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Kultur Fränkische Harmonie: Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel glänzen im Nürnberger Tatort
Nachrichten Kultur Fränkische Harmonie: Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel glänzen im Nürnberger Tatort
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00:18 11.04.2015
Der Nürnberger Tatort zeigt sich ungewöhnlich idyllisch. Quelle: Sven Hoppe (Symbolfoto)
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Nürnberg

Physik-Professor Christian Ranstedt (Philippe Brenninkmeyer) ist tot, ermordet beim Liebesspiel in einem Waldstück –„Petite Mort“ nennen Franzosen den Höhepunkt des Aktes, der hier tödlich endet.

Der neue Hauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs), ein echtes Nordlicht, stolpert mitsamt seinem Rollkoffer in den ersten Fall und wird mit offenen Armen empfangen. Kein Neid von Kollegen, die bei der Beförderung übergangen worden sind, keine Versuche, dem „Neuen“ die Hackordnung klarzumachen. Mit Kollegin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) ist er im Express-Tempo per Du, sie findet: „Zu zweit ist es immer leichter“. Verkehrte Welt für „Tatort“-Fans, die zuletzt vor allem mit spinnerten (Stellbrink in Saarbrücken) und traumatisierten (Faber in Dortmund) neuen Kommissaren konfrontiert wurden.

Mit Manzel, der Grande Dame der Berliner Bühnen (die 56-Jährige spielte Theater für Frank Castorf und Heiner Müller), leistet sich der Franken-„Tatort“ eine große Schauspielerin. Ringelhahn ist der „Bad Cop“ mit drei Disziplinarverfahren in der Akte und einer Schießblockade im Kopf, sie lässt beim Verhör eine Wuttirade los und schiebt charmant hinterher: „Jetzt hätte ich mich fast ein bisschen aufgeregt.“ Ein kleines Augenzwinkern spielt in vielen Szenen des Franken-„Tatorts“ mit.

Spurensicherer Michael Schatz (Kabarettist Matthias Egersdörfer) sinniert am Tatort mit Blick auf die mächtigen Bäume „Ja, ja, das Waldsterben“, Kollegin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) kommentiert das Nürnberger Großraumbüro lakonisch mit dem Satz „Wir sind hier nicht bei ‚Schöner Wohnen‘.“ Die Kulisse aus dunkelbraunen Pressspanplatten und verdorrten Topfpflanzen hat der Szenenbildner aus vier aufgelösten Etagen der Rentenversicherungsanstalt gerettet.

Und mittendrin die „Tatort“-Lichtgestalt Fabian Hinrichs. 2012 nervte er als übereifriger Assistent Gisbert die eingespielten Münchner Kommissare Batic und Leitmayr – und fand den jähen Tod, die Empörung der Fans war damals gewaltig. Seine neue Hauptrolle hat auch kleine Schrullen: Mit einem unbedarft- fröhlichen Lächeln marschiert der hoch aufgeschossene Kommissar Voss (der in seiner Personalakte als „feinnervig“ bezeichnet wird) auf Menschen zu, freut sich wie ein kleines Kind über einen Zungenschnalzer von Kollegin Ringelhahn, freundet sich mit dem hiesigen Dialekt an und findet alles „subber“. Wie viel Nürnberg steckt im neuen „Dadord“? Ein wenig Sprachfärbung, eine Straße mit „Quelle, Adler, AEG, den untergegangenen Weltunternehmen“, ein Schwenk über die Kaiserburg – und der Patriotismus von Polizeipräsident Kaiser (Stefan Merki). Als seine Kommissare bei ihren Ermittlungen auf Waffengeschäfte stoßen, wettert er, dass ihm das die Hauptstadt auf den Hals hetze. „München“, sagt er mit Abscheu. „Hier waren die Kaiser! Da haben die da unten sich noch mit Knödeln beworfen.“

Regisseur Max Färberböck („Aimée und Jaguar“) gibt den Zuschauern Zeit, die neuen Ermittler und ihr Team kennenzulernen, jede Nebenrolle ist fein gezeichnet und mit ausgezeichneten Schauspielerin besetzt, jede Szene mit Liebe inszeniert. Die Krimi-Handlung tritt dabei fast in den Hintergrund: Charaktere wie Ranstedts Assistentin oder sein zwielichtiger Stiefbruder, der die Forschungsergebnisse abgreift und damit Waffen entwickelt, verschwinden schnell wieder in der Versenkung. Am Ende ist es ein stilles Gefühlsdrama, von dem auch ein actionreiches Finale nicht ablenken kann. Insofern passt auch der Schlusssatz von Felix Voss: „Na ja, für den Anfang war das schon ...“

Der nächste Franken-„Tatort“ mit Voss und Ringelhahn spielt übrigens in Würzburg. Man darf sich freuen.

„Der Himmel ist ein Platz auf Erden“

: ARD „Tatort“ mit Fabian Hinrichs, Sonntag, 20.15 Uhr

LVZ

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