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Emmerich lebt jeden Tag, als wäre es der letzte

Emmerich lebt jeden Tag, als wäre es der letzte

Roland Emmerich (53) ist der deutsche Hollywood-Spezialist für Katastrophen-Filme. In seinem neuen Werk „2012“ lässt er nach allen Regeln der Kunst die Welt untergehen - inspiriert von einer alten Maya-Prophezeiung.

Berlin. Die Menschheit wird von Monster-Tsunamis, gewaltigen Erdbeben und todbringendem Ascheregen aus verrückt spielenden Vulkanen dahingerafft. Doch für einige gibt es eine winzige Chance zu überleben. Wie er persönlich sich auf die Apokalypse vorbereiten würde und warum er findet, dass die Spezies Mensch zu wenig aus ihren Fehlern lernt, erklärte Emmerich in einem Interview.

„2012“ startet am Donnerstag in den Kinos. Wo möchten Sie sein, wenn die Welt am 21. Dezember 2012 tatsächlich untergeht?

Emmerich: „Ich würde gerne mit meiner Familie zusammen sein, mit den Menschen, die ich liebe, mit meinen besten Freunden. Ich denke, dann kann man sich gegenseitig unterstützen und vielleicht noch ein paar Sachen bereden. Ich glaube, das Wichtigste an unserem Dasein ist die Nächstenliebe.“

Was würden Sie bis zum Weltuntergang unbedingt noch erledigen wollen?

Emmerich: „Ich versuche, mein Leben so zu leben, als wäre jeder Tag der letzte. Weil ich weiß, dass jederzeit ein Laster kommen kann, der über mich drüber fährt. Von daher bin ich relativ fatalistisch. Auf der anderen Seite wünsche ich mir natürlich, so lange wie möglich noch Filme zu machen. Wenn ich wüsste, dass es zu Ende geht, dann würde ich wie Luther sagen: Ich mache noch einen Film. So wie er sagte, ich würde noch einen Baum pflanzen.“

Was für eine Art von Film müsste das dann sein?

Emmerich: „Ich mache zum Beispiel jetzt den Film, den ich schon seit acht Jahren als nächstes machen will. Er heißt „Anonymous“ und handelt von der Frage nach der Urheberschaft der Shakespeare-Texte. Das ist ein Film, der mir sehr am Herzen liegt. Ich drehe ihn in Babelsberg. Das ist auch ein sehr provokativer Film. Über ihn werden sich viele Leute aufregen, weil ich mehr oder weniger ein Monument vom Sockel stürze, das seit 400 Jahren angebetet wird. Gleichzeitig zelebriere ich das, was am wichtigsten an Shakespeare ist: sein Werk.“

Welche Schauspieler werden in „Anonymous“ spielen?

Emmerich: „Das werde ich am ersten Drehtag bekanntgeben. Die Dreharbeiten beginnen Mitte/Ende März 2010.“ Zurück zu „2012“ und dem Weltuntergang. Ihr Film spielt ja auch mit den Ängsten der Menschen, die in Zeiten der Weltwirtschaftskrise noch gewachsen sind.

Lassen sich die Menschen zu sehr von ihren Ängsten beherrschen?

Emmerich: „Ich glaube, ja. Als Spezies Mensch haben wir noch ganz schön viel vor uns, was wir lernen müssen. Manchmal denke ich, wir werden einfach nicht so schnell klüger wie wir klüger werden sollten. Wenn man zurücktritt und das Ganze betrachtet, dann ist es erstaunlich, wie wenig wir aus unseren Fehlern gelernt haben.“

Was müssen wir lernen?

Emmerich: „Zum Beispiel, dass die Religionen die Menschen eher entfernen voneinander als vereinigen. Es gibt mehrere Weltreligionen, das ist eigentlich alles der gleiche Gott, so wie ich das verstehe - und trotzdem wird wegen eines anderen Namens getötet. Das ist barbarisch und mittelalterlich. Oder dass wir immer noch Grenzen haben. Wie wenig wir eigentlich Mitgefühl haben, wenn es um Armut geht. Ich will mich da selbst auch nicht ausnehmen. Warum fahre ich einen Sportwagen, wenn ich weiß, dass ich damit die Luft verpeste? Und gleichzeitig habe ich Solarzellen auf meinem Haus! Das macht eigentlich keinen richtigen Sinn. Aber ich kann eben nicht davon lassen, meinen Sportwagen zu fahren. Da muss man an sich selbst arbeiten.“

Wie viel hat eigentlich „2012“ gekostet?

Emmerich: „200 Millionen Dollar.“

Das ist ja noch „relativ“ günstig für ein so mit Actionszenen und Spezialeffekten vollgepacktes Werk...

Emmerich: „Oh ja! „Harry Potter“ zum Beispiel kostet 260 Millionen.“

Sie leben die meiste Zeit in den USA. Wenn Sie mit der Distanz auf Deutschland 20 Jahre nach dem Mauerfall schauen, was fühlen Sie dann?

Emmerich: „In Deutschland hat sich viel getan seit ich weggegangen bin. Auch im Filmgeschäft. Als ich wegging, da war Unterhaltung ein Schimpfwort. Ich glaube, Deutschland ist nicht mehr so negativ wie es mal war. Wir sind da ein bisschen optimistischer und positiver geworden.“

Wie empfinden Sie die großen Feiern zum Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 1989?

Emmerich: „Die finde ich schön. Einen Tag danach ist mein Geburtstag. Ich empfinde es immer so, als ob es mein Geburtstagsgeschenk war. Als es passiert ist, bin ich in den USA morgens von meiner Mutter aufgeweckt worden. Sie gratulierte mir und sagte, schalt mal den Fernseher an, da erwartet dich ein Geburtstagsgeschenk. Auf CNN habe ich dann gesehen, wie Menschen auf der Mauer tanzen. Ich habe immer das Gefühl, das war mein schönstes Geburtstagsgeschenk. Die ganze Entwicklung, wie Deutschland dann zusammengewachsen ist und es auch Probleme gab, die habe ich dann nicht erlebt. Ich bin immer mal nach Deutschland gekommen und habe gefragt, was jammert ihr denn so. Es geht doch voran, ich sehe es. Von außen sieht man manchmal Dinge positiver.“

dpa

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