Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
"Es macht mir Spaß, nützlich zu sein": Georg Girardet über seine "wilden Jahre"

"Es macht mir Spaß, nützlich zu sein": Georg Girardet über seine "wilden Jahre"

Mit Robert Schumann hat er eins gemeinsam: Viele Jahre lang prägte er das Kulturleben Leipzigs. Über seine "wilden Jahre" in der Messestadt spricht Georg Girardet zwar nicht im Schumann-Haus, sondern auf dem Campus der Rahn-Dittrich-Group, die das Schumann-Erbe bekanntlich pflegt.

Voriger Artikel
Rainald Grebe nimmt auf der Parkbühne die "Berliner Republik" auseinander
Nächster Artikel
Think-Festival trotzt dem Regen – Chaos nach Parkplatzsperrung am Cospudener See

Agil wie in den besten Jahren: Der ehemalige Kulturbürgermeister Georg Girardet ist im "Salon am Donnerstag" der Rahn-Dittrich-Group zu Gast.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. "Es macht mir Spaß, nützlich zu sein", sagt der 71-Jährige, der nach seiner Amtszeit aktiv in Vorständen und Kuratorien ist. Girardet lebt abwechselnd in Berlin und Leipzig, hat hier nach wie vor eine Wohnung. Er gehört zweifelsohne zu den Leuten im besten Alter, die sich einmischen. Diese stellt die Rahn-Dittrich-Group in ihrer Reihe "Salon am Donnerstag" vor.

 Dass er 1991 den Posten des Kulturdezernenten bekam, hat ihn, wie er sagt, selbst "irritiert". Denn eigentlich wurde nach Abwahl des Vorgängers Bernd Weinkauf im Rathaus die Devise ausgegeben, für diese Funktion "niemanden aus dem Westen" zu nehmen. Der promovierte Jurist, der 1978 "als DDR-Analphabet", wie er selbstironisch betont, in die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland nach Ost-Berlin kam, hat sich offenbar viele Meriten erworben, auch Künstler unterstützt. Dafür spricht auch das vernichtende Zeugnis der Staatssicherheit, das Girardet freilich als Lob empfindet.

Es gab auch Schattenseiten

 In Leipzig angekommen, musste er vor allem Probleme lösen. Während der aktiven Jahren im Rathaus hat Girardet fast eine halbe Milliarde Euro in diversen Kultureinrichtungen verbaut. Der Neubau des Museums der bildenden Künste, die Sanierung des Grassi-Komplexes sowie der Ausbau des Leipziger Zoos sind nur wenige Beispiele. Worauf ist er besonders stolz? "Dass es gelungen ist, nach Masur für das Gewandhausorchester Blomstedt und Chailly nach Leipzig zu holen. Das hat der Stadt gut getan." Auch das Bach-Fest samt Thomanerchor und Bach-Archiv sei auf bestem Wege, betont er. Es gab freilich auch Schattenseiten. "Ich war ja auch für die Kleinmesse zuständig. Als dort 2005 ein kleines Mädchen von einem Tor erschlagen wurde, war das ganz furchtbar. Das werde ich nie vergessen."

 Das Kulturbudget Leipzigs ist hoch, trotzdem musste Girardet ständig sparen, was teilweise an die Substanz von Einrichtungen ging. "Dabei gab es zwei bedauerliche Verluste. Wir konnten weder die Ballettschule an der Oper noch das Tanztheater von Irina Pauls erhalten", blickt Girardet zurück, der immer geschickt agierte und sich den Ruf eines Gentlemen erworben hat. Aber eben trotzdem nicht zaubern konnte. "Leider habe ich es nicht mehr geschafft, dass wir das  Naturkundemuseum sanieren."

 Girardet kann viele Episoden und Anekdoten erzählen, ein Buch über die "wilden Jahre" will er aber nicht schreiben. Einmal, so erinnert er sich, habe er sogar eine Morddrohung bekommen. "Im Zoo mussten zwei Braunbären getötet werden. Das geschah zwar nach allen Regeln der Tierhaltung, wurde aber schlecht in der Öffentlichkeit vermittelt." Der Staatsschutz ermittelte, die Drohung entpuppte sich als harmlos: "Ich lebe noch", sagt er verschmitzt und erzählt von vielen Aktivitäten. Etwa für die Carlebach-Stiftung, die didaktisches Material rund um jüdisches Leben für den Unterricht aufbereitet. Oder von einem Projekt in Brandenburg, nicht ausgebildete, weil fächerfremd eingesetzte Musiklehrer zu befähigen, mit den Kinder wieder mehr zu singen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.07.2014

Mathias Orbeck

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Eine neue Ausstellung in der Galerie des Neuen Augusteums widmet sich der Geschichte der Universitätskirche sowie der Entstehung des Neubaus. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr