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Feldpost an den Herrn Geheimrat: Publikation widmet sich den Briefen an Joseph Partsch

Feldpost an den Herrn Geheimrat: Publikation widmet sich den Briefen an Joseph Partsch

Seine Studenten verehrten ihn - und selbst als sie dem Martyrium des Ersten Weltkrieges an der Front ausgesetzt waren, hielten sie Kontakt zu ihrem Lehrer und Mentor, dem Geografie-Professor Joseph Partsch (1851-1925).

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Auf mehr als 400 Seiten sind rund 300 Briefe und Karten dokumentiert, die Partsch erhielt. (Symbolbild)

Quelle: Stephanie Pilick

Leipzig. Anno 1905 war er an die hiesige Uni berufen worden, sein Nachlass füllt 34 Kästen im Archiv des Leipziger Leibniz-Institutes für Länderkunde (IfL).

Mehr als 3200 Dokumente umfasst der Fundus, darunter findet sich viel Feldpost, die ihm von seinen Schülern zuging, als diese in den Schützengräben lagen. Viele von ihnen, die zu Pfingsten 1914 noch gemeinsam bei einer Exkursion durchs Riesengebirge stiefelten, blieben auf den Schlachtfeldern.

"Wenn die Feder versagt -" - so ist eine Neuerscheinung des Leipziger Universitätsverlages (32 Euro) überschrieben, bei der Heinz Peter Brogiato und Bruno Schelhaas vom IfL als Herausgeber fungieren. Auf mehr als 400 Seiten sind rund 300 Briefe und Karten dokumentiert, die Partsch erhielt und die Zeugnis ablegen von Verlust, Grauen und Heimweh, aber auch von patriotischer Verblendung und Zukunftsplänen inmitten der Trostlosigkeit. Partsch wiederum versorgte, wann immer es ihm möglich war, seine Studenten mit Lektüre und ward dafür bedankt, denn sie gierten - abgestumpft vom Kriegsalltag - nach fachlichem Lesestoff. "Dass hier im Felde das Leben nur Körper und Willen beansprucht, erzeugt einen förmlichen Hunger nach geistiger Arbeit", teilte Alfred Jentzsch 1916 dem "sehr geehrten Herrn Geheimrat" aus Frankreich mit. Jentzsch überlebte hochdekoriert und wurde später Rektor der Leipziger Thomasschule.

Aus der Hölle von Verdun meldete sich Kurt Hartmann 1916 bei seinem Hochschullehrer: "Mein Regiment hat 1200 Verluste." Am wohl fürchterlichsten Brennpunkt des Krieges befinde er sich, im Bereich des allgegenwärtigen Todes. "Die Feder versagt bei der näheren Schilderung." Otto Jähne, den der Einberufungsbefehl aus der Arbeit an seiner Dissertation gerissen hatte, schilderte Partsch die Situation an der Ostfront. In seiner letzten Botschaft, datiert vom 14. Januar 1915, beschrieb er rückblickend die Kampfhandlungen zum Jahreswechsel. Seine Einheit war in sumpfigem Gelände unter massives Feuer geraten. Im August 1915 starb er den "Heldentod" - ebenso wie Karl Wolff, dem nach erfolgreicher Promotion und als Generalsekretär der Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig eigentlich eine akademische Karriere zugedacht war. Einen Monat vor seinem Tod im April 1916 hatte er Partsch noch einmal mit Post bedacht. "Scharfe Briefzensur" verbiete es ihm, über seinen Aufenthaltsort und die Art seiner Tätigkeit zu berichten, notierte Wolff. Später kam heraus, dass er bei Verdun gefallen war und "sein Körper nicht geborgen werden konnte".

In Summe ist das Buch weit mehr als die Überlieferung von Einzelschicksalen. Das Puzzle fügt sich zum Gesamtbild eines bisher kaum beleuchteten Kapitels der geografischen Disziplingeschichte. Während an der Heimatfront geostrategische Annexionsparolen ausgegeben wurden, kam den Geografen fernab der Heimat im Stellungskrieg die Weltsicht abhanden: "Man führt hier draußen ein richtiges Maulwurfsleben", ließ Hans Rudolphi seinen Doktorvater Partsch 1916 aus Frankreich wissen. Zwei Jahre später beschrieb er, wie seine Fachkenntnisse nun gefragt seien: Beim Kartieren in zerschossenem Gelände, dem Suchen nach Katakomben und Höhlen, "die für unsere Truppen als bombensichere Unterkünfte von Bedeutung sind". Rudolphi kam mit dem Leben davon, wurde Assistent von Partsch, habilitierte 1921 und wirkte von 1931 bis zur Emeritierung 1952 als außerordentlicher Professor für Geografie an Leipzigs Universität.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.09.2014

Mario Beck

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