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Festakt mit Alarmsirenen: Die Hochschule für Frafik und Buchkunst feiert 250. Geburtstag

Festakt mit Alarmsirenen: Die Hochschule für Frafik und Buchkunst feiert 250. Geburtstag

Zwillingsjubiläum in Sachsen: Die Kunsthochschulen in Leipzig und Dresden feierten gestern ihren 250. Geburtstag. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) entschied sich gestern Nachmittag für Leipzig.

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Die Rektorin der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, Ana Dimke (mitte) mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (r., CDU) und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (l., SPD).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Hier konnte er sich gleich den Protest gegen Kürzungen an den Universitäten im Freistaat ansehen. Denn während die Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) gefeiert wurde, droht dem Institut für Theaterwissenschaft das Aus.

Es gibt viele Formen der Verweigerung. Das etwa 80 mal 60 Zentimeter große Faltblatt, das die Gäste des gestrigen Festakts in der HGB auf ihren Stühlen vorfanden, berichtet unter anderem über Historie und Studiengänge. Absätze? Überschriften? Gliederung? Fehlanzeige. Da springt die Botschaft vor der Tür deutlicher ins Auge: "Gegen Kürz- und Spardiktat in dem Anti-Bildungsstaat", heißt es auf einem Plakat des Studentenrats Leipzig. Auch Studenten vom Institut für Theaterwissenschaften machen sich bemerkbar. Während die eine Institution für "250 Jahre Zukunft" (Tillich) gefeiert wird, könnte eine andere, gleichfalls traditionsreiche, bald Vergangenheit sein.

Vor diesem Hintergrund bekommen die Reden, in denen Freiheit, Notwendigkeit und utopisches Potenzial der Kunst gefeiert werden, fast den Charakter einer satirischen Performance. Die gibt es dann am Ende wirklich, wenn die in Dresden geborene Künstlerin Ellen Kobe in die imaginäre Ausstellung "JUBILÄUM" einführt und Bilder beschreibt, über die es an der Wand nur Info-Zettelchen gibt, sie angeblichen Leihgebern, Financiers und Schirmherren dankt. Auch eine Form der Verweigerung. Und ein Fingerzeig in die Zukunft? Leere Wände, leere Kassen? "Bis 2015 sind alle Kunst- und Musikhochschulen von Stellenkürzungen ausgenommen. Aber ich blicke mit Sorge auf die weitere Entwicklung", sagte HGB-Rektorin Ana Dimke im Vorfeld der Feierlichkeiten.

Die Rede von Ministerpräsident Stanislaw Tillich hielt sich eher im Allgemeinen auf, drehte sich etwa um die Frage, was Kunst sei. Eine mögliche Definition: "Wenn Arbeiten aus der HGB kommen, dann ist das Kunst." Diese stehe für handwerkliche Qualität der Ausbildung, "immer wieder überraschende und überzeugende Zwiesprache verschiedener Kunstformen". Es sei bewundernswert, wie es beiden sächsischen Kunsthochschulen "in den letzten 250 Jahren gelungen ist, sich neuen Entwicklungen und Kunstformen zu öffnen, ohne sich dabei in Beliebigkeit zu verlieren". Der HGB mit heute knapp 600 Studierenden wünscht Tillich am Ende eine "hoffnungsvolle Zukunft" und "Glück auf".

Zuvor hatte Ana Dimke die Fähigkeit zur Veränderung gelobt: "Die HGB musste sich immer wieder neu erfinden." Jetzt wolle man ein ganzes Jahr lang die weit ausgespannten Verbindungen der Hochschule präsentieren, mit zahlreichen Ausstellungen und Kooperationen.

Es ist Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), der auch im offiziellen Redeteil zumindest vorsichtig auf die sich im Hintergrund zusammenbrauenden Spar-Szenarien hinweist und vor einer einseitigen Ökonomisierung der Kunst warnt: "Wir brauchen eine solide Finanzierung unserer Hochschulen. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Und das gelte nicht nur in Festreden an runden Geburtstagen.

Am 6. Februar 1764 war die Leipziger Hochschule als "Zeichnungs-, Mahlerey- und Architecturakademie" gegründet worden - in wirtschaftlich durchaus ungünstigen Zeiten, wie Jung betont. "Hatte man damals nichts Besseres zu tun?", fragt der Oberbürgermeister und beantwortet seine rhetorische Frage gleich selbst: "Nein, man handelte - wie man heute sagt - antizyklisch." Denn man habe damals schon erkannt: "Kunst ist ein Überlebensmittel."

Und so verbinden sich die Worte des Leipziger Oberbürgermeisters mit den Alarmsirenen der im Hintergrund protestierenden Studenten. Verweigern kann man sich nämlich auch dem Wegstreichen eines ganzen Instituts.

In der Kunsthalle der Sparkasse ist zum 250. Geburtstag der HGB ab heute die Ausstellung "einszueins" zu sehen. Gezeigt werden bis 11. Mai Arbeiten von acht Professoren und ihren profiliertesten Meisterschülern; geöffnet Di, Do-So 10-18, Mi 12-20 Uhr; Eintritt 5/2,50 Euro; Otto-Schill-Straße 4 a in Leipzig)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.02.2014

Jürgen Kleindienst

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