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Es bleiben geschwungene Kurven: Stararchitekt Oscar Niemeyer stirbt mit 104 Jahren

Es bleiben geschwungene Kurven: Stararchitekt Oscar Niemeyer stirbt mit 104 Jahren

Oscar Niemeyer war von der Arbeit besessen und die Architektur sein Lebenselixier. Auch als über 100-Jähriger ging der Vater der brasilianischen Architekturmoderne noch regelmäßig ins Büro an der Copacabana in Rio de Janeiro.

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Die Architektur-Welt trauert um einen ihrer ganz Großen: Der Brasilianer Oscar Niemeyer ist tot, gestorben im Alter von 104 Jahren.

Quelle: Marcelo Sayao

Rio de Janeiro. Als er vor vielen Jahren einmal gefragt wurde, wie er gerne in Erinnerung bleiben würde, sagte er, auf seinem Grabstein solle nur ein Satz stehen: „Oscar Niemeyer, Brasilianer, Architekt. Er lebte unter Freunden und glaubte an die Zukunft.“ Am Mittwoch (Ortszeit) starb er in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro im Alter von 104 Jahren.

Er zählte zweifelsohne zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Bauten wollte Niemeyer die Menschen immer überraschen, beschenken und zum Staunen bringen. Seine Heimat Brasilien war ihm in seinem jahrzehntelangen Schaffensdrang nie groß genug. Er entwarf und baute in Italien, Spanien, Frankreich, Israel und vielen Ländern rund um die Erde. Der Mann, der nach Worten des französischen Star-Architekten Le Corbusier (1887-1965) die Berge Rios in den Augen hatte, wurde am 15. Dezember 1907 als eines von sechs Kindern eines deutschstämmigen Kaufmanns in der Stadt am Zuckerhut geboren.

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Rio de Janeiro. Die Architektur-Welt trauert um einen ihrer ganz Großen: Der Brasilianer Oscar Niemeyer ist tot, gestorben im Alter von 104 Jahren. Im Bundesstaat Rio de Janeiro gilt drei Tage Staatstrauer. Hunderte Bauten auf der ganzen Welt sind das Erbe des Stararchitekten. Sein Markenzeichen: Geschwungene Kurven, freie Räume und keine rechten Winkel.

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Nach dem Architektur-Studium begann durch die Zusammenarbeit mit seinen Vorbildern Lucio Costa und Le Corbusier der Aufstieg. Nachdem er 1943 mit dem alten Gesundheitsministerium in Rio internationales Renommee erlangt hatte, war er 1947 prägend am Entwurf des UN-Gebäudes am New Yorker East River beteiligt. Dann folgte Ende der 50er Jahre die Hauptstadt Brasília, die er gemeinsam mit Lucio Costa schuf. Der Durchbruch war da.

In Deutschland baute er ein Wohnhaus für das Hansaviertel in Berlin (1957). Während der Militärdiktatur (1964-1985) wurde Niemeyer in Brasilien verfolgt und mit einem Arbeitsverbot belegt. Er blieb der Architektur zeitlebens treu, genauso wie seiner politischen Überzeugung. Bis zum Schluss war er bekennender Kommunist. Mit Kubas Revolutionsführer Fidel Castro pflegte er eine lange Freundschaft und Castro soll bei einer Gelegenheit mal gesagt haben, er, Castro, und Niemeyer seien vermutlich die letzten Kommunisten auf der Erde.

„Niemeyer hasste den Kapitalismus und den rechten Winkel. Gegen den Kapitalismus konnte er nicht viel ausrichten. Aber über den rechten Winkel, den Unterdrücker des Raumes, triumphierte seine freie, sinnliche und wolkenleichte Architektur“, schrieb einmal der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano zu den Lebenshauptthemen des Brasilianers, der auch den Sitz der Kommunistischen Partei Frankreichs in Paris entwarf.

Der Betrachter kommt sich vor den Niemeyer’schen Werken stets klein vor. Ob es das futuristische Kongressgebäude in der „Reißbrett- Hauptstadt“ Brasília ist, die geschwungene Freitreppe im Außenministerium oder die schlangenförmigen Aufgänge im Innern des „Pavillon Ciccillo Matarazzo“ in São Paulos Ibirapuera-Park - immer stellt sich neben dem Staunen auch Ehrfurcht ein. Die Konfrontation mit den in Beton gegossenen Gedanken Niemeyers ist immer auch eine Begegnung mit völlig ungewohnten, unerwarteten Formen.

Als „Centenario“, als Hundertjähriger, beschrieb er seinen Grundansatz für Architektur einmal so: „Gute Architektur, die, die ich bevorzuge, ist immer Architektur, die sich unterscheidet, die sich nicht wiederholt und die die Rolle eines Kunstwerkes annimmt. Für mich müssen Kunstwerke überraschen.“

Helmut Reuter, dpa

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