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Erich Loest bleibt als Chronist deutsch-deutscher Geschichte in Erinnerung

Erich Loest bleibt als Chronist deutsch-deutscher Geschichte in Erinnerung

Das Alter forderte seinen Tribut. In seinen letzten Lebensjahren konnte Erich Loest nicht mehr schreiben: „Einen Roman überblickt man nicht mehr in diesem Alter, da sind einem Grenzen gesetzt“, sagte der Leipziger Autor zu seinem 85. Geburtstag im Jahr 2011. Jetzt ist der Schriftsteller gestorben - durch Suizid, wie die Polizei bestätigte.

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Der deutsche Schriftsteller Erich Loest ist in Leipzig gestorben.

Quelle: dpa

Leipzig. Demnach sprang der Autor am Donnerstagabend aus einem Fenster der Leipziger Uni-Klinik.

Zwischen seinem ersten und seinem letzten Roman - „Jungen, die übrigblieben“ (1950) und „Löwenstadt“ (2009) - liegen Dutzende Werke, in denen Loest mit einem scharfen Blick auf den Alltag die politischen Verhältnisse in Deutschland beschrieb. In seinen Romanen und Erzählungen setzte er sich immer wieder mit der deutschen Teilung und der Wiedervereinigung auseinander.

Die deutsche Geschichte hat Loest wie nur wenige andere Autoren auf wechselhafte Weise am eigenen Leib erfahren: Er war junger Soldat im Zweiten Weltkrieg und NSDAP-Mitglied, trat erst mit voller Überzeugung in die SED ein und später desillusioniert wieder aus. Er verbüßte sieben Jahre wegen „konterrevolutionärer Gruppenbildung“ im gefürchteten Stasi-Knast in Bautzen - für ihn „gemordete Zeit“, wie er in einer Autobiografie schrieb.

Loest wurde im sächsischen Mittweida geboren. 1946 absolvierte der Sohn eines Eisenwarenhändlers ein Volontariat bei der „Leipziger Volkszeitung“. Nur kurz durfte er danach dort als Kreisredakteur arbeiten. Nach einer vernichtenden Kritik seines Roman-Debüts verlor er die Stelle - und wurde freier Schriftsteller. Allein zwischen 1965 und 1975 verfasste er elf Romane und 30 Erzählungen, teils unter Pseudonym, da er in der DDR noch verfemt war. Die Stasi hatte ihn lange im Visier.

Aus Protest gegen die Zensur seines Romans „Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene“ (1978) trat der Autor 1979 aus dem Schriftstellerverband der DDR aus. Weil seine oppositionelle Haltung große Repressalien auslöste, siedelte er 1981 in die Bundesrepublik über. Nach dem Fall der Mauer kehrte Loest schnell in seine Wahlheimat Leipzig zurück - und mischte sich in der Stadt immer wieder in aktuelle Diskussionen ein. So protestierte der vom Kommunismus schwer enttäuschte Leipziger Ehrenbürger gegen Kunstwerke des realistischen Sozialismus im öffentlichen Raum.

Sophia-Caroline Kosel, dpa

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