensolo, das im Duett "Wenn kömmst du, mein Heil?" vom ansonsten subtil spielenden Gewandhausorchester um Konzertmeister Conrad Suske beigesteuert wird, oder von den teilweise recht eigenwilligen Intonationsvorstellungen des Bassisten Matthias Vieweg. Doch Gesine Adler, Sopran, und Martin Petzold, Tenor, bringen die Sache an der Solistenfront wieder in Ordnung. In Mozarts Fassung von Händels Messias (1. Teil) kommen der fabelhafte Altus Matthias Rexroths und der sensationelle Knabensopran Johannes Hildebrandts hinzu. Dennoch macht auch dieser Händel-Mozart nicht glücklich.

Zwar lässt immer wieder die Spielkultur des Orchesters aufhorchen, beeindruckt der Silber-Klang der Thomaner. Aber erstens geht Biller die Chose doch sehr gemächlich an, und zweitens kommen den Bläsern Mozarts Beigaben offenhörlich so fremd vor, dass sie sie meist im Dauermezzopiano vor sich hin mulmen, auf dass sie möglichst niemand höre. Kurzum: auch musikalisch haben Bachfest schon würdiger begonnen. kfm

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.06.2013

Peter Korfmacher

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