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Erschreckend viel Talent: Casting für die West Side Story in der Oper Leipzig

Erschreckend viel Talent: Casting für die West Side Story in der Oper Leipzig

Eng aneinander geschmiegt halten sie sich an den Händen. Verliebte Blicke. Große Gefühle. Gar nicht so einfach zu entfachen mitten am Vormittag auf grauem Linoleumboden, beleuchtet nur vom Schein der Neonröhren.

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Vorsingen im Duett: Florian Peters und Olivia Delauré bewerben sich um die Rollen von Tony und Maria in der West Side Story.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Hinzu kommt: Florian Peters und Olivia Delauré haben sich vor eineinhalb Stunden erstmals getroffen. Aber jetzt sind sie nicht Olivia und Florian, sondern Tony und Maria, das Liebespaar aus der West Side Story. Und als sie vorsichtig zum Duett "One Hand, One Heart" ansetzen, da lauschen auf jeden Ton und achten auf jeden Schritt acht Juroren um Opernintendant Ulf Schirmer, Ballettdirektor Mario Schröder und Operndirektorin Franziska Severin. Im Probensaal im dritten Stock der Oper laufen die Auditions, das Casting also, für die West Side Story. Ab Juni 2015 wird das vielleicht bekannteste Musical überhaupt auf der Opernbühne zu sehen sein.

"Ich wollte das Stück seit Beginn meiner Intendanz", sagt Ulf Schirmer in einer Pause und sieht recht zuversichtlich aus, am Ende der drei Casting-Tage einen Tony und eine Maria gefunden zu haben, einen Chino und eine Anita und all die Jets und Sharks. Junge Menschen, deren Stimmen genauso überzeugen wie die Ausstrahlung, die sprechen, tanzen und spielen können. 650 Bewerbungen sind eingegangen. 200 Darsteller sind eingeladen. "Wir haben viele Gute gesehen", sagt Schirmer schon kurz nach der Hälfte der Bewerber. "Es ist fast schon erschreckend, wie viele talentierte Leute dabei sind."

Am Ende entscheiden wohl Kleinigkeiten, wer die Reise ins Manhattan der 1950er Jahre antritt, in die Zeit der Bandenkriege zwischen den weißen Jets und den aus Puerto Rico stammenden Sharks. Ein Konflikt kraftstrotzender Spätpubertierender. Shakespeares Motiv aus "Romeo und Julia" findet seine Wiederholung, wenn die Liebe über die Rassengrenzen die Verbindung zwischen Maria und Tony findet, aber nicht sein darf und mit dem Tod Tonys endet.

Im Sommer vor zwei Jahren erst brachte die New Yorker Produktion des Veranstalters BB-Promotion die West Side Story auch nach Leipzig. Damals auf Englisch, die Neuproduktion der Oper wird als Fassung mit deutschen Sprechtexten zu erleben sein. Dass das Leipziger Publikum nach dem West-Side-Story-Gastspiel schon satt ist, befürchtet Schirmer nicht. "Natürlich gibt es keine Selbstläufer, aber ich sehe das wegen der Qualität des Stücks als unproblematisch." Das Musical stelle außergewöhnliche Anforderungen, weshalb manche Häuser für die Hauptrollen auch auf Opernsänger zurückgreifen. Komponist Leonard Bernstein habe so etwas wie die amerikanische Nationaloper geschaffen.

Mit Bernsteins Musik hat sich Schirmer schon intensiv auseinandergesetzt und zum Beispiel mit dem Münchner Rundfunkorchester die "Symphonischen Tänzen aus der West Side Story" für eine CD eingespielt. Während europäischer Hochmut Bernstein noch nicht recht ernst nahm, riss dieser die Grenzen zwischen E- und U-Musik ein und schuf sein zeitloses Werk, charakterisiert Schirmer die Leistung des 1990 gestorbenen New Yorkers. Die inhaltliche Dramatik des Stücks findet jederzeit ihre musikalische Entsprechung.

Die Ursprungsidee des Stoffs geht auf Choreograf Jerome Robbins zurück. Über dessen präzise Vorgaben, die Bewegungsabläufe der Ensemble-Choreografien wird Mario Schröder wachen. Dass mit Generalmusikdirektor Schirmer und Ballettdirektor Schröder die Chefs für die Produktion verantwortlich sind, war kein unbedeutendes Argument bei den Vertragsverhandlungen. Denn die Aufführungsrechte der West Side Story sind schwer zu bekommen, die Verwalter des Erbes achten streng auf Qualität und dass nicht zu viele Ensembles gleichzeitig eine Region bespielen. Die Oper Leipzig besitzt das Recht für Aufführungen von 2015 bis 2018, womit sich die West Side Story vom übrigen Repertoire unterscheidet.

Ob Olivia Delauré und Florian Peters im kommenden Frühjahr zu den Proben erneut nach Leipzig reisen dürfen, wissen sie noch nicht. Mit ihrem ausdrucksstark improvisierten Duett dürfen sie zufrieden sein. Kurz haben sie sich vorher dafür abgesprochen. "Aber am Ende haben wir alles anders gemacht", sagt Peters. Jetzt warten sie auf eine Nachricht der Jury. "Man hat es sowieso nicht in der Hand", weiß Delauré. "Manchmal wird auch ein ganz bestimmter Typ oder ein bestimmtes Timbre gesucht."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.04.2014

Diemo Rieß

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