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Forscherin Maria Hübner bleibt neugierig auf Bach und die Barockzeit

Ruhestand Forscherin Maria Hübner bleibt neugierig auf Bach und die Barockzeit

Die Musikwissenschaftlerin Maria Hübner, die fürs Bachmuseum 22 Ausstellungen kuratiert und auch maßgeblichen Anteil an der Dauerschau hat, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Sie freut sich über die freie Zeit, will aber weiter forschen.

Maria Hübner in der Ausstellung „Glaubenswelten“. Sie hat 22 für das Bachmuseum kuratiert und geht nun in den Ruhestand

Quelle: André Kempner

Leipzig. Für eine Museumsnacht hat sie sogar mal über Gerichte aus der Barockzeit geredet: Maria Hübner (65) war es immer wichtig, das Alltagsleben im Blick zu haben und den Besuchern des Bach-Museums am Thomaskirchhof Details aus eben jener Zeit zu vermitteln. Unter dem Motto „Aufgetischt“ zitierte sie einst aus Rezepten und verriet nicht ohne Augenzwinkern, wie eine Suppe gekocht werden sollte. Vorgeschlagen wurde, alte Manuskriptseiten – die damals aus Darm bestanden – hineinzuschneiden. „Wenn sie aufgehen, sehen sie aus wie Maden. Das war natürlich ein Spaß aus der Barockzeit“, sagt Hübner.

Nach 30 arbeitsreichen Jahren im Bach-Archiv geht die Musikwissenschaftlerin, die allein fürs Bach-Museum 22 Ausstellungen kuratiert und auch maßgeblichen Anteil an der Dauerschau hat, in den Ruhestand. Bach und seiner Familie will die leidenschaftliche Forscherin dennoch treu bleiben. Sie könnte sich eine weitere Veröffentlichung zu den Frauen der Familie vorstellen. „Das ist aber nur eine Idee, denn Bach lässt mich nicht los.“ Sie gilt als Spezialistin für Anna Magdalena Bach, über die sie auch ein längst vergriffenes Buch geschrieben hat. Von ihr ist sie fasziniert. „Mit 21 Jahren war hier in Leipzig ihre Karriere zu Ende. In der Kirche sangen Frauen damals nicht solistisch“, erzählt sie. Bekannt sei, dass sie mit ihrem Mann einige Konzertreisen unternahm. Dass sie in Leipzig bei Hochzeiten oder anderen Privatkonzerten gesungen haben könnte, ist allerdings nur eine Vermutung.

Seit 1985 hat das Bach-Archiv sein Domizil im Bosehaus am Thomaskirchhof. „Dort habe ich zunächst auf Honorarbasis arbeiten können. Das war für mich mit drei kleinen Kindern eine wunderbare Situation“, erinnert sich Maria Hübner. Nach zwei, drei Jahren musste sie sich dann entscheiden, voll zu arbeiten oder ganz aufzuhören. Ihr erster Arbeitstag als wissenschaftliche Assistentin war dann der 1. Mai 1987. „Das war das einzige Mal, dass ich zu einer Mai-Demonstration gegangen bin, weil der damalige Generaldirektor mich unbedingt sehen wollte. Später konnte ich immer die Kinder vorschieben.“ Sie hat geforscht, sich die Themen meist selbst erarbeitet. „Ich hatte viel Freiheit, es war durchaus eine kreative Atmosphäre“, blickt Hübner zurück. Zunächst beschäftigte sie sich mit Thomaskantor Karl Straube, über den sie auch die Diplomarbeit geschrieben hat. „Das Thema finde ich nach wie vor spannend, weil Straube viele Aufführungstechniken ausprobiert hat, die später wieder für viele Jahrzehnte vergessen wurden.“ Mit der Umstrukturierung des Bach-Archives, bei der niemand genau wusste, wie sich die Forschungsarbeit entwickelt, wechselte sie ins Museum. „Passion und Auferstehung“ hieß die erste, „Glaubenswelten“ 2017 die letzte. Vergleichbar sind sie trotz religiöser Themen wahrscheinlich nicht. Durch Umbau und Neueröffnung des Museums 2010 gibt es viel mehr Raum und bessere Möglichkeiten, Ausstellungen zu präsentieren. Von der Idee bis hin zum Abholen von Exponaten bis zum Aufbau hat sie – gemeinsam mit Gestaltern – vieles ausprobiert. Die Wissenschaftlerin ist neugierig, vergleicht ihre Arbeit mit dem Entwickeln eines Fotos. „Wenn man das Fotopapier in die Entwicklerlösung gelegt wird und langsam Konturen und Details kommen, so ähnlich empfinde ich Forschungsarbeit.“ Oft hat sie in den Archiven Dinge gefunden, die den Rahmen einer Ausstellung gesprengt hätten. Die hat sie dann in wissenschaftlichen Beiträgen, etwas fürs Bach-Jahrbuch, verarbeitet.

In den Ruhestand geht die Markkleebergerin, die leidenschaftlich gerne Fahrrad fährt und „nur für den Hausgebrauch“ Cembalo spielt, mit einem lachenden und weinenden Auge. „Ich genieße es einfach, mehr Zeit zu haben.“ Auch für die Familie. Sie forscht aber weiter, hat zuletzt zur Familie des sächsischen Oberpostmeisters Johann Jacob Kees recherchiert. In ihrem Buch „Die Familie Kees in Leipzig, Zöbigker und Gautzsch“, erschienen im Sax-Verlag, stellt sie diese über acht Generationen bis 1945 vor. Pläne hat sie genügend: „Mit meiner Arbeit hatte ich viel Glück. Nun möchte mich mehr für Ökologie und Umweltschutz engagieren.“

Von Mathias Orbeck

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