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Kultur Exkurse in ein Jahrhundertleben
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00:18 28.04.2017
W. Michael Blumenthal, gemalt von Michael Triegel. Quelle: Repro: Galerie Schwind
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Am Dienstag in Berlin: Im Abgeordnetenhaus ist das Porträt von W. Michael Blumenthal enthüllt worden. Der deutsch-amerikanische Politiker und Manager war 2015 zum Ehrenbürger der Hauptstadt ernannt worden. Als solcher hat er das Recht, von einem Maler seiner Wahl ein Porträtbild für die Galerie im Abgeordnetenhaus anfertigen zu lassen. Auf Vermittlung des früheren Berliner Kultursenators André Schmitz, mit dem Triegel gut bekannt ist, lernte Blumenthal den Leipziger Maler kennen. „Wir fanden sehr schnell zueinander. Herr Blumenthal besuchte mich in Leipzig, zu den Malstudien fuhr ich mehrmals nach Berlin“, berichtet Triegel.

Blumenthal (91) ist das, was man einen Weltbürger nennt. 1926 war er in Oranienburg zur Welt gekommen. Sein Vater war Textilkaufmann. 1939 flüchtete die jüdische Familie aus Deutschland nach Schanghai, 1947 kam Blumenthal in die USA, wo er an renommierten Universitäten studierte und promovierte. Er arbeitete als Manager und auch in der Politik, unter anderem als wirtschaftspolitischer Berater der Präsidenten Kennedy und Johnson. Von 1977 bis 1979 war er der Finanzminister im Kabinett von Präsident Carter. Nach dem Fall der Mauer kehrte Blumenthal in seine frühere Heimatstadt Berlin zurück und wurde hier 1997 zum Gründungsdirektor des Jüdischen Museums berufen. Bis 2014 leitete er die Einrichtung und baute sie zum größten jüdischen Museum Europas auf.

Für Triegel war es „ein sehr besonderes Erlebnis“, Blumenthal porträtieren zu können: „Die Malsitzungen waren Exkurse in ein Jahrhundertleben. Der alte Herr erzählte und war auch interessiert an den gegenwärtigen Ereignissen. Als das Bild entstand, tobte in den USA der Wahlkampf. Dass Trump Präsident werden könnte, war für Blumenthal undenkbar. Später wollte er dann zu diesem Thema nichts mehr sagen …“ Maler und Gemalter waren sich sympathisch, was auf dem Bild sichtbar wird. Blumenthal, am Schreibtisch sitzend, die Brille abgelegt, ruht in sich.

Mit dem Porträt hat Triegel eine aktuelle Aufgabe erfüllt. Eine weitere ist auch gerade abgeschlossen. Für die Kirche St. Peter und Paul in Würzburg hatte er das 220 mal 100 Zentimeter große Gemälde „Barmherziger Jesus“ geschaffen, wo es vergangenen Sonnabend mit einer Messe der Öffentlichkeit übergeben wurde. Triegels Jesus entstand auf Bitte der Würzburger Kirchenleitung und als künstlerische Antwort auf die allzu kitschigen Jesusbilder der polnischen Maler Eugeniusz Kazimirowski und Adolf Hyla, die ihre Darstellungen nach der Erscheinung der Nonne Faustyna Kowalska in den 1930er-Jahren geschaffen hatten und die bis heute zu den Kultbildern der vom katholischen Glauben geprägten Kunst gehören.

Michael Triegel ist vielfach präsent. Demnächst mit seiner Schau „Logos und Bild“ im hiesigen Museum der bildenden Künste (11. Mai bis 6. August). Im Mittelpunkt stehen elf kleinformatige Bilder auf Pergament, die zu ausgewählten Tischreden von Martin Luther (jüngst erschienen als Band der Insel Bücherei) entstanden. Ergänzend wird eine Auswahl von Gemälden Triegels gezeigt, die sich mit der christlichen Ikonografie auseinandersetzen.

Thomas Mayer

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