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Es muss nicht immer Nippel sein - neue Show der Leipziger Burlesque-Gruppe Lipsi Lillies

Es muss nicht immer Nippel sein - neue Show der Leipziger Burlesque-Gruppe Lipsi Lillies

Weißer Pelz auf blauem Satin. Transparente Nylonstrümpfe in türkis glitzernden Highheels. Die Silhouette klar definiert, schlanke Taille, weiter oben sanfte und pralle Wölbungen.

Leipzig. So kommen die Damen der Lipsi Lillies am Valentinstag in einem ’58er Buick vorgefahren und präsentieren sich den Fotografen vor dem Leipziger Central Kabarett.

In ihrer neuen Burlesque-Show „Klein-Paris träumt von der Liebe“ will das Trio zeigen, mit welchen Bewegungen, in welchen Stoffen und Farben der Liebe und ihrer Vorstellung auf die Sprünge geholfen wird. Miss Mama Ulita, Roxie Heart und Simone de Boudoir versprechen, sich auszuziehen, und laden das Publikum auf ein erotisches Augen-Spiel ein.

„Die Frau ist das einzige Geschenk, das sich selbst verpackt“, schnurrt Bert Callenbach dann und führt penetrant französelnd und Chansons vortragend durch den zweieinhalbstündigen Abend. Sein lauter, die Töne nicht immer treffender Gesang passt zum platten, zusammenhanglosen Programm, dem es an Dramaturgie fehlt und das wahllos eine Plattitüde an die nächste reiht.

Auch wenn ein Rahmen durch Leipzig, Traum und Liebe gegeben zu sein scheint, reicht es nicht, sich darauf zu berufen und mit ein paar Stereotypen vom Baguette und Wein einen Bezug zur Frankreich-Metropole herzustellen, um auf die Lillies in Einzel- und Gruppennummern vorzubereiten. Das wirkt nicht locker und lasziv, das ist flapsig und lieblos. Es liegt beim Zuschauer zu entscheiden, wie er zu Callenbachs Auftritt in rosa Pudelkostüm und der Einlage vom Nummerngirl Mitzi von Sacher steht, die einen Martini in ihrem Dekolleté schüttelt und serviert.

Wenn die Lipsi Lillies auftreten, geht es sehr schnell sehr nackt zur Sache. Was zu bedauern ist, denn die Kostüme fordern eigentlich mehr Zeit zum Betrachten ein. Es solle „woo-hoo“ gerufen werden, rät der Moderator, damit sich die Ladies rascher entblößen. Macht keiner, weil niemand aus dem Publikum hinterherkommt, da blitzt schon der Wimpel oder die Glitzerkirsche aus Papier als Sichtschutz der Nippel auf.

Begierde und Lust werden ansatzweise geweckt, aber wie in folgender Nummer nicht durchgezogen: Eine schwarz behandschuhte Hand schiebt sich durch rote dicke Lippen. Eine zweite stößt verlangend hinzu. Wo wollen beide hin? Wer zwängt sich dahinter hervor? Das sinnliche Spiel wird nicht weitergeführt, dem Zuschauer zu wenig an Fantasie zugetraut. Schon wiegt sich Mama Ulita im Korsett auf der Bühne, schmeißt mit Glitzer um sich, zieht die besagten Handschuhe aus und noch mehr.

Das Gute an Frankreich ist der Wein? Oder was die Weinblätter verdecken? Mama Ulita löst Blatt um Blatt von ihrem Körper, die sattgrün auf ihrer hellen Haut leuchten. Auch hier sorgt sie für klare Verhältnisse, indem sie den Fächer zur Seite wedelt. Wie schade.

Es fehlt an Geheimnis und Uneindeutigkeit. Dass weniger mehr ist, beweisen die Lipsi Lillies gegen Ende der Show. Hier nutzen sie endlich ihr akrobatisches Talent und spielen mit der Musik, dem Licht und den Vorstellungen des Publikums, bauen intensivere Szenarien und Stimmungen auf. Andeutungsweise verraten sie, was sich alles unter blauem Satin verstecken kann.

Claudia Panzner

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