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Ex-Intendant des Leipziger Schauspiels: Wolfgang Engel wird 70

Ex-Intendant des Leipziger Schauspiels: Wolfgang Engel wird 70

"Das deutsche Theatersystem wird sterben. Es geht bereits im Sturzflug nach unten." Dramatische Worte, aber nicht ganz taufrisch. Denn Wolfgang Engel, damals noch Intendant des Leipziger Schauspiels, sprach sie 2003 aus Anlass seines 60. Geburtstags.

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Regisseur und Leipzigs Ex-Schauspielintendant: Wolfgang Engel wird heute 70.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Am 13. August wird er 70, und es trägt ihn noch immer ganz gut, das deutsche Theatersystem: Musik- (auch an der Oper Leipzig) und Sprechtheater-Inszenierungen in der ganzen Republik festigten seinen Ruf als Regisseur, ganz aktuell zwischen Essen (wo Engel im September Shakespeares "Macbeth" auf die Bühne hilft), und Dresden (wo er Anfang 2014 einen Blick auf "Die letzten Tage der Menschheit" wirft).

"Joseph und seine Brüder" in Düsseldorf, "Der Turm" in Dresden, "Othello. VenedigsNeger" in Halle - in seiner Eigenschaft als freier Regisseur meldet der Ex-Intendant Saison für Saison "ausgebucht", seit er 2008 die Leitung des Leipziger Hauses an Sebastian Hartmann übergeben hat. Auch schon wieder Geschichte - in diesen Tagen macht sich in der Bosestraße Enrico Lübbe warm, der, als junger Regisseur von Engel gefördert, mit Beginn der nächsten Saison Leipzigs kommunales Sprechtheater in die Zukunft führen soll und muss.

Zehn Jahre Sturzflug - das zeigt, auf welcher Höhe sich das deutsche Theatersystem befand. Denn niemand wird ernsthaft bestreiten, dass Engels Kassandra-Ruf der Grundlage entbehrte. Denn das Prinzip Stadttheater steckt in der Krise und bedarf der Neubestimmung - auch dies ein Grund dafür, dass Hartmann und Leipzig nicht zueinanderfanden.

Dieses Prinzip allerdings, es ist der Humus für die Bühnenkunst des Wolfgang Engel. Sein mal mehr, mal weniger mit Bühnenwirklichkeit unterfüttertes Credo über 13 Jahre Intendanz: "Wir wollen gutes Theater machen für die Region, mit einem Spielplan aus alten und neueren Stücken. Und ich denke, dass wir dieser Aufgabe, ein umfangreiches Repertoire für verschiedene Zielgruppen anzubieten, in der Mehrzahl der Produktionen gerecht werden."

Angefangen hat der Schweriner in seiner Geburtsstadt. Nach dem Abitur absolvierte er am Mecklenburgischen Staatstheater eine Schauspielausbildung. Bis 1974 war er dort Bühnenarbeiter, Schauspieler, Regieassistent, schließlich Regisseur. Dann wechselte Engel an die Landesbühnen in Radebeul, schließlich ans Staatsschauspiel in Dresden. Dort stieg er mit aktualisierten Klassikern und Heiner Müller-Werken in die erste Reihe der DDR-Regisseure auf.

"Ich kann nur im Sinne von Opposition Theater machen." Das war damals die Basis seiner Arbeit - und ist es wohl noch heute. Wobei die Stoßrichtung nicht mehr so eindeutig ist, wie sie es in den letzten Tagen der untergehenden DDR gewesen sein mag. Doch heute wie gestern geht es gegen ein System. Damals gegen ein politisches, heute gegen ein gesellschaftliches, das ein künstlerisches bedroht: das deutsche Stadttheater, das einer wie Wolfgang Engel braucht wie die Luft zum Atmen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.08.2013

Peter Korfmacher

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